Winterkorn steuert gelassen das Ziel Branchenprimus an

VW fährt so gut wie noch nie

Steuert den Autobauer Volkswagen auf Rekordkurs: Vorstandschef Martin Winterkorn Foto: dapd

Wolfsburg / Baunatal. „Mit neuen Modellen, umweltfreundlichen Technologien und unseren modularen Baukästen schaffen wir jetzt die besten Voraussetzungen für profitables Wachstum“, sagte Martin Winterkorn auf der Bilanzpressekonferenz in Wolfsburg.

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Angetrieben vom höchsten Gewinn in der Konzerngeschichte und von Absatzzahlen dringt der Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns selbstbewusster denn je auf eine Führungsrolle des Autobauers im weltweiten Geschäft.

Nach dem Rekordjahr 2010 sind die Wolfsburger dem unangetasteten Branchenprimus Toyota ein Stück näher gekommen. Dabei gibt sich Winterkorn recht entspannt. „Dass Toyota nicht ohne Widerstand den ersten Platz räumen wird, überrascht uns nicht.“

Diese Gelassenheit im Rennen um Platz eins kann sich der Schwabe leisten: ein Ergebnis nach Steuern von 7,2 Milliarden Euro, einen Rekordabsatz von 7,2 Millionen Fahrzeugen weltweit und einen Rekordumsatz von 126,9 Mrd. Euro. Diese Höchstleistungen hat Winterkorn vorzuweisen. Getrieben wurde das Ergebnis nach Steuern durch zusätzlich verkaufte Fahrzeuge, eine Milliarde Euro kam aber auch über Wechselkursgewinne in die Kasse, und zusätzlich sorgten Einsparungen in Höhe von 1,6 Mrd. Euro für das Plus.

Diese Höchstleistungen setzten sich im Januar und Februar fort. Volkswagen startete mit einem Absatzplus von 14,1 Prozent ins Jahr. Erreicht der Wolfsburger Autobauer sein für 2018 selbst gesetztes Ziel mit zehn Millionen verkauften Fahrzeugen womöglich früher – Winterkorn wäre es nur recht. Mit 7,2 Millionen verkauften Autos hat VW einen Weltmarkanteil von 11,4 Prozent.

Besonders stark legten die Auslieferungen an Kunden in Russland (plus 40,2 Prozent), China (37,4 Prozent) und den USA (20,93 Prozent) zu. In Europa sind die Steigerungen geringer. In Deutschland waren es mit rund einer Million Auslieferungen sogar 16,7 Prozent weniger. „Das Gravitationszentrum verschiebt sich mehr und mehr“, erklärte der VW-Chef. Weg von Europa, hin in Richtung Indien, Russland, Südamerika und vor allem China.

Mit der Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee will VW den nordamerikanischen Markt in den Griff bekommen, in Fernost soll die Kooperation mit dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki vorankommen. Das Unternehmen sei profitabel, mit der Beteiligung sei man zufrieden, aber die Zusammenarbeit sei „kein Selbstläufer“, die Kulturen seien verschieden, Japan sei kein europäisches Nachbarland. „Konkrete Projekte werden diskutiert.“

Die herausragende Rolle der Marke Volkswagen im Konzern bleibt unverzichtbar. Finanzchef Hans Dieter Pötsch sieht sie als „Speerspitze“ für alles Neue: als Türöffner für neue Märkte, als Technologieführer wenn es um Entwicklung geht – etwa bei E-Autos. Der Einstieg von VW beim Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon soll nun den Bau von Leichtkarossen anschieben. Aber, das betont Winterkorn, der Anteil des Engagements werde bei maximal zehn Prozent liegen.

Auch bei der Nettoliquidität – der Konzern-Schatulle – ist ein Rekordwert erreicht: Sie stieg um acht auf 18,6 Milliarden Euro. Geld, das der Autokonzern braucht, „ausreichend Kraftstoff im Tank“, wie es Winterkorn formuliert: Für die Fusion der Porsche SE und Volkswagen, für das Zusammenrücken von MAN und Scania, an denen VW fast die Hälfte hält, für den vor wenigen Tagen abgeschlossenen Kauf der Porsche Holding Salzburg, um den Vertrieb zu stärken – um dem Ziel von zehn Millionen verkauften Autos schneller näher zu kommen.

Von Martina Wewetzer

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