„Finanztest“ checkt Kosten

Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

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Bei den Kontoführungsgebühren langen einige Banken ganz schön zu.

Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die Notbremse angesagt.

München - Wer für sein Girokonto mehr als 60 Euro Gebühren im Jahr zahlt, sollte nach Ansicht der Stiftung Warentest zu einem günstigeren Konto wechseln. Die Verbraucherexperten prüften für die September-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken, wie die Stiftung am Dienstag vorab mitteilte. Dabei fanden sie noch 23 Kontomodelle, die komplett kostenfrei sind. Die Grünen übten Kritik am "Gebührendschungel". 

Derzeit sind laut "Finanztest" neun Direktbanken sowie 14 überregionale und region!ale Filialbanken noch kostenfrei. Viele andere Banken entwickeln hingegen eine große Kreativität, um sich neue Gebühren auszudenken. So ist beispielsweise für Kunden der Frankfurter Volksbank, die ein Konto mit Einzelabrechnung haben, das Geldabheben nur während der Geschäftszeiten der Filiale kostenfrei. 

Das ist nach Angaben von "Finanztest" zulässig, "aber alles andere als kundenfreundlich". Erst kürzlich hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass auch Gebühren für eine SMS mit einer TAN berechnet werden dürfen. .

"Kreativität vieler Banken und Sparkassen“

Das ist aber nur dann zulässig, wenn der Kunde mit dieser SMS-TAN anschließend einen Zahlungsauftrag erfolgreich abschließt. Die Grünen-Verbraucherpolitikerin Nicole Maisch erklärte, es werde angesichts der "Kreativität vieler Banken und Sparkassen bei der Gebührenerhebung" immer schwieriger für Verbraucher, den Überblick zu behalten und Konten miteinander zu vergleichen. Gängige Leistungen wie Abhebungen müssten wieder einheitlich durch die Kontoführungsgebühr abgedeckt sein, versteckte Zusatzkosten für Standardleistungen dürfe es nicht geben, forderte sie. 

Ein Kontowechsel ist nach Einschätzung der Experten bei der Stiftung Warentest relativ einfach, sollte aber gut durchdacht sein. Zunächst sollten Kunden bei ihrer Bank nachfragen, ob es ein Kontomodell gibt, das günstiger ist als das bisherige. Die Nutzung von Kontoauszugsdruckern, Geldautomaten und Selbstbedienungsterminals kann ebenfalls zur Ersparnis beitragen. Seit September 2016 müssen die alte und die neue Bank beim Kontowechsel zusammenarbeiten. Die bisherige Bank muss eine Übersicht aller Buchungen der vergangenen 13 Monate liefern, die künftige Bank soll alle Zahlungspartner von der neuen Kontoverbindung schriftlich informieren. Beide Banken haften für Schäden, die aus einem fehlgeschlagenen Kontowechsel entstehen.

Auf der Suche nach dem richtigen Girokonto 

Nur noch wenige Banken bieten ihren Kunden komplett gebührenfreie Girokonten. Die Stiftung Warentest rät, bei mehr als 60 Euro Gebühren im Jahr das Konto zu wechseln. Bei der Wahl des richtigen Kontos gibt es neben den monatlichen Kontoführungsgebühren aber noch weitere Faktoren zu berücksichtigen. 

Gebühren: Neben einigen grundsätzlich gebührenfreien Konten gibt es bei diversen Banken auch Konten, die bei Erfüllung bestimmter Bedingungen nichts kosten. Vorausgesetzt wird etwa ein monatlicher Geldeingang in einer bestimmten Höhe. Daneben gibt es kostenlose Konten für bestimmte Bevölkerungsgruppen, etwa junge Leute, Azubis und Studenten. Wem sein aktuelles Konto zu teuer ist, der kann in manchen Fällen auch bankintern wechseln und damit seine Kosten senken. Wichtig ist allerdings zu prüfen, welche Leistungen ein gebührenfreies Konto genau umfasst. So gibt es etwa Onlinekonten, bei denen Telefonbanking und andere Dienstleistungen außerhalb des Internets etwas kosten. Auch wenn keine Kontoführungsgebühren fällig werden, erheben manche Banken Jahresgebühren für die Giro- oder die Kreditkarte. Die Übersendung von Kontoauszügen per Post kostet teilweise ebenfalls extra. Außerdem ist die Erhebung einer Gebühr für SMS-TAN unter bestimmten Bedingungen zulässig. 

Bargeld besorgen: Eine zentrale Frage für die meisten Bankkunden ist, wie leicht sie an Bargeld kommen. Hier lohnt also ein Blick darauf, wie viele Geldautomaten das jeweilige Institut betreibt und wo. Die größten Netze haben Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Manche Banken kooperieren mit Konkurrenten, so dass auch bei deren Automaten eine kostenlose Abhebung möglich ist. Manchmal gibt es zudem die Option, unabhängig vom Betreiber kostenlos mit Kreditkarte Geld zu ziehen. 

Bezahlen im Ausland Wer öfter im Ausland unterwegs ist, muss auch dort flüssig sein. Verbraucher sollten sich deshalb fragen, ob sie beispielsweise eine Option für kostenloses Geldabheben im Ausland brauchen und welche Gebühren dort für den Einsatz der Giro- oder Kreditkarte fällig werden. 

Service Bankkunden sollten sich überlegen, ob ihnen der Service in einer Bankfiliale wichtig ist. Wenn ja, sind Direktbanken keine gute Wahl, da sie kein Filialnetz betreiben und nur online oder per Telefon beraten. Entsprechend gibt es auch nicht die Möglichkeit, am Schalter Geld abzuheben oder eine Überweisung zu beauftragen. 

Dispozinsen Wer dazu neigt, sein Konto zu überziehen, sollte hier genau hinschauen. Viele Banken verlangen weiterhin hohe Dispozinsen. 

Prämie Wer mehr als ein Girokonto entdeckt hat, das gut zu ihm passt, kann prüfen, welchen Neukundenbonus die jeweilige Bank anbietet. Hier sind zum Teil 100 Euro und mehr drin.

AFP

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