Wingas-Chef Gerhard König stimmt die Verbraucher bereits auf höhere Ausgaben ein

„Gaspreise werden langfristig steigen“

Null Druck: Gasengpässe soll es laut Wingas im Winter nicht geben. Die deutschen Läger seien voll, sagt der Chef des Importeurs, Gerhard König. Unser Archivfoto vom Januar zeigt einen Druckmesser an der Pipeline, die durch die Ukraine führt. Foto: ap

Buenos Aires/KAssel. Die Konjunkturkrise trifft auch die Gasförderer und Importeure. Auf lange Sicht bleibt die blaue Energie teuer, sagt Gerhard König, Sprecher der Wingas-Geschäftsführung am Rande des Weltgaskongresses in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

Die Gaspreise sind unter Druck. Wann ist mit steigenden Preisen wegen anziehender Nachfrage zu rechnen?

Gerhard König: Die Nachfrage mag derzeit stagnieren. Aber die Situation wird sich verändern, weil die Produktion in den europäischen Gasfeldern – insbesondere in der Nordsee – zurückgeht. Langfristig werden die Energiepreise wegen der zunehmenden Investitionen in immer schwierigere Lagerstätten außerhalb Europas steigen.

Welche Rolle spielt Russland bei der Gasbeschaffung?

König: Die Bedeutung der russischen Gasreserven für Deutschland und Europa wird weiter steigen. Denn die Gasförderung in Europa wird dramatisch abnehmen, und dann werden unsere russischen Partner immer wichtiger.

Kann Wingas die vereinbarten Gasmengen, etwa aus den Verträgen mit Gazprom, wegen der Konjunkturkrise derzeit noch absetzen?

König: Trotz des konjunkturbedingten Rückgangs des Energiebedarfs stehen wir gut da. Wir wollen den Rekordabsatz von 2008 in diesem Jahr nahezu wieder erreichen.

Take or pay – abnehmen oder zahlen – ist Bestandteil vieler Verträge mit Gaslieferanten. Müssten Sie als Wingas Strafe zahlen, wenn Sie Gazprom nicht die vereinbarte Menge abnehmen, im letzten Jahr mehr als 17 Milliarden Kubikmeter?

König: Take-or-pay-Regelungen stellen die Lieferzuverlässigkeit nach Europa sicher. Diese Regelungen sind bei Importverträgen üblich, auch bei uns. Dazu stehen wir. Gegenwärtig stellt sich das Problem aber für uns nicht.

Alle Winter streiten Gazprom und die Ukraine über Gaslieferungen. Das trifft auch Deutschland, wenn wegen des Konflikts nicht genügend Gas ankommt. Müssen wir uns auf einen neuen Konflikt einrichten?

König: Das Thema Ukraine ist immer noch ein Dauerbrenner. Aber wir haben vorgesorgt. Unsere Speicher sind zum Beginn der Heizsaison prall gefüllt.

Erneuerbare Energien werden ausgebaut, die Atomkraft wird wieder salonfähig. Bedeutet dies schlechte Karten für Erdgas?

König: Solar- und Windkraftwerke sind komplett witterungsabhängig. Wir brauchen zur Ergänzung weiterhin Kraftwerke, die notfalls in Minuten ans Netz gehen können. Mit Atomkraftwerken geht das nicht, aber mit Gaskraftwerken. Auf Erdgas kann daher im Energiemix nicht verzichtet werden.

Warum wird unter Druck aufwändig verflüssigtes Erdgas (LNG) für Wingas immer interessanter?

König: Die Option Flüssiggas in unser Angebot aufzunehmen wird wegen der zunehmenden Schwankungen der Märkte immer interessanter. Wir sind bereits mit möglichen Lieferanten im Gespräch und werden diese Optionen ausüben, wenn es für uns wirtschaftlich attraktiv ist. Flüssiggas wird aber immer nur eine Ergänzung für unsere langfristigen, an Pipelines gebundenen Lieferungen sein. Wir haben aber noch keinen Flüssiggas-Vertrag unterschrieben.

Wollen Sie bei LNG nur Händler sein oder können Sie sich auch einen Produktionseinstieg vorstellen?

König: Angesichts der gewaltigen Investitionen, die für Flüssiggas-Terminals erforderlich sind, konzentrieren wir uns derzeit auf die reine Beschaffung.

Von Barbara Will

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.