Finanzkrise: Benzin und Heizöl billiger

Berlin - Die Rohstoffpreise geraten durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten unter Druck. Anleger fürchten eine globale Rezession. Für Autofahrer und Heizölkäufer ist das eine gute Nachricht.

Der Rohölpreis ist am Dienstag erstmals seit Monaten für kurze Zeit unter 100 Dollar gefallen und damit ungefähr auf das Niveau von Ende Januar. Später stieg der Preis wieder über 103 Dollar. Ursache für die starken Preissprünge sind die nervösen Kapitalmärkte. Rohstoffe sind ebenso wie Aktien und Anleihen Spekulationen und damit übermäßigen Marktschwankungen ausgesetzt.

“Wir sehen da oft einen Herdentrieb, der in eine Richtung verstärkt wird“, sagte der Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI am Dienstag. Die fundamentalen Daten wie Förderung, Nachfrage und Verbrauch von Öl treten in solchen Situationen in den Hintergrund.

Für die Verbraucher in Deutschland ist das eine gute Nachricht. Lagen die Preise für einen Liter Superbenzin in der vergangenen Woche noch nahe 1,59 oder 1,60 Euro, so gingen sie am Dienstag im Durchschnitt auf ungefähr 1,54 Euro zurück. Diesel kostet etwa 1,38 Euro.

Auch bei Heizöl ist eine erste Entspannung sichtbar. Der Preis für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Liter) sank in etlichen Städten unter 76 Euro. Das sind sechs Euro weniger als vor einer Woche. Das ist sowohl für Benzin als auch Heizöl immer noch ein relativ hohes Preisniveau. Doch auch Rohöl ist noch nicht wirklich billig geworden, es ist immer noch rund zehn Dollar teurer als zu Jahresbeginn.

Die Mineralölkonzerne lassen sich nicht aus der Reserve locken, wenn es um Prognosen für die nächste Zeit geht. “Es wird sich zeigen, ob die Preise auf den Ölmärkten nachhaltig sinken und wie sich das Verhältnis von Dollar zu Euro entwickelt“, sagte Detlef Brandenburg vom deutschen Marktführer Aral. Auch unabhängige Fachleute wie HWWI-Experte Leschus wollen sich angesichts der heftigen Schwankungen nicht festlegen. “Kurzfristig ist das nicht vorhersehbar“, sagte er. “Die langfristigen Trends weisen eher auf steigende Preise, zum Beispiel die wachsende Ölnachfrage in Schwellenländern oder die abnehmende Verfügbarkeit von leicht förderbarem Öl.“

Bislang waren Heizölkunden und Autofahrer in diesem Jahr besonders gebeutelt. Schon seit Ende Februar hat sich der Rohölpreis in einer Bandbreite von 110 bis 120 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent festgesetzt, im April lag er noch darüber. Auch die Freigabe von 60 Millionen Barrel Rohöl aus den Reserven der Industrieländer im Juni konnte daran nur sehr kurz etwas ändern. Die Endverbraucherpreise folgten dem dauerhaft hohe Preisniveau für Rohöl.

dpa

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