Russisches Unternehmen hat deutschen Markt im Blick

Gazprom-Vize: Wollen weiter in Wingas investieren

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„Wir sind ehrgeizig“: Alexander Medwedew, stellvertretender Vorstandschef des Energiekonzern Gazprom und Chef der Konzerntochter Gazprom Export.

Kassel. Der russische Energieriese Gazprom will sein Geschäft mit Gashandel und Speicherung in Europa weiterhin ausbauen und hat dabei besonders den wichtigen deutschen Markt im Blick.

Wegen der Energiewende würde dort in Zukunft mehr Gas benötigt, sagte der stellvertretende Gazprom-Vorstandsvorsitzende Alexander Medwedew am Montag in Kassel. Gas werde außerdem als Antrieb für Fahrzeugmotoren eine zunehmende Rolle spielen.

Wingas wird russisch

Gazprom hatte vor kurzem mit dem Chemiekonzern BASF vereinbart, den Kasseler Ferngashändler Wingas mit 320 Mitarbeitern komplett zu übernehmen. Bisher hielten sie knapp die Hälfte der Anteile. Der Rest lag bei der BASF-Tochter Wintershall, dem größten deutschen Öl- und Gasförderer.

„Gazprom will in Wingas investieren, um unsere erfolgreiche Partnerschaft fortzusetzen“, sagte Medwedew auf einer Wingas-Betriebsversammlung. Die Komplettübernahme des Kasseler Gashändlers muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Medwedew rechnet damit, dass die Transaktion frühestens im Sommer nächsten Jahres abgeschlossen sein wird.

Noch stehe der Prozess, mit dem Wingas in den Gazprom-Konzern eingeliedert werden soll, ganz am Anfang. „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass schon alle Details ausgearbeitet sind.“ Dass die neuen Hausherren in Kassel Personal abbauen, sei nicht zu erwarten, hieß es aus dem Gazprom-Umfeld.

Wingas passe perfekt zu Gazprom, sagte Medwedew weiter. Denn: „Wir sind ehrgeizig.“ Der deutsche Markt habe ein großes Wachstumspotenzial. In Wingas zu investieren, sei deshalb ein Gewinn für beide Seiten. Gazprom könne die Tochter mit fianziellen Ressourcen, Gas oder dem Handel unterstützen.

Tauschgeschäft

BASF und Gazprom machen seit über 20 Jahren Gasgeschäfte miteinander., Vor wenigen Wochen hatten sie einen milliardenschweren Tausch vereinbart. Danach übernehmen die Russen die Wintershall-Gashandelstöchter Wingas, WIEH (Berlin) und WIEE (Zug, Schweiz) sowie das Speichergeschäft vollständig, Gazprom steigt außerdem in Wintershall-Förderaktivitäten in der Nordsee ein. Die BASF-Tochter erhält dafür einen 25-Prozent-Anteil an zwei westsibirischen Gasfeldern, der auf die Hälfte aufgestockt werden kann. Geld fließt bei dem Vermögenstausch nicht.

Die Wintershhall-Handelstöchter hatten im vergangenen Jahr knapp 417 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Gas verkauft und damit 8,8 Milliarden Euro umgesetzt. Als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben davon 425 Millionen Euro. Insgesamt erzielte Wintershall 2011 einen Umsatz von 12,05 Mrd. Euro und ein Ebit von 2,1 Mrd. Euro. (wll)

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