19 Monate nach Festnahme

Einigung: Fall Strauss-Kahn beendet

+
Die Anwälte des früheren IWF-Chefs unterschrieben am Montag eine Einigung mit den Vertretern des Zimmermädchens Nafissatou Diallo (Foto), das dem Franzosen erzwungenen Sex vorgeworfen hatte.

New York - Es war der Skandal des Jahres 2011, wochenlang erregten der mächtige Mann und das Zimmermädchen weltweit Aufsehen: Nun hat ein New Yorker Gericht die Affäre Strauss-Kahn ohne großes Tamtam abgeschlossen.

Gut anderthalb Jahre nach der spektakulären Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in New York ist der Fall um eine angebliche Vergewaltigung abgeschlossen. Die Anwälte des früheren IWF-Chefs unterschrieben am Montag eine Einigung mit den Vertretern des Zimmermädchens Nafissatou Diallo, das dem Franzosen erzwungenen Sex vorgeworfen hatte. Details des Papiers wurden nicht bekannt. Medienberichten zufolge hat Strauss-Kahn eine Millionensumme gezahlt, um die Affäre endlich hinter sich zu bringen.

„Die Vertreter beider Seiten haben vor zehn Minuten eine Einigung in meinem Richterzimmer unterzeichnet“, sagte Richter Douglas McKeon. „Der Fall ist damit abgeschlossen“, fügte er hinzu. Das gilt auch für Diallos Klage gegen die „New York Post“. Die Zeitung hatte Diallo in Zusammenhang mit Prostitution gerückt. „Auch hier wurde eine Einigung erzielt“, sagte McKeon. Einzelheiten nannte der Richter nicht. Es sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Die Affäre Strauss-Kahn: Ein Sex-Krimi in Bildern 

Ein Bild, das um die Welt ging: Der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Handschellen. Am Samstag, 14. Mai, wird er in New York verhaftet. Er soll ein Zimmermädchen vergewaltigt haben. © AP
Noch kurz zuvor kannte man den Franzosen so: Meist braun gebrannt, mit markanten Augenbrauen - DSK gab dem IWF ein Gesicht. Seit 1. November 2007 war er Chef des Internationalen Währungsfonds. © AP
Am Samstag, 14. Mai, läuft das Leben von Dominique Strauss-Kahn aus dem Ruder: Es wird der Vorwurf laut, er habe in einer Hotelsuite versucht, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen.  © AP
Dominique Strauss-Kahn wird in New York verhaftet. © AP
Richterin Melissa Jackson entschied, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleiben musste. Sie begründete dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution  lehnte sie ab. © AP
Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: “Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt “versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um “sexuellen Missbrauch“, “Freiheitsberaubung“ und “unsittliches Berühren“. © AP
DSK saß zunächst auf der Gefängnisinsel von Rikers Island im New Yorker East River in Untersuchungshaft. Dann durfte er gegen Kaution umsiedeln: In eine Privatwohnung. Dort stand er unter Hausarrest. © AP
Strauss-Kahn streitet die Tat ab. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. © dpa
Das Meideninteresse am Fall ist groß. Am Dienstag, 17. Mai,  berichtet ein New Yorker Boulevardblatt, Strauss-Kahn habe die Möglichkeit von “einvernehmlichem Sex“ eingeräumt. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. © AP
Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf. © AP
Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. © AP
Seine Frau Anne Sinclair hält zu ihm. 1991 wurden Strauss-Kahn und seine Frau von einem Rabbiner getraut. Anne Sinclair war damals eine bekannte Fernsehmoderatorin, doch sie gab ihre TV-Karriere auf, als ihr Mann Wirtschafts- und Finanzminister wurde. © AP
Sein mutmaßliches Opfer will in einem Prozess aussagen. Wenn die aus Guinea stammende 32-jährige Frau aufgefordert werde, sei sie bereit, gegen den Franzosen in den Zeugenstand zu treten, sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro am Dienstag dem US-Sender CNN. Die Hotelangestellte arbeite mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. © AP
Im Gefängnis vermisst Dominique Strauss-Kahn vor allem seine Armbanduhr. Ansonsten gehe es ihm aber recht gut, sagte sein Anwalt William Taylor der französischen Zeitung “Le Parisien“ am Donnerstag. Er habe seinen Mandanten für etwa zwei Stunden am Mittwochnachmittag gesehen. “Er macht einen guten Eindruck, das ist das wichtigste. Aber er ist natürlich sehr traurig, das ist seinen Augen abzulesen“, erklärte er. © AP
Am Mittwoch, 18. Mai, wird die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die “New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids. © dpa
Das Ende einer Karriere: Am Donnerstag, 19. Mai zieht Strauss-Kahn die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Auch seine politische Karriere wird damit beendet sein. Er weist weiterhin alle Vorwürfe zurück. Strauss-Kahn bietet eine Million Dollar Kaution an. © AP

Amerikanische und französische Medien hatten berichtet, dass die Einigung eine Zahlung von sechs Millionen Dollar (rund 4,6 Millionen Euro) an Diallo beinhaltet. Dafür gab es aber keinerlei Bestätigung. Auch Diallo und ihre Anwälte äußerten sich nicht. Die Frau sagte nach der Verhandlung nur „Gott schütze Euch alle“ zu der versammelten Menge. Ihr Anwalt Kenneth Thompson sagte, Diallo habe ihren Glauben nie verloren. Dann verschwanden beide ohne weitere Worte.

Strauss-Kahn selbst war am Montag in Paris. Der sichtlich genervte Franzose wurde von mehreren Fotografen und Kamerateams auf einer Straße in der französischen Hauptstadt abgefangen. Schnellen Schritts versuchte der leger gekleidete Strauss-Kahn, dem einen Team zu entkommen, um direkt den nächsten Fotografen vor die Kameras zu laufen. Ein Statement verweigerte der gestikulierende 63-Jährige.

Diallo hatte Strauss-Kahn, damals einer der mächtigsten Männer der Welt, vor 19 Monaten vorgeworfen, sie nackt in seinem New Yorker Hotelzimmer überfallen und zum Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn bestritt zunächst jeden Kontakt, räumte dann aber einen sexuellen Kontakt ein. Der sei zwar für ihn als Ehemann moralisch verwerflich, aber einvernehmlich gewesen.

Strauss-Kahn war noch am Flughafen verhaftet und nach anfänglicher Einzelhaft unter strengsten Hausarrest gestellt worden. Als Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos laut wurden, schlug die New Yorker Staatsanwaltschaft ihre eigene Anklage nieder. Der heute 63-jährige Ex-Politiker hatte über die Affäre aber sein Amt und die Chancen auf die französische Präsidentschaft verloren.

Später trennte sich auch seine Frau von Strauss-Kahn, der in Frankreich auch DSK genannt wird. Der Spitzenpolitiker hatte Diallo nach seinem Karriereknick auf eine Million Dollar wegen Rufschädigung verklagt. Auch dieses Verfahren ist mit der New Yorker Einigung vom Montag bei den Akten.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.