Früher Wintereinbruch sorgt für Ärger – Mehrkosten bleiben am Bürger hängen

Kassel/Göttingen. Des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Das trifft in diesem Winter in besonderer Weise zu. Während sich die Kinder beim Schlittenfahren und Schneemannbauen über die weiße Pracht freuen, klagen Autofahrer über vereiste Straßen, Verkehrsbehinderungen und Staus. Auch Hauseigentümer und Hausmeister, die in den vergangenen Tagen häufig zur Schneeschaufel greifen mussten, sind genervt.

Auch in der Wirtschaft gibt es Gewinner und Verlierer. Der Textileinzelhandel erfreut sich in diesem Jahr besonders guter Umsätze. Auch das Kfz-Gewerbe kann dem frühen Wintereinbruch fast nur positive Seiten abgewinnen. Das Geschäft mit Starterbatterien läuft hervorragend, und Winterreifen sind teilweise ausverkauft. Bei glatten Straßen steigen die Unfallzahlen drastisch, was Werkstätten, Lackierern und Ersatzteilhandel viel Arbeit beschert.

Dagegen kommt der Winter Bund, Ländern und Gemeinden und damit die Steuerzahler teuer zu stehen. Der Winterdienst kostet täglich Millionen. Allein das Räumen und Abstreuen der Autobahnen verschlingt laut ADAC vier Millionen Euro am Tag.

Besonders hart trifft der Winter die Deutsche Bahn und Fluggesellschaften. Flug- und Zugausfälle, Verspätungen, Betreuungs- und Verpflegungskosten kosten sie zig Millionen. Zu kämpfen haben auch die Post und andere Brief- und Paketzusteller, die witterungsbedingt zusätzliches Personal einsetzen müssen. Und der Bausektor ruht weit gehend.

Gaswirtschaft

Konkrete Zahlen nennt der Kasseler Gasgroßhändler Wingas zwar nicht, aber Unternehmenssprecher Stefan Leunig spricht von einem „hohen Absatzanstieg im Dezember.“ Sein Kollege René Schneider vom Regionalversorger Eon Mitte geht davon aus, „dass die Kunden ordentlich heizen“.

Handel

Schneeschaufeln und Schlitten werden langsam knapp. Die Mützen- und Handschuhsortimente sind stark ausgedünnt. Zumindest der Textileinzelhandel freut sich in diesen Tagen über den frühen Wintereinbruch, der der Branche zum Teil zweistellige Umsatzzuwächse gebracht hat.

K+S

Strenge, schneereiche Winter sind für Streusalzproduzente wie den Kasseler K+S-Konzern echte Umsatzbringer. Bis zu 50 000 Tonnen pro Tag setzt die Salztochter Ésco derzeit ab. Zum Vergleich: In den Vorjahren gab es im Dezember Auftragsspitzen zwischen 20 000 und 40 000 Tonnen täglich.

Autofahrer

Als ob Eiskratzen und Rutschpartien in Superstaus noch nicht ausreichten, müssen Autofahrer an den Tankstellen derzeit mit fast 1,45 Euro für den Liter Super und etwa 1,28 Euro für Diesel deutlich höhere Preise zahlen als noch vor vier Wochen. Sie leiden besonders unter strengen Wintern.

Reisende

Zug- und Flugausfälle, stundenlange Verspätungen, ungeplante Auswärtsübernachtungen: Die Geduld von Reisenden wird in diesen Tagen auf die Probe gestellt. Anspruch auf Entschädigung gibt es meist auch nicht. Denn extreme Wetterlagen sind höhere Gewalt und von Haftung ausgeschlossen.

Verbraucher

Am Ende müssen die Verbraucher die Zeche zahlen: Die winterbedingten Mehrkosten bei Gas und Heizöl, Sprit und Strom bleiben gänzlich am Kunden hängen. Und wenn bei langanhaltender Kälte etwa Lebensmittel aus Südeuropa knapp werden, steigen auch die Kosten im Supermarkt.

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