Börsianer haben plötzlich Vertrauen

Facebook überrascht mit rasantem Wachstum

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Mark Zuckerberg hat gut lachen: Facebook kann an der Börse punkten

Menlo Park - Noch vor wenigen Monaten waren Mark Zuckerberg und sein Team die Buhmänner an der Börse. Doch das Blatt hat sich gewendet: Die Anleger gewinnen wieder Vertrauen - und das ist der Grund:

Wer heute bei Facebook schaut, was seine Freunde treiben, der tut das gerne von seinem Smartphone aus. Das ist immer griffbereit und muss nicht erst hochgefahren werden wie der heimische Computer. Was für den Nutzer praktisch ist, war früher aber ein Problem für Facebook: Denn auf den kleinen Bildschirmen lassen sich nur schwer klassische Werbebanner unterbringen. Und mit Werbung verdient das Soziale Netzwerk nun einmal sein Geld. Doch Firmengründer Mark Zuckerberg und sein Team haben aus der Not eine Tugend gemacht und einen Weg gefunden, mit Anzeigen auf dem Mobilgerät riesige Umsätze zu erzielen.

„Die Leute verbringen mehr Zeit bei Facebook als jemals zuvor“, frohlockte Zuckerberg am späten Mittwoch bei der Vorstellung der jüngsten Geschäftszahlen. Der Hauptgrund: das Smartphone. Im vergangenen Quartal kamen bereits 41 Prozent der Werbe-Dollar von mobilen Geräten - ein kräftiger Sprung nach 30 Prozent noch drei Monate zuvor. Das Unternehmen scheint damit der Börse den verlorenen Glauben an sein Geschäft zurückgegeben zu haben. Die Aktie schoss nach den Zahlen um bis zu 20 Prozent hoch.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Damit kann Mark Zuckerberg wieder beruhigter große Töne spucken. Die Marke von einer Milliarde Nutzer zu erreichen, sei zwar ganz nett gewesen, sagte der 28-Jährige in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen. „Aber es gibt nichts magisches in einer Milliarde, das wahre Ziel ist es, jeden auf der Welt zu vernetzen“, verkündete Zuckerberg. Der Satz ist ironischerweise auch eine Antwort auf das berühmte Zitat aus dem Facebook-Film „Social Network“, in dem der Zuckerberg-Weggefährte Sean Parker erklärt, eine Million Dollar sei wenig Geld: „Weißt Du, was cool ist? Eine Milliarde Dollar.“

Es ist rund ein Jahr her, dass Facebook groß umdenken musste. Das Online-Netzwerk verdiente sein Geld von Anfang an mit Werbung, doch das ganze Geschäft war auf die Nutzung am Computer ausgerichtet, mit Werbeanzeigen am Bildschirmrand. Als immer mehr Nutzer ihre Facebook-Profile über Smartphones und Tablets ansteuerten, wurde Facebook kalt erwischt: Aus den mobilen Apps kam damals kaum Geld. Diese Schwachstelle war einer der zentralen Gründe für den Einbruch der Aktie kurz nach dem Börsengang.

Die lustigsten Facebook-Pannen der Welt

 © riva Verlag
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Der jetzige Kursanstieg ist die Belohnung dafür, dass Facebook seine Hausaufgaben gemacht hat. Die Anzeigen wurden in den vergangenen Monaten konsequent aus den Randbereichen mitten ins Blickfeld der Nutzer verlagert, zwischen die einzelnen Neuigkeiten ihrer Facebook-Freunde. Damit kann man sich ihnen jetzt auch auf mobilen Geräten nicht mehr entziehen. Während einige Mitglieder die Anzeigen-Flut als Belästigung empfinden, betont Facebook, dass sie häufiger angeklickt werden als zuvor.

Zudem startete Facebook eine Offensive bei den Werbeprodukten. Im vergangenen Quartal sei besonders gut lokale Werbung von Geschäften in der Nähe der Nutzer gelaufen sowie Anzeigen, die zum Download von Apps einladen, erklärte Facebook-Managerin Sheryl Sandberg.

„Wir wissen, dass wir noch viel harte Arbeit vor uns haben“, räumte Sandberg zugleich ein. So war eine mit großen Erwartungen verbundene Idee bisher ein Reinfall: Die Benutzeroberfläche Facebook Home für Android-Smartphones. Trotz einer großen Werbekampagne blieben die Download-Zahlen bislang enttäuschend. Zuckerberg versicherte zugleich, dass Facebook nicht aufgeben und Home weiterentwickeln werde, ebenso wie die jüngst gestartete erweiterte Facebook-Suche, mit der man mehr über die Interessen und Vorlieben seiner Freunde erfahren kann. Getreu seinem Motto: Wir wollen die ganze Welt vernetzen.

dpa

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