Studie: Heimliche Preiserhöhungen belasten Euro-Bilanz

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Seit 2002 wird in Deutschland überall in Euro gezahlt.

München - Schon kurz nach Einführung der neuen Gemeinschaftswährung 2002 machte das Wort vom “Teuro“ die Runde. Zu Unrecht, wie Währungshüter sagen - zu Recht, wie jetzt eine Studie meint.

Heimliche Preiserhöhungen auf breiter Front haben die Verbraucher nach einer Studie des Magazins “Focus“ in den knapp zehn Jahren der Euro-Ära stark belastet - “stärker als es die amtlichen Zahlen zugeben“. Das Magazin ließ 2001 und dann wieder zehn Jahre später einen Marktforscher Tausende von Preisen erheben. Der Vergleich ergebe, dass der entscheidende Schub bei vielen Preisen auf die Zeit direkt vor der Bargeldumstellung von der D-Mark auf den Euro 2002 zurückgehe. “Viele starke Preiserhöhungen seit 2001 stammen genau aus dem damaligen Jahr“, zitiert “Focus“ den Marktforscher Wolfgang Steinle.

Damals hätten viele Anbieter die Euro-Umstellung für kräftige Aufschläge genutzt. Um diese zu verstecken, hätten Händler schon schrittweise vor dem Start des neuen Bargeldes damit begonnen. “Es sollte offenbar alles vermieden werden, um im Januar 2002 mit den Euro-Angaben als Preistreiber dazustehen. Also starteten die Händler viel früher Preisrunden“, so Steinle. Der damalige Finanzminister Hans Eichel wird mit den Worten zitiert: “Wir spüren an vielen Stellen Preiserhöhungen, die sehr ärgerlich für den Verbraucher (...) sind.“

Europas Währungshüter, allen voran der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, haben dagegen immer wieder betont, dass der Euro für die Verbraucher in Europa bislang eine Stabilitätsgeschichte darstelle. Die Geldentwertung nach dem Euro-Start, so das zentrale Argument, falle im Durchschnitt niedriger aus als im Zeitalter der nationalen Währungen davor - auch im Vergleich zur D-Mark-Ära.

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Viele Verbraucher haben trotzdem das Gefühl, der Euro habe ihnen eine Welle von Preiserhöhungen eingehandelt. Die Worte “gefühlte Inflation“ und “Teuro“ machen schon länger die Runde. “Focus“ nennt Beispiele für besonders heftige Preiserhöhungen im Zeitraum von 2001 bis 2011: Da sei eine Tube Schmerzgel 221 Prozent teurer als vor 10 Jahren, Automatenpassbilder 134 Prozent, ein Beutel Würzmischung 85 Prozent oder eine Kokosnuss 95 Prozent.

Heftig teurer seien insbesondere Eintrittskarten für Großveranstaltungen geworden, etwa für Spiele der Fußball-Bundesliga (plus 68 Prozent für den billigsten Sitzplatz) oder Kulturevents. Als Spitzenreiter nennt das Magazin ein Ticket für einen Logenplatz für das Silvesterkonzert in der Dresdner Semperoper, das 2001 umgerechnet 87 Euro gekostet habe - 2011 aber 270 Euro, ein Plus von 210 Prozent.

Im Gegenzug haben starke Preissenkungen bei vielen Artikeln die Verbraucher aber auch spürbar entlastet. Viele Lebensmittel seien billiger als vor 10 Jahren, allen voran Schwarzwälder Schinken (minus 49 Prozent) und Salami (minus 40 Prozent) Ananas (minus 37 Prozent) und Bananen (minus 34 Prozent). Starke Preisnachlässe habe es auch bei Computern und Unterhaltungselektronik, zum Beispiel bei Druckern (minus 90 Prozent), Notebooks (minus 89 Prozent) sowie Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen (minus 33 Prozent) und Geschirrspülern (minus 38 Prozent) gegeben.

dpa

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