Das Beste von gestern: Mit dem Game Boy lernten Super Mario und Co. laufen

Der Game Boy: Weltretter auf dem Schulhof

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Eine spielt, alle gucken: Noch heute erfreuen sich der Game Boy und seine Nachfolger großer Beliebtheit. 

Fünf Knöpfe, zwei Farben und ein winziger Bildschirm - mit dem Game Boy brachte Nintendo den Videospielen Anfang der 1990er-Jahre das Laufen und Reisen bei. Erstmals konnten Spieler ihre Helden wie Super Mario sogar auf den Schulhof mitnehmen.

„So viel Geld ausgeben, um einsam zu sein.“ Ungefähr so lautete 1991 das vernichtende Urteil meiner Grundschullehrerin über meine erste große Taschengeld-Investition. 100 Mark legte ich damals für ein Spielzeug hin, das mich fast 20 Jahre begleiten sollte – meinen Game Boy.

Was meine Lehrerin nicht ahnte: Das Spielen mit dem grauen Kasten war kein einsames Auf-den-Bildschirm-Glotzen. Es war ein gesellschaftliches Ereignis.

Grauer Klassiker: Der Game Boy.

1989 brachte Nintendo den Game Boy pünktlich zum 100-jährigen Firmenjubiläum auf den Markt. Bereits Mitte der 80er Jahre hatte der frühere Spielkartenproduzent mit der NES-Videospielkonsole große Erfolge gefeiert. Der Game Boy zementierte Nintendos Spitzenplatz in der Branche. Fortan konnte man die digitalen Helden überall hin mitnehmen: zu Freunden, auf Autofahrten und den Schulhof.

Dort scharte man sich mit seinen Mitschülern um den Kasten. Gemeinsam wurden neue Geheimwelten und Punkterekorde bejubelt, Endgegner und verlorene Leben verflucht. Zwischen Sach- und Matheunterricht rettete man mit Super Mario, den Ninja Turtles und Link die Welt oder zumindest die eine oder andere Prinzessin.

Das große Spieleangebot und die Möglichkeit, mit mehreren Geräten gegeneinander anzutreten, machten den Game Boy auch für Generationen außerhalb des Grundschulalters interessant. So litten die Egos von achtjährigen Söhnen, deren Mütter ihnen beim Tetris die Grenzen des Blockstapelns aufzeigten. Büßen mussten dafür Freunde und Geschwister, die in Fußball- und Prügelspielen Hütte und Hucke vollbekamen.

Dafür brauchte es lediglich zwei Farben: Auf seinem für heutige Verhältnisse winzigen Bildschirm konnte der Game Boy nur die olivgrüne Grundierung sowie mehrere Grautöne darstellen. Mitbewerber wie Segas Game Gear und der Atari Lynx kamen bereits deutlich farbenfroher daher, konnten aber weder beim Preis, noch bei der Batterielaufzeit mithalten. Sega setzte bis zur Einstellung 1997 etwa elf Millionen Game Gears ab, Ataris Lynx verkaufte sich fünf Millionen mal.

Kleinigkeiten im Vergleich zum Game Boy, der Nintendos Nettogewinn in den drei Jahren nach der Einführung auf umgerechnet knapp vier Mrd. Euro trieb. Mit Nachfolgemodellen wurden bislang weltweit über 200 Millionen Game Boys verkauft. 2010 stieß die jüngste Evolutionsstufe 3DS in die dritte Dimension vor.

Doch auch viele Ur-Game-Boys scheinen noch immer ihren Dienst zu tun. Bei Online-Auktionen erzielen gut erhaltene Modelle dreistellige Preise. Auch mein grauer Klassiker überstand Strandurlaube, Stürze und Geschwister fast 20 Jahre lang unbeschadet – bis er vor einigen Monaten einer Grippe zum Opfer fiel. Die Viren konnten ihm nichts anhaben. Dem heißen Dampf des Inhalationsbades war mein altersschwacher Freund jedoch nicht mehr gewachsen.

Von Simon Neutze

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