Ferrostaal-Chef Mitscherlich entlassen

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Matthias Mitscherlich

Essen/München - Nach massiven Korruptionsvorwürfen gegen den Anlagenbauer Ferrostaal hat der Aufsichtsrat Vorstandschef Matthias Mitscherlich entlassen.

Der Schritt gelte mit sofortiger Wirkung. Er sei nötig gewesen, um den Weg für einen Neuanfang des Unternehmens zu ebnen, teilte das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Montagabend mit. Ein Nachfolger soll “sehr zeitnah“ benannt werden. Dem 61-Jährigen wird vorgeworfen, die Ermittlungen nicht ausreichend unterstützt haben, hieß es aus der Branche. Zugleich schafft Ferrostaal ein neues Vorstandsressort für die Korruptionsbekämpfung. Es wird mit Andreas Pohlmann besetzt, der bei Siemens für die Korruptionsbekämpfung zuständig ist.

Der Siemens- Konzern musste in einer beispiellosen Schmiergeldaffäre der vergangenen Jahrzehnte kräftig Lehrgeld zahlen. Branchenkreise sehen schon in dieser Personalie einen Hinweis auf den Umfang der Probleme bei Ferrostaal. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nach Medienberichten gegen ein Dutzend Ferrostaal-Manager wegen möglicher Schmiergeldzahlungen. Angezweifelt werden Beraterhonorare in Höhe von rund 180 Millionen Euro. Es gab im Sommer 2009 und Ende März dieses Jahres Durchsuchungen, zwei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Unter anderem geht es um ein U-Bootgeschäft mit Griechenland, für das über 80 Millionen Euro Beraterhonorar geflossen sein soll. Das Unternehmen mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und 4400 Mitarbeitern ist als Generalunternehmer unter anderem in Lateinamerika und Nordafrika in Ländern tätig, die als stark korruptionsanfällig gelten.

Die Sitzung habe lang gedauert, sei aber sehr konstruktiv gewesen, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Mitscherlichs Vertrag lief noch vier Jahre. Zu einer Abfindungsregelung gab es zunächst keine Informationen. Mitscherlich, der Sohn des bekannten Psychoanalytiker-Ehepaares ist, galt als begabter und polyglotter Manager mit hervorragenden Kontakten in den arabischen Raum. Sein defensives Verhalten in der Affäre soll aber zu einem heftigen Konflikt mit Aufsichtsratschef Georg Thoma geführt haben, der deshalb Mitscherlichs Ablösung betrieb, hieß es aus Kreisen. Ferrostaal gehört seit März vergangenen Jahres zu 70 Prozent dem Abu Dhabi-Staatsfonds IPIC. Die restlichen 30 Prozent wollte der Münchner Lastwagenbauer MAN in diesem Frühsommer abgeben. Der Gesamtkaufpreis für 100 Prozent liegt bei etwa 700 Millionen Euro. Beim Kauf galt der Anlagenbauer als eine Perle der deutschen Industrie und sicherer Gewinnbringer.

Das Geschäft wurde auf Wunsch der Scheichs mit einem großen Festakt und einem Freundschaftsspiel des FC Bayern München gefeiert. Die Korruptionsvorwürfe wenige Monate später seien bei IPIC aber mit großer Befremdung aufgenommen worden, hieß es. Als seit dem Herbst vergangenen Jahres dreistellige Millionenforderungen der Staatsanwaltschaft als Preis für eine Verfahrenseinstellung in Rede waren, habe IPIC sogar an eine Rückabwicklung gedacht.

dpa

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