Festspielveranstalter legen oft drauf

Kassel. Sommerzeit ist Festspielzeit. Wenn am Sonntag das Bayreuther Festspielhaus mit Richard Wagners Lohengrin die Pforten öffnet, hat die Saison ihren Höhepunkt erreicht. Während für Wagner Konzerne wie Audi, Siemens und das Design-Unternehmen bid tief in die Tasche greifen, sind die meisten Festspiele auf Zuschüsse von Bund, Land und Kommune angewiesen.

Lediglich die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg konnten sich 2008 einzig über den Ticketverkauf finanzieren.

Nur wenigen Veranstaltern gelingt es, Unternehmen mit mehr als einem Symbolbeitrag für Theater und Musik zu begeistern. Dabei wird aus den Reihen der Wirtschaft oft auf den „Standortfaktor Kultur“ verwiesen, um für Investoren und Spezialisten attraktiv zu sein. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (iwd) in Köln besuchten in der Saison 2008 über 1,4 Millionen Menschen die Aufführungen der 35 größten deutschen Festspiele.

Beispiel: Bad Hersfeld

Die Notwendigkeit der Zuschüsse dürfte sich seit 2008 nicht geändert haben. Ein Beispiel sind die Bad Hersfelder Festspiele, die alljährlich von Mitte Juni bis Anfang August stattfinden. In der Spielzeit 2010 erhalten sie von Bund, Land und Kommune einen Zuschuss von insgesamt 992 000 Euro. 2008 waren es 1,08 Mio. Euro gewesen.

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Die Zahlen zu den größten Festspielen

Die Stadt Bad Hersfeld ist Träger der Festspiele und bereits jetzt dürfte klar sein, dass der Wirtschaftsplan für 2010 nicht aufgeht. Der Etat ist auf 5,047 Mio. Euro angesetzt, allein über den Kartenverkauf sollten 3,75 Mio. Euro hereinkommen. Doch diese Kalkulation ist optimistisch, denn die Summe übersteigt mit 900 000 Euro den Ansatz von 2009, in dem die Festspiele mit einem Minus von 150 000 Euro endeten. Auf Jahresfrist gesehen sind aktuell 4600 Karten weniger verkauft worden.

In Hersfeld wird bereits über ein Defizit von einer Million Euro gemunkelt. Abgerechnet wird aber erst zum Schluss, denn im Gegenzug werden mehr Steuern eingenommen. Eintrittspreise sind kein Garant, um ohne Zuschüsse auszukommen. So haben die Bayreuther Festspiele die höchsten Eintrittspreise, aber auch die höchsten Zuschüsse. „Dabei ist das Theater auf dem Grünen Hügel von Bayreuth fast immer ausverkauft“, sagt Vanessa Dahm, Mitarbeiterin des iwd.

Warum Festspiele oft ein Zuschussgeschäft sind hat Kulturökonom Matthias Schulz anhand der Salzburger Festspiele benannt: Angebot und Markt passen nicht zusammen – also: Das Programm passt nicht zum Publikum. Außerdem fallen die Fixkosten bei mehr Veranstaltungen weniger ins Gewicht, während die variablen – wie Strom – mit jeder Aufführung steigen.

Auch die Löhne im dienstleistungsorientierten Kultursektor legen zu. Das Dilemma: Anders als in der Wirtschaft, können sie nicht durch eine höhere Produktion gedeckt werden.

Von Martina Wewetzer

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