Angebot ist "eine Dreistigkeit"

GDL lehnt Bahn-Angebot ab und droht mit langen Streiks

+
GDL-Chef Claus Weselsky ist mit dem Tarifangebot der Bahn weiterhin nicht zufrieden.

Frankfurt/Main - Reisende und Pendler müssen sich möglicherweise auf neue Verzögerungen und Behinderungen im Bahnverkehr einstellen. Die Lokführergewerkschaft weist einen Tarifvorschlag des Unternehmens brüsk zurück - und lässt die Muskeln spielen.

Reisenden und Pendlern drohen erneut Behinderungen im Bahnverkehr. Die Lokführergewerkschaft GDL wies ein neues Tarifangebot des Unternehmens zurück und stellte einen weiteren Arbeitskampf in Aussicht.

"Nun denn - diesmal wird es richtig lang", hieß es in einer auf der GDL-Homepage veröffentlichten Stellungnahme. Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bislang sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt.

Gewerkschaft bezeichnet Angebot als "Dreistigkeit"

Die Bahn hatte am Mittwoch offeriert, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni. Das sei ein "seriöses Angebot", das geeignet sei, den Tarifkonflikt zu beruhigen und weiterzukommen, sagte eine Bahn-Sprecherin am Freitag.

In der im Internet veröffentlichten Mitteilung bewertete die GDL das Angebot als unzureichend. Für 24 Monate würde lediglich eine Entgelterhöhung von rund drei Prozent wirksam. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorschläge der Unternehmensführung als "Dreistigkeiten". Sie kritisierte, es gebe unter anderem weiterhin keine Angebote zur Absenkung der Arbeitszeit, zur Begrenzung von Überstunden sowie zur Belastungssenkung für das Zugpersonal. Außerdem wolle die Firma am "Zwei-Klassen-Lokomotivführer" festhalten und Lokrangierführer schlechter bezahlen.

Die DB-Sprecherin wies den Vorwurf der GDL zurück, die DB habe keine Angebote zur Entlastung gemacht: "Wir haben der GDL dazu einiges angeboten, zum Beispiel durch zusätzliche Einstellungen von 300 Lokführern oder durch individuelle Arbeitszeit- und Schichtplangestaltung."

Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen

Von der GDL habe das Unternehmen dazu bisher nichts gehört. "Wir haben noch keine Minute über höhere Löhne verhandelt", sagte die Bahn-Sprecherin. Ein Lohnplus von 4,7 Prozent in zwei Stufen sei sonst das Ergebnis von Verhandlungen. Daher sei die offensichtliche Verweigerung der GDL nicht nachzuvollziehen. "Auch zur Entlastung von Arbeitnehmern und zum Lokrangierführer liegen Vorschläge auf dem Tisch." Sollte die GDL nicht wieder verhandeln, spricht sich die DB für eine Schlichtung aus. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, auf Zeit zu spielen.

Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Sie hatte zuletzt in der vergangenen Woche im Personen- und Güterverkehr gestreikt. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn.

Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Die EVG schloss ihrerseits Streiks ausdrücklich nicht aus. Anlass war ein neues Angebot der Bahn für Service- und Sicherheitskräfte: 4,7 Prozent mehr Geld in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 29 Monaten, wie die Gewerkschaft mitteilte. Die EVG fordert 6 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr Lohn und Gehalt. Sie kritisierte, die Bahn biete unterschiedliche Laufzeiten für verschiedene Berufsgruppen. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 12. Mai müsse die Bahn nachbessern.

Aktuelles der Bahn zum Tarifkonflikt

GDL zum Tarifkonflikt

EVG-Pressemitteilungen

Mitteilung Bahn

Mitteilung auf der GDL-Seite im Internet

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.