Familienstreit darf Recht auf Totenruhe nicht berühren

+
Wenn die Familie um den Ort der Beisetzung streitet, darf die Totenruhe davon nicht berührt werden. So entschied zuletzt ein Gericht. Foto: Uwe Anspach

Todesfälle lösen oft Streit in Familien aus. Mitunter wird schon darüber gestritten, wo der Verstorbene beerdigt werden soll. Hier gilt: Die Totenruhe darf ein Streit nicht berühren.

Naumburg (dpa/tmn) - Nicht selten sorgen schon Bestattungen für Streit in der Familie. Unangenehm wird es, wenn der Tote bereits beerdigt ist. Denn manchmal wird erst danach ausgefochten, auf welchem Friedhof der Verstorbene eigentlich liegen sollte.

Dabei gilt: Diese Streitigkeiten dürfen nicht die Totenruhe berühren, berichtet die Zeitschrift "NJW-Spezial" (Heft 7, 2016) und verweist dabei auf ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Naumburg (Az.: 1 U 72/15). Das entschied: Ein unnötiges Hin-und-Her-Betten der sterblichen Überreste muss vermieden werden.

Konkret geht es um die Situation, wenn einer der Angehörigen die Bestattung gegen den Willen eines anderen Angehörigen durchgeführt hat und dieser dagegen klagt. Solange der Rechtsstreit nicht entschieden ist, kann eine einstweilige Verfügung verhindern, dass die Urne des Verstorbenen mehrfach umgebettet wird. Das gebieten die Pietät und die Wahrung der Totenruhe, begründeten die Richter.

Im verhandelten Fall hatte ein Mann gegen die Ehefrau seines verstorbenen Zwillingsbruders geklagt. Die wollte die Urne ihres toten Mannes auf einen anderen Friedhof umbetten. Doch das sei laut dem Bruder des Mannes, der dessen Bestattung organisiert hat, nicht dessen Wille gewesen. Es gab also Streit um den Beisetzungsort.

Der Kläger hatte von seinem Bruder eine Vorsorgevollmacht. Außerdem hatte der Mann vor dem Tod mit seiner Ehefrau gebrochen. Er löste das gemeinsame Sparbuch auf und kündigte die gemeinsame Wohnung. Für das Gericht lag es nahe, dass der Tote seinem Bruder konkrete Wünsche zur Bestattung genannt hat. Dagegen sahen die Richter das Verhältnis zur Ehefrau als getrübt an. Sie untersagten ihr deshalb die Umbettung - unter Androhung von Ordnungsgeld und Ordnungshaft.

Urteilsbegründung in Rechtssprechungsdatenbank Sachsen-Anhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.