Was Sie wissen sollten, wie Sie ans Ziel kommen

Fast die ganze Woche Streik: Infos und Rechte für Bahnfahrer

Noch nie haben die Lokführer im laufenden Tarifkonflikt so lange gestreikt: Fast eine Woche soll ihr Ausstand dauern. Die wichtigsten Fakten.

Die GDL will den Personenverkehr ab Dienstag (5. Mai) um 2 Uhr bis Sonntagmorgen 9 Uhr deutschlandweit bestreiken. (Der Güterverkehr soll von Montag, 4. Mai 15 Uhr bis Sonntag, 10. Mai, 9 Uhr bestreikt werden.) Woher Fahrgäste aktuelle Informationen bekommen und welche Rechte sie haben, erfahren sie hier im Überblick:

Woher weiß ich, ob mein Zug fährt? 

Wer sich über eine spezielle Verbindung informieren möchte, kann dies über die Liveauskunft im Internet unter www.bahn.de/liveauskunft tun. Regionale Infos bekommen Bahnkunden am ehesten unter www.bahn.de/aktuell. Dort gibt es Verkehrsmeldungen nach Bundesländern sortiert. Zugriff auf die Fahrplananzeigen an den deutschen Bahnhöfen gibt es ebenfalls online. Telefonisch können sich Reisende unter der kostenlosen Servicenummer 08000 99 66 33 informieren.

Kann ich von der Zugfahrt zurücktreten? 

Ja. Bei einem streikbedingten Zugausfall, Verspätungen und Problemen mit Anschlusszügen können Bahnreisende vor Fahrtantritt von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Hierfür sollten sie sich an die DB-Reisezentren oder DB-Agenturen wenden, rät die Bahn auf ihrer Webseite. Auch Sitzplatzreservierungen werden erstattet. Wer ein Online-Ticket zum Normalpreis gebucht hat, kann dies über die Auftragssuche auf der Bahn-Webseite kostenlos umbuchen oder stornieren.

Wie viel Geld bekomme ich bei einer Verspätung zurück? 

Wer doch in den Zug steigt, bekommt ab 60 Minuten Verspätung 25 Prozent des Fahrpreises erstattet. Ab 120 Minuten sind es 50 Prozent. Bei einer Verspätung des ICE-Sprinters wird ab 30 Minuten der Sprinter-Aufpreis zurückgezahlt. Bei einem Streik kann die Deutsche Bahn dem Europäischen Gerichtshof zufolge keine höhere Gewalt geltend machen (Rechtssache C-509/11).

Wie komme ich an die Erstattung? 

Als Erstes müssen Bahnkunden das Fahrgastrechte-Formular ausfüllen. Originalfahrkarten, Kopien von Zeitkarten und andere Originalbelege müssen beigelegt werden. Das Formular entweder in einem DB Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt/Main schicken.

Was gilt bei Zeitkarten? 

Für Nahverkehrsfahrten in der 2. Klasse gibt es ab 60 Minuten Verspätung 1,50 Euro pro Fahrt zurück. In der 1. Klasse sind es 2,25 Euro. Betroffen sind etwa das Schönes-Wochenende-Ticket, das Quer-durchs-Land-Ticket und die Länder-Tickets. Bei Wochen- und Monatskarten rät die Bahn, die Verspätungsfälle nach Ablauf der Geltungsdauer des Tickets gesammelt beim Servicecenter Fahrgastrechte einzureichen. Bei Jahreskarten können die Verspätungsfälle auch im Laufe des Jahres eingereicht werden. Entschädigungsbeträge von weniger als 4 Euro werden nicht ausgezahlt - die Fahrgäste müssen mehrere Verspätungen sammeln und diese dann zusammen geltend machen.

Im Fernverkehr bekommen Fahrgäste der 2. Klasse pro Fahrt ab 60 Minuten Verspätung 5 Euro erstattet. Bahnreisende der 1. Klasse bekommen 7,50 wieder. Wer mit einer BahnCard 100 unterwegs ist, kann in der zweiten Klasse 10 Euro pro Fahrt zurückfordern und in der ersten Klasse 15 Euro. Für Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr gilt: Mehr als 25 Prozent des Zeitkartenwertes werden nicht erstattet. Außerdem gibt es - anders als bei normalen Tickets - auch nicht mehr Geld ab 120 Minuten Verspätung.

