Vor 350 Jahren führte eine Stockholmer Bank das erste Papiergeld Europas ein

Vor 350 Jahren: Erste Bankenkrise mit staatlicher Rettungsaktion

Genehmigte die Gründung der Stockholms Banco und machte den Weg für das Papiergeld frei: König Karl X., im Portrait von Sébastien Bourdon. Foto: gemeinfrei/nh

Mit bedruckten Zetteln wollte er die Wirtschaft ankurbeln: Am 16. Juli 1661 brachte der schwedische Banker Johan Palmstruch (1611 – 1671) die ersten europäischen Geldscheine in Umlauf. Und sorgte für die erste Bankenkrise mit staatlicher Rettungsaktion.

Mitte des 17. Jahrhunderts bestand Geld in Europa hauptsächlich aus schweren Münzen. Anders als in China, wo bereits im siebten Jahrhundert mit Papiergeld gehandelt wurde, beschränkten sich die ersten Versuche auf Schuldscheine, die Soldaten von ihren Feldherren erhielten. Diese konnten später in harten Sold umgetauscht werden.

Gewichtiger Reichtum

Ersetzte knapp 200 Kilogramm Last: Ein 100-Taler-Schein von 1666. Foto: MoneyMuseum Zürich/nh

Der Handel setzte jedoch weiterhin auf handfeste Münzen aus Edelmetallen wie Gold und Silber. Waren diese knapp, geriet die Wirtschaft ins Stocken. In Schweden setzte die Regierung daher auf Kupferplatten, die mit Prägungen entsprechend dem Gegenwert in Silber versehen wurden. Das Problem: Großer Reichtum brachte großes Gewicht mit sich. Eine Kupferplatte im Wert von zehn Talern wog etwa 20 Kilogramm.

Diese Last wollte der adeliger Bankier Johan Palmstruch seinen reichen Mitmenschen von den Schultern nehmen. Dafür benötigte er die Zustimmung von König Karl X. – und machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Als Palmstruch gelobte, die Hälfte des Gewinns an die schwedische Krone abzuführen, genehmigte der König 1656 die Gründung der Stockholms Banco. Der Weg zum Papiergeld war frei: Um die täglich bewegten Summen leichter verwalten zu können, verteilte Palmstruch ab 1661 die ersten Papiernoten an seine Kunden – entsprechend dem Wert der Edelmetallmünzen, die sie eingelagert hatten.

Anders als Schuldscheine waren die Noten nicht auf Namen ausgestellt und konnten frei getauscht werden. Bei den schwedischen Händlern stieß das Papiergeld auf Begeisterung: Große Beträge ließen sich fortan im Umschlag mitführen, anstatt sie mit Eselskarren verladen zu müssen.

Die erste Krise

Mit dem Erfolg kam jedoch auch der Absturz: Palmstruch ließ sich von der Möglichkeit verführen, zusätzliche Noten ohne Gegenwert in seinem Depot in Umlauf zu bringen. Der Schwindel flog auf, die Bank ging pleite, Palmstruch wurde zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt.

Das jähe Ende des Papiergeldbooms hätte auch das Ende der Stockholms Banco bedeutet – wäre sie nicht vom schwedischen Parlament übernommen und 1668 neu gegründet worden. Banknoten wurden erst 1701 wieder eingeführt. Herausgegeben wurden sie von der Schwedischen Reichsbank – Nachfolgerin der Stockholms Banco und heute die älteste erhaltene Notenbank Europas.

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