Facebook-Börsengang lässt viele Fragen offen

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Das Volumen des Börsengangs liegt bei fünf Milliarden Euro.

New York - Der mit Spannung erwartete Börsengang von Facebook ist offiziell angekündigt. Nun müssen Zahlen offengelegt werden. Fest steht: Facebook wächst rasant und verdient gut. Viele Fragen bleiben aber offen.

Facebook steht vor dem größten Börsengang des Internet-Zeitalters. Dem gerade mal acht Jahre jungen Sozialen Netzwerk wird von der Wall Street ein Wert zugemessen, der es schlagartig in die Spitzenliga der weltgrößten Konzerne katapultiert. Das Kapital von Facebook sind seine Nutzer - mittlerweile mehr als 845 Millionen an der Zahl, wovon mehr als die Hälfte sogar täglich vorbeischauen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte von Facebook am Donnerstag prompt mehr Anstrengungen beim Datenschutz.

Facebook hat am späten Mittwoch seinen rund 200 Seiten starken Börsenprospekt veröffentlicht. Das ist für jedes Unternehmen der erste Schritt auf dem Weg an die Börse. Einen Termin für den eigentlichen Gang aufs Parkett gibt es indes noch nicht; Experten rechnen damit für Mai oder Juni. Auch der Preis für die Aktien wird erst dann festgelegt.

Die Unterlagen sind dennoch spannend. Sie geben erstmals einen detaillierten Einblick in das Innenleben des Senkrechtstarters. Es zeigt sich: Facebook wächst weiterhin rasant und ist hochprofitabel; die Nutzer sind umtriebiger als erwartet; und Gründer Mark Zuckerberg ist mächtiger als man denkt. Er hält 28 Prozent der Anteile und sogar 57 Prozent der Stimmrechte, weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Viele Investoren stellen sich aber die Frage, ob diese Zahlen die erwartete Firmenbewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar rechtfertigen. Facebook selbst lässt in dem Börsenprospekt noch keine Rückschlüsse zu, welchen Wert das Management dem Unternehmen zumisst. Weder wird die Anzahl der auszugebenden Aktien angegeben, noch der Preis für das einzelne Papier.

Bis zum eigentlichen Börsengang wird Facebook die Informationen noch nachreichen. Dann wird auch feststehen, von wie vielen Anteilen sich Gründer Mark Zuckerberg selbst trennt. Noch klafft an dieser Stelle im Prospekt eine Lücke.

Zuckerberg hält laut den Angaben einen Anteil von gut 28 Prozent. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren. Allerdings haben nicht alle Aktien auch das gleiche Stimmrecht - und der Besitzer damit den gleichen Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens.

Zuckerberg selbst hält Aktien der Klasse B mit zehn Stimmen, während Anleger beim Börsengang A-Aktien mit nur einer Stimme erhalten werden. Damit hat Zuckerberg auch künftig das Sagen bei seinem Baby Facebook. Weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben, kommt Zuckerberg momentan sogar auf 57 Prozent aller Stimmrechte.

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

 © riva Verlag
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Dem 27-Jährigen geht es nach eigener Auskunft aber nicht darum, möglichst reich zu werden. Zuckerberg schrieb in einem Brief, der den Antrag begleitet: “Facebook wurde ursprünglich nicht gegründet, um ein Unternehmen zu sein. Es wurde aufgebaut, um eine soziale Mission zu erfüllen - die Welt offener und vernetzter zu machen.“ Der Gründer brachte es auf eine einfache Formel: “Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.“

Facebook will bei seinem Börsengang nach aktuellem Stand 5 Milliarden Dollar einnehmen. Dabei verkaufen Zuckerberg und die anderen Besitzer aber nur einen Teil ihrer Aktien, die weitaus meisten behalten sie. Insgesamt wird Facebook in US-Medien auf einen Wert von 75 bis 100 Milliarden Dollar taxiert. Damit spielt das Soziale Netzwerk in einer Liga mit deutschen Großkonzernen wie Siemens oder VW. Selbst in den USA sind nicht mal 30 Unternehmen mehr wert als Facebook.

Mit seinen Zahlen würde Facebook den Börsengang von Google im Jahr 2004 in den Schatten stellen. Damals hatte der Suchmaschinenprimus 1,7 Milliarden Dollar eingenommen. Zusammen mit den Anteilen, die bei den Alteigentümern verblieben, wurde Google mit 23 Milliarden Dollar bewertet. Bis heute sind daraus 189 Milliarden Dollar geworden. Wertvollstes Unternehmen der Welt ist momentan Apple mit 425 Milliarden Dollar.

