Tarif von 19,90 Euro hat einen Haken

Gegen Fernbusse und Billigflieger: Deutsche Bahn setzt auf Super-Sparpreis

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Günstig ans Ziel: Mit Spartickets kämpft die Bahn gegen Fernbusse und Billigflieger.

Berlin. Mit Super-Sparpreisen im Fernverkehr will die Deutsche Bahn gegenüber Fernbussen und Billigfliegern Boden gutmachen.

Doch die Schnäppchen-Karte, mit denen Fahrgäste seit August im günstigsten Fall für 19,90 Euro quer durch Deutschland reisen können, hat einen Haken: Eine Stornierung ist nicht möglich. Fragen und Antworten zum Tarifdickicht eines Staatsunternehmens.

Sparpreise bietet die Deutsche Bahn bereits an. Was ist beim Super-Spartarif anders?

Das Super-Sparpreisticket ist Bahnfahren pur. Denn das City Ticket, mit dem Reisende in vielen Städten zumindest teilweise den öffentlichen Nahverkehr nutzen können, gibt es dort nicht. Dafür sind die Preise als Kampfansage an Billigflieger und Fernbusse zu verstehen: Eine einfache Fahrt in der zweiten Klasse kostet innerhalb Deutschlands im günstigsten Fall 19,90 Euro, in der Ersten Klasse 29,90 Euro. Auch für Fahrten in Nachbarländer gibt es sehr günstige Tarife. Wer eine Bahncard hat, bekommt zusätzlichen Rabatt.

Wie sieht es mit Umbuchen oder Stornieren aus?

Schlecht – das ist die Kehrseite der Medaille. Das Sparticket kann vor dem ersten Geltungstag storniert werden. Das kostet zehn Euro Gebühren, für den Rest gibt es einen Gutschein. Beim Super-Sparpreis gibt es hingegen von der Bahn gar nichts zurück. Es bleibt nur noch, die Karte rechtzeitig an Dritte weiterzugeben, der Weiterverkauf ist aber verboten.

Aber: Super-Spartickets, die im Internet oder über den DB Navigator gekauft wurden, gelten nur für die Person, deren Name auf der Karte steht. Wer sich nicht auf eine bestimmte Reisezeit festlegen will, muss das teurere Flex-Ticket kaufen, das im Nachhinein storniert werden kann, dann aber gegen Gebühr.

Kann man mit dem Super-Sparticket jeden Zug nehmen?

Die Karten gelten im ICE, IC und EC. Sie haben aber, wie der normale Sparpreis auch, eine Zugbindung. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn sich eine Verspätung von mindestens 20 Minuten abzeichnet oder wenn der Anschlusszug wegen Unpünktlichkeit weg ist.

Darf die Bahn die Storno-Möglichkeit einfach ausklammern?

Dass das Super-Sparpreisticket nicht storniert werden kann, sei „klar kommuniziert“ worden, sagt ein Sprecher. Denn einmal gebucht, sei es für andere Reisende nicht mehr verfügbar. Auch der Fahrgastverband pro Bahn bricht eine Lanze für das Unternehmen: Dieses Vorgehen sei marktüblich, sagt der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Karl-Peter Naumann. Rechtlich sei das nicht zu beanstanden. Auch bei günstigen Hotel-Angeboten sei oft eine Stornierung nicht möglich.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Gibt es die Super-Sparpreistickets für jede Verbindung im Fernverkehr?

Nein, das Kontingent ist begrenzt. Die Bahn will ja gerade die schlecht ausgelasteten Züge voller bekommen. Meist hat man morgens und am späteren Abend die besten Chancen auf ein Ticket zu 19,90 Euro. Auf attraktiven Strecken muss man zudem Wochen im Voraus buchen. Je später man dran ist, desto höher sind die Preise.

Kein Storno, kein City Ticket: Lohnt sich das Superschnäppchen überhaupt?

Wer weit im Vorausplanen kann, ist damit gut bedient, wenn er das Stornorisiko auf sich nehmen will. Wer schon in den nächsten Tagen reisen und auch noch den öffentlichen Nahverkehr nutzen will, sollte den Preis mit dem normalen Sparticket vergleichen. Ein Beispiel: Wer diesen Samstagmorgen von Kassel nach Berlin und Sonntagnachmittag zurück reisen will, zahlt in der zweiten Klasse im Flexpreis 189,50 Euro. Das Sparticket gab es gestern für 166,90 Euro, das Super-Sparticket mit Rückfahrt am Abend für 99,80 Euro. Wer für Mitte November bucht, zahlt im Super-Spartarif für die Hin- und Rückfahrt 99,80 Euro, im normalen Spartarif sind es 115,80 Euro.

Von Barbara Will

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