Fragen & Antworten

Gegen Milchpreisverfall: Jeder siebte Bauer kürzt Produktion

Zum Schlachter? Knapp 10 000 Milchviehbetriebe in Deutschland wollen ihre Produktion vorübergehend verringern, um die Erzeugerpreise wieder nach oben zu bringen. Foto: dpa

Wiesbaden. Um den Preisverfall bei der Milch zu stoppen, wollen nach Mitteilung der Landesbauernverbände knapp 10.000 Milchviehbetriebe in Deutschland ihre Produktion vorübergehend verringern – vorerst bis Jahresende.

Dafür schüttet die EU jetzt zusätzlich 40 Millionen Euro auch. EU-weit sind es 150 Millionen. Für jedes im Vergleich zum Vorjahr nicht gelieferte Kilogramm Milch soll es 14 Cent geben. Fragen und Antworten:

Wieviel soll weniger gemolken werden – und wie lange? 

Die Betriebe – genau sind es 9947 – haben eine Minusmenge von 287 Mio. Kilogramm gegenüber 2015 angemeldet, heißt es beim Hessischen Bauernverband. Das wäre ein Minus von einem Prozent. Gebremst produziert wird erst mal bis Jahresende, Verlängerung in drei Monatsschritten ist denkbar – wenn das Geld reicht. Europaweit will Brüssel erstmal 150 Mio. Euro bereitstellen. Insgesamt gibt es in Deutschland 71 300 Milchviehbetriebe.

„Kurzfristig muss die Menge runter, damit der Milchpreis wieder steigen kann“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Funktioniert das? 

Wichtig, heißt es in der Branche, ist ein Signal an den Handel, dass die Landwirtschaft nicht weiter mit Erzeugerpreisen leben kann, die nicht mal Kosten decken. Ob eine einprozentige Mengenkürzung reicht, wird man sehen. Bei Butter und Käse hätten Preise schon angezogen, heißt es.

Wie ist die Beteiligung der Milchbauern in den Bundesländern Hessen und Niedersachsen? 

In Hessen haben laut Landesbauernverband 577 Betriebe sich für die Produktionsbremse gemeldet (laut Bundesregierung 604) - mit insgesamt zehn Millionen Kilogramm Milch weniger. In Niedersachsen, wo die Milchwirtschaft bekanntlich eine deutlich größere Rolle spielt, sind nach Branchenangaben 2014 Betriebe mit von der Partie – mit 67,4 Mio. Kilogramm.

In beiden Ländern ist das grob ein Fünftel aller Betriebe – was macht eigentlich der Rest? 

Das müsse jeder Betrieb für sich selbst entscheiden, heißt es bei den Bauernverbänden. Es ist aber kein Geheimnis, dass derartige Programme oft vor allem jene Höfe nutzen, deren Betreiber sowieso ans Aufhören denken. Da wird Geld aus Brüssel fürs Nichtproduzieren verständlicherweise kurz vor der Aufgabe gerne noch mitgenommen.

Kühe sind keine Maschinen, die man ein- und ausschalten kann. Wie geht das praktisch – weniger Milch produzieren? 

Wer eh aufgeben oder öfter mal kranke Kühe loswerden will, wird die Tiere zum Schlachter geben, heißt es aus Agrarverbandskreisen. Was aus den Eutern zu holen ist, lasse sich auch über die Reduzierung des Kraftfutters oder die Steuerung der Laktationsphase, also der Zeit zwischen Kalbung und Trockenstellen des Tieres zurückfahren. Schließlich ließen sich Kälber auch mit Vollmilch statt mit Milchaustauscher oder zugekauftem Mineralfutter aufziehen. (mit dpa)

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