Was ist mit einer Rail-&-Fly-Karte? 

Flugreisende mit diesem Spezialangebot der Bahn müssen sich an die jeweilige Fluggesellschaft wenden, wie ein Sprecher der Bahn erklärt. Die Deutsche Bahn ist in diesem Fall Vertragspartner der Airline und nicht der direkte Ansprechpartner für den Reisenden.

Kann ich einfach auf einen anderen Zug wechseln? 

- Liveauskunft der Bahn

- Regionale Infos der Bahn

- Fahrgastrechte-Formular (pdf)

Ja. Ist eine Verspätung von mindestens 20 Minuten zu erwarten, dürfen Fahrgäste die Reise mit einem anderen Zug antreten oder fortsetzen. Ausgenommen sind Züge mit Reservierungspflicht. Dazu gehören die ICE Sprinter oder City Night Liner. Wer mit einer Nahverkehrskarte unterwegs ist, muss sich zunächst eine Fernverkehrs-Fahrkarte für den anderen Zug kaufen. Die Kosten dafür bekommt der Kunde später erstattet. Ausgenommen von dieser Regelung sind ermäßigte Fahrkarten wie zum Beispiel die Länder-Tickets.

Darf ich auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen? 

In bestimmten Fällen können Fahrgäste, die mit einer Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielort rechnen müssen, ein anderes Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi nutzen - und zwar, wenn die planmäßige Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr morgens liegt. Die Deutsche Bahn erstattet Kosten bis zu maximal 80 Euro. Fahrgäste müssen das Original der Busfahrkarte oder Taxi-Quittung aufheben. Fällt ein Zug aus und ist er gleichzeitig die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages, gilt die Regelung ebenfalls.

Zahlt die Bahn auch eine Nacht im Hotel? 

Manchmal. Erfordert ein Zugausfall oder eine Verspätung eine Übernachtung und ist die Fortsetzung der Reise am selben Tag nicht zumutbar, erstattet die Bahn die Hotelkosten. Auch in diesem Fall sollten Fahrgäste das Original der Rechnung aufheben.

Was plant die Bahn während des Streiks?

Das Unternehmen hat einen Ersatzfahrplan angekündigt. Erfahrungsgemäß wird zumindest auf den ICE-Fernstrecken ein Ein- bis Zwei-Stunden-Takt angeboten. IC- und Nahverkehrs-Verbindungen werden oftmals gestrichen.

Welche Alternativen gibt es für die Fahrgäste?

Gerade in Südniedersachsen kann man viele Ziele mit den Privatbahnen erreichen, die nicht bestreikt werden. In der Region fahren der Metronom (Göttingen-Hannover-Uelzen-Hamburg), der Cantus (Göttingen-Kassel sowie Göttingen-Fulda) sowie die Nord-West-Bahn (Kreiensen-Paderborn und Göttingen-Ottbergen).

Mit der Mitfahrzentrale oder BlaBlaCar lassen sich ebenso Mitfahrgelegenheiten organisieren.

Wie sieht es mit den Fernbussen aus?

Sie sind während des Streiks eine Alternative. Aber die Unternehmen reagieren wegen der verstärkten Nachfrage meist mit deutlichen Preissteigerungen.

Infos: www.busliniensuche.de, www.fahrtenfuchs.de und www.goeuro.de.

Seit kurzem gibt es mit Megabus einen neuen Anbieter, der jetzt auch Fahrten von Kassel-Wilhelmshöhe aus ermöglicht. Daneben fahren ab Kassel die etablierten Anbieter Flixbus (Kaufungen) und Postbus.

Was ist mit einem Mietwagen als Alternative?

Nach den bisherigen Erfahrungen haben auch die Mietwagenanbieter mit einer erhöhten Nachfrage zu kämpfen. Folge: Es gibt dann ganz schnell keine Autos mehr. (dpa/mak)

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt

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