Imbissstand muss Neubau weichen

Die Frankfurter Worscht Börse schließt

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Ende April ist Schluss: Thomas Brauße (48) hat seine Entscheidung, Würstchen zu verkaufen, nicht bereut. Aber jetzt kommt was Neues.

Thomas Brauße war Banker, bis ihn die Bankenkrise seinen Job kostete. Er machte sich selbstständig - mit einer Imbissbude hinterm Frankfurter Messeturm. Die soll bald einem Haus weichen.

Frankfurt. Den Auftritt in Anne Wills Talkshow im September 2009 wird er wohl nie vergessen. „Abstiegsangst“ hieß das Thema, und der Ex-Broker Brauße war nicht nur in dieser Talk-Show ein willkommener Gast. Denn der Ende 2008 geschasste Banker eines US-Aktienhändlers mit gutem sechsstelligem Jahresgehalt war nicht wie mancher Kollege in Zeiten der Bankenkrise in ein Loch gefallen.

Brauße machte sich selbstständig – mit einer Imbissbude hinterm Frankfurter Messeturm, wo er selbst mal sein Büro hatte. Genannt wird die Bude nur Worscht Börse. Das Beste an der Talkshow: Am nächsten Morgen war die Hölle los am Stand, Braußes Currywürste waren über Nacht bekannt geworden.

Das ist jetzt fast fünf Jahre her und der 48-Jährige steht vor einem neuen Lebensabschnitt. Denn die Würstchenbude macht Ende April dicht, an ihrem Standplatz soll ein Haus gebaut werden. Die Kunden, darunter auch Ex-Kollegen Braußes – bedauern es, und auch Brauße selbst scheint etwas wehmütig.

Doch der Imbissbesitzer ist auch Realist. Schon länger läuft der Laden nicht mehr so ganz toll. Seit Fertigstellung des benachbarten Einkaufszentrums Skyline Plaza ist weniger los, wegen des vielfältigen Speiseangebotes dort und weil die Arbeiter von der Baustelle fehlen.

Ein Ersatzplatz in der Gegend sei keine Option. Doch ein Zurück ins Aktiengeschäft kommt für ihn auch nicht infrage. Ihn zieht es zu neuen Ufern in der Gastronomie: „Ich bin eben ein Schaffer“. Mehr wird nicht verraten, denn der Vertrag ist noch nicht unter Dach und Fach. „Ich habe wieder direkt Kontakt mit Menschen, darauf kommt es mir an.“

Der Vater zweiter Teenager-Töchter, der schon seit zehn Jahren getrennt lebt, will nicht jammern. „Ich habe gerne gut gelebt früher, nicht üppig, aber gut.“ Auch von der Wurst konnte er, wenn auch bescheidener, leben. Wie er überhaupt darauf kam? Brauße lacht: „Mein Vater war Kraftfahrer, in den Ferien nahm er mich mit. Ich kenn’ in Deutschland jeden Imbiss.“

Damit ist Schluss, so wie zuvor mit den Aktien Schluss war. Auch Talkshows werden sich mutmaßlich nicht mehr für ihn interessieren.

Richtig kalt erwischt hat es ihn aber auf einem ganz anderen Feld. 2013 musste er seine aktive Zeit als Handballer beenden. Rückenprobleme, „da war es irgendwie vorbei mit der Leichtigkeit des Seins.“ Aufgeben gilt aber auch da nicht. Jetzt will er laufen, „passt ja auch besser zu meinem Alter“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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