Familienunternehmen aus Allendorf/Eder

Viessmann ist in den vergangenen zwölf Jahren stark gewachsen

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Heiztechnikhersteller Viessmann hat seine Produktpalette in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut: Wandgeräte-Produktion am Firmensitz der Viessmann-Werke in Allendorf/Eder.

Allendorf/Eder. Bei der Firma Viessmann in Allendorf sieht man Herausforderungen als Chancen, wie es Firmenchef Martin Viessmann 2017 anlässlich der Fachmesse ISH in Frankfurt formulierte.

Die größte Herausforderung für den Heiz- und Kältetechnikhersteller ist derzeit neben der Energiewende die Digitalisierung, die einen Strukturwandel für die gesamte Branche bedeutet. Mit Softwarelösungen sollen die vorausschauende Wartung sowie die Steuerung von Heizungen möglich sein, Kunden bedienen ihre Energieversorgung zu Hause über das Smartphone.

An neuen Systemen für die Energiewende und die Digitalisierung arbeitet Viessmann in seinem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum am Stammsitz. Dieses „Technikum“ war im April von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht worden. Nicht nur deshalb war 2017 ein besonderes Jahr für das Unternehmen. Im Mittelpunkt stand das 100-jährige Firmenbestehen, das an den drei Standorten Allendorf, Berlin und Hof (Bayern) groß gefeiert wurde.

Aber auch unternehmerisch war Viessmann als größter Arbeitgeber in Waldeck-Frankenberg äußerst erfolgreich. Bereits im März gab das Unternehmen eine Kooperation mit Aldi Nord bekannt: Viessmann entwickelt ein System, um in Märkten des Lebensmitteldiscounters effektiver zu kühlen und zu heizen.

Mit sechs Prozent vom Umsatz hat Viessmann im Jahr 2016 die Investitionen auf 130 Millionen Euro angehoben – ein Rekordwert in der Geschichte des Unternehmens. Allein 50 Millionen flossen in das Forschungs- und Entwicklungszentrum „Technikum“ am Standort Allendorf – es war die größte Einzelinvestition in 100 Jahren Viessmann.

Firmenchef Martin Viessmann

Auch die Umsätze der Viessmann-Group sind gestiegen: von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 2,25 Milliarden 2016. Die Zahl der Mitarbeiter stieg weltweit von 11600 auf aktuell 12000 – am Stammsitz in Allendorf sind aktuell rund 4500 Menschen beschäftigt.

Der Absatz kletterte im Jahr 2016 um 2,8 Prozent, berichtete der Chef der Viessmann-Gruppe, Joachim Janssen, bei der Messe ISH im März. Der Absatz in der deutschen Heizungsbranche sank dagegen um zwei Prozent, weltweit waren es sogar drei Prozent.

Schon 2005, gesamtwirtschaftlich ein Tiefpunkt in Deutschland, behauptete sich Viessmann gegen den Trend. Während der deutsche Heizungsmarkt in dem Jahr um 15 Prozent schrumpfte, erzielte Viessmann einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Die Schwäche im Inland wurde damals durch deutlichen Zuwachs im Ausland mehr als ausgeglichen. Damals hatte das Unternehmen weltweit 7000 Mitarbeiter.

Auch heute noch spielt das Auslandsgeschäft eine große Rolle für die Allendorfer: 54 Prozent des Umsatzes der Viessmann-Group entfallen auf den Export. Seitdem Martin Viessmann seit 1992 das Unternehmen führt, ist der Export-Anteil gestiegen. Im Juni 2017 wurde in Lipetsk in Russland ein Produktionswerk eingeweiht – für 22 Millionen Euro. „Es symbolisiert die große Bedeutung, die wir dem Land nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Standort für die Produktion beimessen“, sagte Viessmann bei der Einweihung. 140 Menschen arbeiten dort.

Die Geschichte der Firma Viessmann

Johann Viessmann (1879-1956) gründete 1917 in Hof (Bayern) die Firma Viessmann als Schlosserei. 1928 begann er mit dem Bau von Kleinkesseln. In zweiter Generation übernahm Hans Viessmann (1917-2002) im Jahr 1947 den väterlichen Betrieb, der 1937 von Hof nach Allendorf/Eder verlegt wurde. In seine Zeit fällt der Wandel von Festbrennstoffen wie Koks hin zu Erdöl und er baut Kessel mit eingebauter Warmwasseraufbereitung. 

Martin Viessmann arbeitet seit 1979 im Unternehmen, zum Jahreswechsel 1991/1992 übernahm er die Geschäftsführung. Er trieb die Internationalisierung des Konzerns voran, baute den Bereich mit Zukunftstechnologien aus und sicherte 1996/97 mit einem betriebsinternen „Bündnis für Arbeit“, das er mit Betriebsrat und der Belegschaft aushandelte, den Standort Allendorf und die Wandgeräte-Fertigung hierzulande. Sein Sohn Maximilian Viessmann (28) ist seit Juni 2016 in der Geschäftsführung und für das Thema Digitalisierung verantwortlich. Gleichzeitig hatte Prof. Dr. Martin Viessmann das operative Geschäft an seinen Stellvertreter Joachim Janssen (CEO) übergeben; der Firmenchef blieb aber Präsident des Verwaltungsrats der Viessmann-Gruppe. 

Viessmann steigt nun auch als Sponsor in die Formel E ein. Viessmann wird offiziell Partner des Panasonic-Jaguar-Racing-Teams.

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