Fitch stuft Kreditwürdigkeit von Japan herab

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Die Rating-Agentur Fitch

Tokio - Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Japans auf A+ herabgestuft. Der Ausblick sei zudem negativ, hieß es am Dienstag.

Die Bewertung werde von bisher “AA-“ auf “A+“ reduziert, teilte Fitch am Dienstag mit. Es droht sogar noch eine weitere Herabstufung: Der Ausblick für das Rating sei negativ, hieß es. Japan hat schon jetzt mit rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die bei weitem höchste Staatsverschuldung unter allen Industriestaaten. Allerdings steht der Staat - anders als im Falle anderer Staaten - überwiegend beim eigenen Volk in der Kreide. Im Vergleich zu Japan gehört Deutschland zu den wenigen erstklassig benoteten Ländern, die über eine AAA-Bewertung (“Triple A“) verfügen.

Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda versucht zwar, eine Verdopplung der Verbrauchssteuer von derzeit 5 Prozent durch das tief gespaltene Parlament zu bringen, doch die Aussichten dafür sind höchst ungewiss. Außerdem wäre auch das nach Ansicht von Ökonomen beileibe nicht ausreichend, Japans Finanzen zu sanieren. Dass die seit Jahrzehnten in der Krise steckende drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt noch nicht in den Strudel der Schuldenkrise gerissen worden ist, hat Japan seinem nach wie vor großen Wohlstand zu verdanken. Doch auf ewig wird Japan Ökonomen zufolge nicht so weiterwirtschaften können.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. © dpa
In ihr Urteil fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. © dapd
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch etwa mit der Bestnote AAA (Englisch: “Triple A“). Moody's nutzt dieselben Bezeichnungen, schreibt sie aber anders (Aaa). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. © dpa
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch “Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick “positiv“, “stabil“ und “negativ“ an. © dpa
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. © dpa
Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Zuletzt haben Staaten aber trotz einer Herabstufung günstiger Geld bekommen. © dpa
Die Agenturen sind umstritten. Weil sie vor der Finanzkrise Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben. © dapd
In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik: Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. © dpa

Der Plan zur Konsolidierung des Staatshaushalts wirke im Vergleich zu anderen Industriestaaten eher gemächlich, sagte Andrew Colquhoun, bei Fitch zuständig für asiatische Staatsanleihen. Die hohe Verschuldung erfordere ein konkreteres und glaubwürdigeres Konsolidierungsprogramm zum Abbau der hohen Schulden, mahnte am Dienstag auch die OECD. Erforderlich seien Fiskal- aber auch Strukturreformen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, hieß es.

Japans Schuldenstand dürfte laut Fitch bis Ende 2012 bis auf 239 Prozent des BIP steigen. Seit Beginn der Finanzkrise sei der Schuldenstand um 61 Prozentpunkte geklettert. Der Druck auf die Regierung dürfte nach der Kreditbewertung von Fitch weiter zunehmen. Sie hatte im Januar eingeräumt, dass sie das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts im Fiskaljahr 2020 trotz der geplanten Verdopplung der Verbrauchssteuer wohl nicht erreichen wird. Fitch ist die kleinste der drei den Markt beherrschenden Ratingagenturen.

Ungeachtet der hohen Verschuldung nimmt der japanische Staat weiter Mittel auf, um den Wiederaufbau der durch ein Erdbeben und Tsunami im März vergangenen Jahres verwüsteten Gebiete im Nordosten des Landes zu finanzieren. Den Investitionen in den Wiederaufbau hat es Japan mit zu verdanken, dass die Wirtschaftsleistung des Landes in diesem Jahr nach Einschätzung der OECD weiter anzieht. Demnach dürfte Japan im laufenden Jahr ein reales Wachstum von 2,0 Prozent erzielen. Dank eines zu erwartenden Anziehens der Exporte könne Japan auch im nächsten Jahr mit einem weiteren Wachstum von 1,5 Prozent rechnen.

Das weiterhin stark exportabhängige Japan ist jedoch anfällig für die Lage der Weltwirtschaft. Auch der rasante Höhenflug des Yen macht der Wirtschaft schwer zu schaffen. Eine weitere langfristige Gefahr sieht die Ratingagentur Fitch in der ungünstigen demografischen Entwicklung. Die alternde Bevölkerung werde zunehmend die sozialen Sicherungssysteme belasten. Daher seien haushaltspolitische Erfolge notwendig, um diesen Druck zu mindern.

dpa/dapd

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