Die größten Facebook-Partys

2000 Menschen "feierten" in München im Dezember 2011 das neue Alkoholverbot in der S-Bahn. 50 Wagen nahmen Schaden. Es ist nicht die erste eskalierte Facebook-Party. © dpa
Hamburg, 1000 Menschen, September 2011: Deutlich gesitteter als in München verlief das Saufgelage in der Hamburger U-Bahn. Bis auf wenige Sachbeschädigungen blieb es ruhig. © dpa
Hamburg-Bramfeld, 1600 Menschen, Juni 2011: Die Geburtstagsfeier der 16-jährigen Thessa eskalierte – sie hatte die Privatfeier versehentlich auf Facebook veröffentlicht. Ein kompletter Straßenzug wurde verwüstet – 50 000 Euro Sachschaden. © dpa
Wuppertal, 800 Menschen, Juni 2011: Als die Polizei das Alter der Partygäste kontrollierte, eskalierte die Feier: Flaschen und Feuerwerkskörper flogen. Bilanz: 16 Verletzte, drei Festnahmen. © dpa
München, 700 Menschen, Mai 2011: Eigentlich sollten nur 30 Freunde kommen, bei der Party im Englischen Garten wurden es mehr als das 20-fache. Wegen Ruhestörung machte die Polizei dem Treiben ein Ende. © Symbolfoto: dpa
Sylt, 4500 Menschen, ­Juni 2009: Sie kamen zur spontanen Riesen-Strandparty, feierten und tranken. Ein sternhagelvoller Randalierer musste festgenommen werden. © Symbolfoto: dpa
Heusweiler, 2000 Menschen, Juli 2011: Die Privatparty eines 16-Jährigen im Saarland wurde zum Massenauflauf. Größere Gruppen zogen randalierend durchs Wohngebiet. Folge: mehrere Festnahmen und ein Gesamtschaden von 50 000 Euro. © Symbolfoto: AP
Cuxhaven, 400 Menschen, September 2011: Ein falsch gesetztes Häkchen auf Facebook – und die Party einer Schülerin kulminierte – Sachbeschädigungen und eine Festnahme. © Symbolfoto: dpa
Lörrach, 500 Menschen, Juni 2011: Per Facebook wurde zur Freiluft-Techno-Party in Lörrach (Baden-Württemberg) aufgerufen. Die Gäste verhielten sich friedlich, beschallten aber die ganze Stadt. © Symbolfoto: dpa
Hohenbrunn, 300 Menschen, November 2010: Hanna (18) hatte eigentlich nur mit ein paar Freunden gerechnet und ließ die ungebetenen Gäste nicht ins Haus. Die versuchten daraufhin, die Tür einzudrücken. Die Polizei machte dem Spuk ein Ende. © Symbolfoto: dpa
Hasenloh (Nähe Hamburg), 3500 Zusagen, 0 Gäste, August 2011: Ausgerechnet die Facebook-kritische CDU lud über das soziale Netzwerk zum Sommerfest. Das fanden mehr als 3500 Nutzer so lustig, dass sie prompt zusagten. Der CDU war das nicht geheuer, sie sagte die Feier ab. © Symbolfoto: dpa

Die hohe Bewertung von Facebook erstaunt, wenn man sich die Geschäftszahlen anschaut: Der Umsatz lag im vergangenen Jahr gerade mal bei 3,7 Milliarden Dollar, als Gewinn blieben unterm Strich 1 Milliarde Dollar übrig. Soviel Geld hatte Apple während des Weihnachtsquartals in einer Woche verdient. Doch Facebook wächst rasant - und das macht das Unternehmen für Anleger interessant. Alleine von 2010 auf 2011 legte der Umsatz um 88 Prozent zu, der Gewinn um 65 Prozent.

85 Prozent der Einnahmen stammen aus Werbung, jedoch werden Spiele immer wichtiger. Facebook bekommt einen Anteil, wenn die Nutzer etwa bei der Bauernhof-Simulation “Farmville“ virtuelle Güter kaufen. So steuert der Spieleentwickler Zynga stolze 12 Prozent der Einnahmen von Facebook bei.

Facebook war allerdings zuletzt immer wieder wegen Bedenken um den Datenschutz in die Schusslinie geraten. So erregte die neue Facebook “Chronik“ (im englischen “Timeline“) Anstoß. Bei dieser Funktion werden alle Informationen angezeigt, die man je bei Facebook eingestellt hat.

Verbraucherministerin Aigner sieht Facebook jetzt beim Datenschutz noch mehr in der Pflicht. “Als börsennotiertes Unternehmen muss Facebook umso mehr den Anspruch erfüllen, sich an Recht und Gesetz zu halten - und zwar nicht nur in den USA, sondern auch auf wichtigen Auslandsmärkten wie Deutschland“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Bisher habe Facebook schon viele Datenschutzverbesserungen angekündigt, aber nur Weniges eingelöst. Aigner ist schon lange als scharfe Facebook-Kritikerin bekannt.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Auch die Börsianer schauen mit Argusaugen auf die Datenschutz-Problematik, schließlich sind die Nutzer hellhörig, wenn es um ihre persönlichen Informationen geht. Facebook kann es sich nicht leisten, sie zu vergrätzen.

Momentan stehen die Zeichen jedoch auf Wachstum. Auch das genannte Volumen des Börsengangs von 5 Milliarden Dollar kann im Laufe der kommenden Monate noch steigen. Erwartet worden waren ursprünglich 10 Milliarden Dollar. Es ist aber üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und - falls genügend Nachfrage besteht - später den Preis erhöhen.

Bis zum eigentlichen Börsengang wird Facebook noch viele Informationen nachreichen. Dann wird auch feststehen, von wie vielen Anteilen sich Zuckerberg selbst trennt. Er hält Aktien der Klasse B mit zehn Stimmen, während Anleger beim Börsengang A-Aktien mit nur einer Stimme erhalten werden.

Damit hat Zuckerberg auch künftig das Sagen bei seinem Baby Facebook. Er hatte sich überhaupt lange gegen einen Börsengang gesperrt. Mehrfach schlug er milliardenschwere Kaufangebote aus, zuletzt vom Internetriesen Google. Die Taktik scheint sich gelohnt zu haben: Wie es ausschaut, macht der Börsengang Zuckerberg zu einem 28-fachen Milliardär.

dpa

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