Der Gepäckwagen-Hersteller aus Kassel baut sein Geschäft mit Last-Hebetechnik aus

Expresso lässt schweben

Leicht zu dirigieren: Mit Hilfe von Druckluft lassen sich auch schwere Teile leicht bewegen. Die Hebe- und Antriebstechnik ist das am stärksten wachsende Geschäftsfeld von Expresso. Foto: nh

Kassel. Hochwuchten. Drehen, schütteln, absetzen – 40 Kilogramm wiegt das Aluminium-Gehäuse, das später einmal das Getriebe eines Personenwagens aufnehmen wird. Die Arbeiter, die die mattsilbrigen Brocken während der Produktion anpacken, bewegen während einer Schicht Tonnen – Schwerstarbeit für Knochen und Gelenke.

Die Kasseler Expresso Deutschland GmbH hält solche Gewichte mit Hilfe von Druckluft in der Schwebe. An Schienen oder Stahlbauten montiert, nimmt der Arm des BalanceLift genannten Hebesystems die Last mit einem Greifer oder mit Saugnäpfen auf, die für deren Abmessungen maßgeschneidert sind. Pneumatisch geschubst, lassen sich so bis zu 300 Kilogramm leicht in alle Richtungen bewegen.

Expresso ist vor allem für seine zweirädrigen Handkarren sowie Gepäckwagen für Bahnhöfe und Flughäfen bekannt. Mit der Hebe- und Antriebstechnik stärkt das Unternehmen sein drittes Standbein.

Dieses spielt inzwischen rund ein Drittel des Unternehmensumsatzes ein und ist nach Worten von Expresso-Geschäftsführer Winfried Kaiser die Sparte mit dem größten Wachstum. Denn in den Industriebetrieben gibt es immer mehr ältere Beschäftigte. Auch bemühen sich Unternehmen zunehmend, die hohe körperliche Belastungen an den Arbeitsplätzen zu verringern, um Krankheiten ihrer Beschäftigten vorzubeugen. Neben dem BalanceLift baut Expresso weitere Hebevorrichtungen und sorgt auch für den Transport des Hochgewuchteten: Mit Elektromotoren angetriebene kleine Karren oder Wagen, in deren Griffe Sensoren stecken. Durch den Druck der Hand lassen sich die elektronischen Lastesel leicht manövrieren. Die großen von ihnen können bis zu 2,5 Tonnen schleppen. Die Antriebstechnik hat längst ihren Weg aus den Fabrikhallen gefunden. Briefträger in Deutschland, Großbritannien und Norwegen sind mit den Zustellwagen aus Kassel unterwegs.

Interessant für die Nordhessen: Die Skandinavier brauchen 500 Wagen – wie Expresso an dem Auftrag beteiligt ist, ist aber noch nicht raus. Die britische Royal Mail wiederum will in den nächsten Jahren gut 14 500 Postfahrräder verschrotten. Wodurch sie ersetzt werden, steht noch nicht fest. Auch hier hofft Expresso auf Aufträge.

Weil die Hebe- und Antriebstechnik immer ausgefeilter wird, wandelt sich Expresso. Hatte das Unternehmen vor einigen Jahren noch überwiegend zugelieferte Teile montiert, setzt man jetzt verstärkt auf Eigenfertigung und -entwicklung. Das technische Wissen soll im Haus bleiben.

Und dieses Wissen wächst ständig. Neueste Idee: Ein robuster Roller für Postboten mit Platz für ihre Brieffracht, mit dem sich auch Treppen überwinden lassen. 30 von ihnen sind bereits im Test auf deutschen Straßen unterwegs.

Von Barbara Will

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