Früher Kür, heute Pflicht

Weiterbildungen sind heute ein Muss, um im Beruf am Ball zu bleiben. Aber nur knapp jeder zweite Erwerbstätige tut etwas dafür.

Nach Ansicht von Experten ist das zu wenig. Denn die Arbeitswelt verändert sich immer schneller: Da ist ein neues Betriebssystem, da sind neue Kommunikationskanäle, die neue Fähigkeiten verlangen.

Auf der Höhe der Zeit zu bleiben, ist laut Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eine der wesentlichen Herausforderungen an den Berufstätigen von morgen. Der technische Fortschritt und die Internationalisierung des Wirtschaftslebens zwinge viele Firmen dazu, sich immer neu anzupassen. Das bringe auch Veränderungen für Arbeitnehmer mit sich – und die Notwendigkeit, sich permanent weiterzubilden. „Früher war Weiterbildung im Job eher die Kür, heute ist sie eine Notwendigkeit“, sagt Bellmann. Weiterbildung – gemeint ist damit jedes Dazulernen nach dem ersten Berufsabschluss.

Das Engagement der Deutschen ist beim Thema Fortbildung seit Jahren verhältnismäßig konstant: So hat 2010 fast jeder zweite Erwachsene im Erwerbsalter – 42 Prozent – eine Weiterbildung gemacht. Das hat eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest Sozialforschung ergeben. Schon zehn Jahre zuvor lag die Teilnahmequote bei Weiterbildungen ähnlich hoch. Im Vergleich zum Jahr 2007 ist der Wert leicht zurückgegangen. Dem gegenüber steht ein für den Einzelnen kaum zu überschauender Markt. Die Zahl der Angebote liegt laut der Datenbank Kursnet der Bundesagentur für Arbeit bei etwa 670 000.

Eine Fortbildung pro Jahr

Nach jüngsten Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung und des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung gibt es rund 20 000 Anbieter von Weiterbildungen in Deutschland. Am häufigsten sind kommerzielle Privatanbieter, gefolgt von gemeinnützigen Privatanbietern. Rund jede siebte Veranstaltung wird von einer Volkshochschule angeboten. Als Ziel könnten sich Berufstätige setzen, eine Weiterbildung pro Jahr zu machen, rät Karriereberaterin Svenja Hofert. Das müsse nicht immer eine fachliche Fortbildung sein. Gut sei auch, Soft Skills wie Teamarbeit zu schulen.

„Es sind vor allem Geringqualifizierte, Frauen in Teilzeitpositionen und Berufstätige mit Migrationshintergrund, die sich laut Statistik weniger stark als andere Berufstätige weiterbilden“, sagt Knut Diekmann, zuständig für den Bereich Weiterbildung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Sie sollten deshalb besonders darauf achten, dass sie den Anschluss nicht verpassen. (tmn)

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