Regionalmanagement startet Konzept für schnellere Datenübertragung per Glasfaser

Gegen Schnecken im Netz

Gegen das Schneckentempo im Netz: Regionalmanagement Nordhessen forciert Breitbandausbau in der Region. Foto: dpa

Kassel. Früher waren es Schiene und Autobahn, heute ist es ein schneller Breitbandanschluss, wenn es um Standortfaktoren für Unternehmen geht. Übertragungsgeschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde (mbit/sec) werden zunehmend als Voraussetzung für eine Ansiedlung erwartet.

Unlängst machte Thomas Becker, Vorstandsvorsitzender der Kocos Messtechnik AG in Korbach, seinem Unmut über die geringe Übertragungsgeschwindigkeit Luft. Korbach ist Sitz des Hochtechnologie-Unternehmens, doch die Daten lassen sich zu anderen Standorten nur mit einer Geschwindigkeit von drei mbit/sec verschicken. Im thüringischen Weimar könne Kocos auf 200 mbit/sec zurückgreifen. Voraussetzung für ein international agierendes Unternehmen, das Flugreisen durch Videokonferenzen ersetzen will, seien 16 mbit/sec.

Übertragung reicht nicht

Kocos ist kein Einzelfall. Laut einer Erhebung der Industrie- und Handelskammer mangelt es bei 88 Prozent der hessischen Unternehmen an einer ausreichenden Übertragungsbandbreite. Für die Hälfte der Unternehmen sind die „Bandbreiten so niedrig, dass sich Beeinträchtigungen im Betriebsablauf ergeben“. Befragt wurden 1977 Unternehmer vor einem Jahr. Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, arbeiten viele Kommunen der Region an „Insellösungen“.

Langfristiges Ziel: ein kreisübergreifendes Glasfasernetz. Dafür hat der Aufsichtsrat der Regionalmanagement Nordhessen GmbH auf Initiative der Wirtschaftsförderer beschlossen, für die fünf Kreise und die Stadt Kassel ein Konzept für den Ausbau der Dateninfrastruktur zu erstellen.

Eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben, eine Absichtserklärung für die nordhessischen Kreise und die Stadt Kassel übergab gestern Kassels Stadtkämmerer Jürgen Barthel an Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch auf der Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München.

Projektstart im November

Veranschlagt sind für das Konzept 193 000 Euro. Finanziert wird der Betrag je zur Hälfte von den Kommunen und über Fördergeld der EU. „Projektstart ist Anfang November“, sagt Regionalmanager Holger Schach. Dabei gehe es darum, Leerrohre für Glasfaserkabel zu finden, und das künftige Netz so zu planen, dass bei den Bauarbeiten – von der Kommune oder dem Energieversorger – Leerrohre mitverlegt werden, „damit es in einigen Jahren funktioniert“.

Laut Bundesregierung sind 98,5 Prozent des Landes mit einem schnellem Internet ausgestattet. Aber Breitband ist nicht gleich Breitband – schnell ist für die Bundesregierung eine Übertragungsrate von einem mbit/sec. Mit dieser Geschwindigkeit baut sich eine Website in vier Sekunden auf. Experten setzen bei schnell mindestens zwei mbit/sec an. Zum Vergleich: Wer im Netz surft, Bankgeschäfte macht und E-Mails schreibt, braucht drei bis sechs mbit/sec, so Telekommunikations-Anbieter „Alice“.

Von Martina Wewetzer

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