Experten senken Konjunkturprognose

+
Exportschlager Auto: "US" steht im BMW-Werk in Dingolfing an einem Fahrzeug für den amerikanischen Markt. Foto: Armin Weigel/Archiv

Die Ausgaben zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms kurbeln die Binnennachfrage an. Doch insgesamt schwäche sich die Konjunktur ab, warnen Experten. Auch Bundeskanzlerin Merkel mahnt.

Essen/Halle (dpa) - Auch wegen der Streitigkeiten in der EU rechnen Wirtschaftsforscher mit einem geringeren Wachstum in Deutschland als die Bundesregierung. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI senkte seine Prognose für das laufende Jahr deutlich um 0,4 Punkte auf 1,4 Prozent.

"Die Dynamik des Welthandels hat sich deutlich verlangsamt, und der Zusammenhalt in der EU hat sich jüngst deutlich verschlechtert", sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Sollten sich diese Tendenzen fortsetzen, wäre das "Gift" für die deutsche Volkswirtschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor zu viel Euphorie über die konjunkturelle Entwicklung.

Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) rechnet mit 1,5 Prozent und liegt damit ebenfalls unter der Annahme der Bundesregierung von 1,7 Prozent. Der Schwung dürfte zunächst etwas verloren gehen. Für die zweite Jahreshälfte sei jedoch mit einem Wiederanziehen zu rechnen.

"Das Wirtschaftswachstum ist nicht schlecht, aber auch nicht überragend", sagte Merkel auf der Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin. Angesichts des niedrigen Ölpreises und der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte das Wirtschaftswachstum eher größer ausfallen. Doch zugleich warnte die Kanzlerin: "Das kann uns nicht total beruhigen."

Die Wirtschaftsforscher rechnen damit, dass die Ausgaben für Flüchtlinge die Konjunktur im Jahresverlauf stützen werden. Das habe zuletzt bereits die Binnennachfragen angekurbelt. Allerdings werde auch die Arbeitslosigkeit wegen des Zustroms von Migranten zunehmen. So rechnet das WSI mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent in diesem Jahr auf 6,5 Prozent 2017. Für das kommende Jahr gehen die Forscher von einem wieder etwas stärkeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,6 Prozent aus.

Mitteilung RWI

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.