Der Muff gehörte lange zur Eleganz – Handschuhe liefen ihm den Rang ab

Meine Großmutter hatte ihre eigene Vorstellung von Eleganz. Wenn sie ausging, trug sie stets einen Hut. Und im Winter stecken ihre Hände in einem Muff. Die schwarze Rolle mit dem kleinen eingearbeiteten Täschchen war aus Lammfell gefertigt.

Als kleines Mädchen bekam ich auch einen Muff. Falls meine Großmutter damit das Ziel verfolgt haben sollte, mich zu modischem Schick zu erziehen, ist sie damit gescheitert: Zum Herumtollen im Schnee war das Ding denkbar unpraktisch, ich trug stattdessen Fäustlinge.

Woher der Muff stammt, ist unklar. Das Wort kommt vermutlich vom lateinischen „muffula“, was Pelzhandschuh bedeutet. Erstmals erwähnt ist er in einem venezianischen Trachtenbuch von 1590.

Im 17. Jahrhundert steckten die höheren Stände in Deutschland und in Frankreich, Männer wie Frauen, ihre Hände in die röhrenförmig zusammengenähten Fell- oder Strickrollen. Gearbeitet war das teure Stück aus edlen Fellen wie Hermelin oder Zobel. Getragen wurde er nicht nur im kalten Winterwetter, sondern auch in den Salons.

Schick von damals: Die kolorierte Postkarte der Dame mit Muff stammt von 1909.

Einfach Leute wickelten ihre Hände hingegen einfach in eine Decke. Der Muff aber gewann an Größe: Die barocken Ungetüme, die man zur Zeit Ludwig XIV. trug, hatten „außer den kleinen Händen der schönen Trägerin auch noch gewöhnlich dem Schoßhunde der Dame ein Heim zu gewähren“, heißt es in „Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus“ 1903. Den Umfang einer kleinen Biertonne musste der Muff mindestens erreichen, sonst war er für die elegante Dame unbrauchbar.

Im 19. Jahrhundert war der Muff zum reinen Damen-Accessoire geworden und gehörte zwingend zur feinen Wintergarderobe. Danach wurde er von Pelzhandschuhen verdrängt. In den 50-er Jahren, als warme Handschuhe Mangelware waren, griffen viele Frauen wieder auf die wärmende Rolle zurück, die mit Schafwolle oder Federn gefüllt war.

Der Muff von heute – mit Platz für Handy und Kompaktkamera – kommt nicht mehr nur damenhaft im Pelz daher. Plüsch, Kunstfell, Stoff oder Vlies machen ihn zum witzigen Accessoire.

Zu so radikalen Marketing-Methoden wie ihre Vorgänger im Rokoko werden die heutigen Muff-Hersteller wohl nicht greifen. Damals hatten zierliche Modelle aus Samt oder Seide die Pelzwalzen abgelöst. Die Pelzmacher sollen damals beim Papst eine Petition eingereicht haben, er möge das Tragen von Stoffmuffen verbieten, schreibt die „Kochschule“. Das kirchliche Oberhaupt reagierte wohl eher muffelig. Worauf die Pelzmacher angeblich die Henker bestachen, bei ihren Hinrichtungen Stoffmuffe zu tragen. Daraufhin griffen die Damen angewidert wieder zum Pelz.

Von Barbara Will

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