Ufo will neue Luftverkehrs-Gewerkschaft in Konkurrenz zu Verdi

+
UFO-Vorsitzender Nicoley Baublies während einer Protestaktion in Frankfurt. Foto: Boris Roessler/Archiv

Frankfurt/Main (dpa) - Im streikgeplagten deutschen Luftverkehr zeichnet sich ein neuer Konkurrenzkampf zwischen einzelnen Gewerkschaften ab.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat am Dienstag vorgeschlagen, dass sich alle kleineren Gewerkschaften und Berufsverbände der Sparte zu einer "Industriegewerkschaft Luftfahrt" (IGL) zusammenschließen sollten. Bei Wahrung größtmöglicher Selbstständigkeit der einzelnen Partner könne so eine gemeinsame Tarifpolitik verfolgt werden, erklärte Ufo-Chef Nicoley Baublies.

Der Schritt richtet sich gegen die DGB-Gewerkschaft Verdi, die sich bislang als stärkste Arbeitnehmervertretung im Lufthansa-Konzern sieht und dort im Aufsichtsrat mit Christine Behle auch die stellvertretende Vorsitzende stellt. "Wir werten das Ufo-Vorhaben als Kampfansage, sehen den Bestrebungen jedoch gelassen entgegen", erklärte die Gewerkschafterin in einer ersten Reaktion. Ufo treibe die Spaltung der Belegschaft voran.

Die Kabinengewerkschaft hat nach Baublies' Angaben bereits die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, die Gewerkschaft der Flugsicherung, die bisher nicht tariffähige Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (Agil) und weitere Berufsverbände angesprochen. Die geplante Luftfahrt-Gewerkschaft solle außerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeiten.

Die umworbene Vereinigung Cockpit (VC) erklärte allerdings prompt, dass man zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit zu einem Zusammenschluss sehe. Auch die bislang bekannten Vorstellungen der Bundesregierung zur Tarifeinheit änderten daran nichts, weil es bei der Lufthansa keine sich überschneidenden Tarifverhandlungsansprüche für einzelne Berufsgruppen gebe. "Wir halten die Pläne für unausgegoren", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Die Ufo strebt ihrerseits nach Dominanz bei der größten deutschen Fluggesellschaft: Im Flugbetrieb der Lufthansa sei man schon heute die mitgliederstärkste Gewerkschaft, sagte Baublies. Der Vorstoß sei nicht in erster Linie eine Reaktion auf die Pläne der Bundesregierung zur Tarifeinheit.

Es gehe vielmehr um ein solidarisches Handeln für Kollegen in den bislang gewerkschaftlich schwach organisierten Luftverkehrsbereichen. Dazu gehöre beispielsweise das bislang von Verdi vertretene Personal am Boden oder in den Großküchen, das in letzter Zeit verstärkt von der Gruppierung Agil umworben wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.