Beschäftigte sollten Lohnsteuerbescheinigung genau prüfen - anderenfalls droht höhere Steuerlast

Fehler kann viel Geld kosten

kassel. Fehlerhafter Bescheinigungen in vielen Lohnprogrammen der Arbeitgeber können zahlreichen Arbeitnehmern bei der Einkommensteuererklärung für das vergangene Jahr 1000 Euro und mehr kosten. Darauf weist der in Darmstadt ansässige Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland (LHRD) hin. Betroffen sind Arbeitnehmer, die 2010 ganzjährig oder zeitweise freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert waren - also jene, die brutto mehr als 45 000 Euro verdient haben.

Sie sollten die vom Arbeitgeber ausgestellte Lohnsteuerbescheinigung genau prüfen und mit ihrem Personalbüro klären, ob sich der Programmfehler auch bei ihnen eingeschlichen hat.

Und so kann man feststellen, ob die Bescheinigung in Ordnung ist oder nicht: Wenn Zeile 24 der Bescheinigung, in der „steuerfreie Zuschüsse des Arbeitgebers zur Kranken- und Pflegeversicherung“ aufgeführt werden, einen Eintrag aufweist, liegt laut LHRD sehr wahrscheinlich ein Fehler vor. Mit Sicherheit ist die Bescheinigung fehlerhaft, wenn die Summe der Einträge in den Zeilen 25 (Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung) und 26 (Arbeitnehmerbeiträge zur sozialen Pflegeversicherung) nicht ungefähr doppelt so hoch ist wie der Eintrag in Zeile 24. Ist also die Summe aus den Zeilen 25 und 26 nur unwesentlich höher als die Zahl in Zeile 24 hat der Programmfehler zugeschlagen.

In diesen Fällen sollten sich Betroffene vom Arbeitgeber eine Extrabescheinigung über die von Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgeführten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ausstellen lassen. Denn in fehlerhaften Lohnsteuerbescheinigungen werden nur die Beschäftigten-Anteile aufgeführt.

Tatsächlich müssen aber die Anteile der Arbeitnehmer und Arbeitgeber angegeben werden. Anderenfals erhöht sich die Steuerlast für die Beschäftigten. Einige Programmanbieter haben den Fehler bereits bemerkt und ihre Kunden darüber informiert.

Das alles heißt aber nicht, dass bereits zuviel Steuern bezahlt wurden, sondern dass das Finanzamt bei der Steuererklärung geringere als die tatsächlichen Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherung an- und somit eine höhere Jahressteuer festsetzt. Die Folge: Entweder müssen Betroffene Steuern nachzahlen oder erhalten entsprechend weniger zurück.

Wie es zu den fehlerhaften Programmen kommen konnte, ist noch unklar. Vermutet wird, dass entsprechende Vorgaben des Bundesfinanzministeriums missverständlich waren. Das würde auch erklären, dass allein der LHRD den Fehler in bereits sechs Programmen unterschiedlicher Anbieter entdeckt hat. Nur eines funktioniere einwandfrei.

Fehler nur für 2010

Der Software-Fehler betrifft nur die Lohnsteuerbescheinigungen für 2010. Die Lohnbüros in den Unternehmen gehen davon aus, dass im Laufe dieses Jahres eine neue Software aufgespielt wird und das Problem 2012 und in den Folgejahren nicht mehr auftritt.

Von José Pinto

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