EU verbietet gefährliche Stoffe in Elektrogeräten – Ausnahme für Cadmium

Föhn als Giftschleuder

Brüssel. Asbest im Föhn, Nanosilber im Kühlschrank – wir sind vom Gift umgeben. Bis jetzt. Binnen eines Jahres müssen die Hersteller von Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik und Computern alle schädlichen Bestandteile entfernen.

Das Europäische Parlament entschied jetzt: Blei, Quecksilber und über 40 andere Gifte haben in elektronischen Apparaten nichts mehr zu suchen.

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EU-Richtlinie für gefährliche Stoffe

Bestehende Verbote wurden ergänzt – nicht nur zum Schutz der Gesundheit, sondern auch der Umwelt. Denn ein Großteil der Rechner, Kühlschränke oder Handys landet bisher im Sondermüll. „Bis zum Jahr 2020 fallen etwa zwölf Millionen Tonnen Elektroschrott an“, sagt die Grünen-Europa-Abgeordnete Rebecca Harms. Die Schadstoffe verhindern, was demnächst mit einem anderen Regelwerk erreicht werden soll: Das systematische Recycling zur Wiedergewinnung der in den Geräten enthaltenen Rohstoffe.

Die Neufassung der so genannten „RoHS“-Richtlinie (Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe) soll Kreise ziehen. Zum ersten Mal verbietet Brüssel die Verwendung der toxischen Bestandteile nicht nur innerhalb der Gemeinschaft, sondern auch für Hersteller außerhalb der EU. Ob japanische Kameras, südkoreanische DVD-Player oder chinesische Waschmaschinen – alle müssen nach einer Übergangsfrist giftfrei sein. „Die Folgen werden weltweit spürbar“, hieß es in der Straßburger Volksvertretung, „denn wir wissen, dass viel Elektroschrott auch in Entwicklungsländer entsorgt wird.“

Solarzellen ausgenommen

Dennoch bleibt eine Lücke, die sogar die Grünen zähneknirschend akzeptierten. Photovoltaische Solarzellen dürfen auch künftig hochgiftiges Cadmiumtellurid enthalten. Das Dilemma: Auf der einen Seite will man die regenerativen Energien unterstützen, auf der anderen Seite giftige Bestandteile in der Umwelt bekämpfen. Am Ende entschied sich die breite Mehrheit des Parlaments für eine Ausnahme zugunsten der Cadmium-Zellen. „Die Herstellung anderer Solarzellen ist energieintensiver“, sagte Harms. Der liberale Europa-Politiker Holger Krahmer meinte dagegen: „Hier wird ein Reservat für Solarzellen errichtet. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Tatsächlich ist dieses Ergebnis vor allem der intensiven Lobbyarbeit des amerikanischen Herstellers First Solar zu verdanken. Dessen Vertreter hatten die letzten Monate genutzt, um die Abgeordneten regelrecht „weichzukochen“ – andere sprechen gar von einem „Drängen zu einer Entscheidung ohne Detailkenntnis“. Sie trifft besonders die deutschen Hersteller, die das Cadmium längst durch ungefährliches Silizium ersetzt haben. Sie haben das Nachsehen, die Umwelt möglicherweise auch: Bisher ist nämlich offen, wie die giftigen Zellen eigentlich entsorgt werden müssen.

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