Mohn hat aber bei Bertelsmann das letzte Wort – Gewinnsprung

Frau im Hintergrund

Liz Mohn (69) gilt als die mächtigste Medienfrau Europas. Mit dem ersten Halbjahresbericht des Bertelsmann-Konzerns nach dem Tod ihres Mannes hat sie bewiesen, dass sie mehr ist als die Frau im Hintergrund. Foto: dpa

Gütersloh. Kostüm, Make-up – Liz Mohn wirkt perfekt und diszipliniert. Vor Jahren erzählte sie der Illustrierten „Gala“, dass sie nach einem stressigen Tag das Laufband der Couch vorziehe. Eine Stunde, 20 Minuten – ihr Pensum mit 64 Jahren. Mittlerweile ist sie 69 Jahre alt. Mit nicht weniger Disziplin hat sie hinter den Kulissen den Umbau des Medienkonzerns Bertelsmann vorangebracht. Die Halbjahresbilanz, die die nichtbörsennotierte AG gestern vorlegte, bestätigt sie. Als Reinhard Mohn ihr im Oktober 2009 sein Vetorecht in der konzernbeherrschenden Verwaltungsgesellschaft der Bertelsmann AG (BVG) vererbt, erhält sie offiziell das letzte Wort im Gütersloher Medienhaus.

Liz Mohn sei „die mächtigste Medienfrau Europas“, schrieb das Handelsblatt. Mit dem verbrieften Einfluss der Familie witterte so mancher den Untergang des Konzerns, denn im ersten Halbjahr 2009 kämpfte Bertelsmann mit einem Verlust von 333 Millionen Euro. Bertelsmann-Vorstand Hartmut Ostrowski musste ein straffes Sparprogramm umsetzen. Sein Ziel: 900 Millionen Euro sparen. Zwar war es zuletzt still um Liz Mohn, aber mit ihrem Vetorecht wird sie mitgesteuert haben.

„Unsere Portfolio-Maßnahmen der letzten Jahren waren richtig“, zog Finanzvorstand Thomas Rabe Bilanz. Sowohl Nettofinanzschulden als auch wirtschaftliche Schulden hätten Ende Juni unter dem Vorjahreswert gelegen. Bertelsmann hat im ersten Halbjahr sein Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als eine halbe Milliarde Euro auf 246 Mio. Euro verbessert.

Die Mischung in der Führungsetage aus Familie und Managern scheint zu stimmen. Reinhard Mohn hatte lange versucht, den Einfluss der Familie auf den Konzern zu begrenzen. Er war in zweiter Ehe mit Liz Mohn verheiratet und befürchtete Erbstreitigkeiten.

Reinhard Mohn setzte auf Manager wie Thomas Middelhoff. Doch 2002 muss Middelhoff gehen, er hatte den Börsengang zu forsch vorangetrieben. Ihm folgte bis 2008 Gunter Thielen. Im Gegenzug übernahm Liz Mohn von Thielen die BVG-Geschäftsführung. Aufsichtsratchef Gerd Schulte-Hillen kritisierte später, dass mögliche Fehlentscheidungen durch Machtzuwachs bei Familienmitgliedern keineswegs kleiner werden. Er geht 2003.

Liz Mohn wird noch Jahre die Zügel bei Fernsehsendern und Radiostationen, Zeitschriften und Druckereien mit den über 100 000 Beschäftigten in der Hand halten. Die „FAZ“ schrieb einst, dass sie mit 75 entscheiden wird, wer im Konzern, der 7,3 Milliarden Euro umsetzt, ihren Posten antritt.

Auf dem Weg dorthin hat sie, die oft als machtbewusst und durchsetzungsstark beschrieben wird, selbst eine Karriere hingelegt, die als Leinwand-Stoff taugt: Als gelernte Zahnarzthelferin lernt sie ihren 20 Jahre älteren Mann bei einem Reise-nach-Jerusalem-Spiel auf einer Betriebsfeier kennen. Sie haben drei Kinder (Brigitte wird 1963 geboren, Christoph 1965 und Andreas 1968). Bis zur Ehe vergehen aber noch 24 Jahre. Anders als die drei Kinder Mohns aus erster Ehe, sind aber ihre gemeinsamen Kinder in die Konzernführung eingebunden.

Von Martina Wewetzer

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