Grauer Kapitalmarkt sorgt für Milliardenschäden

Milliardenschäden wegen Grauem Kapitalmarkt - Hilfe für Reingefallene

Kassel/Berlin. Die Bundesregierung wollte das Thema Anlegerschutz am Grauen Kapitalmarkt vor der Sommerpause erledigt haben. Aber strengere Regeln gibt es aber frühestens 2011. Dabei sind die unseriösen Geschäftemacher recht aktiv.

Ob Akzenta in Rosenheim, Badenia in Karlsruhe, Futura-Finanz in Hof oder die Falk-Gruppe in München – sie alle waren am Graumarkt aktiv und hatten Kontakt mit der Justiz: Bandenbetrug, Verkauf überteuerter Schrottimmobilien, geschönte Zahlen und sittenwidrige Schädigung.

Den Schaden, der jährlich am so genannten Grauen Kapitalmarkt mit diesen Nebel-Geschäften entsteht, beziffert der Deutsche Anlegerschutzbund auf mittlerweile bis zu 30 Milliarden Euro. 2009 weist die Kriminalstatistik rund 18 000 Fälle von Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Beteiligungen und Kapitalanlagen auf.

Kontrolliert werden diese Geschäftemacher nicht. Sie versprechen hohe Renditen, locken mit Steuervorteilen oder dem Schutz vor Inflation. Eine amtliche Liste der Schwarzen Schafe gibt es nicht. Einzig die „Warnliste: Geldanlageangebote“ der Stiftung Warentest versucht Licht ins Dunkel zu bringen.

Doch obwohl bekannt ist, dass die meisten Anleger die Angebote nicht verstehen oder schlichtweg übers Ohr gehauen werden, gibt es keine staatliche Finanzaufsicht, die Auskunft zu diesen Produkten gibt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) prüft nur, ob ein Unternehmen zugelassen ist, die Produkte selbst aber nicht. Sie schaut nur auf den Prospekt – ob er die Mindestangaben enthält und verständlich ist. Sie macht aber keine Aussage zur Seriosität des Produktes.

Um diese Kontrollen wird in Berlin gestritten, denn dort ist man uneins, ob Finanzvermittler für Geschlossene Fonds (unternehmerische Beteiligung) dem Kreditwesengesetz unterliegen sollen und dann von der Bafin kontrolliert würden. Das wären nicht wenige: Denn eine der Spezialitäten des Grauen Kapitalmarktes ist das oft groß angelegte Vertriebsnetz – damit wird der Markt schnell flächendeckend bearbeitet. Die Finanzvermittler leben von den Provisionen dieser Produkte. Selten fällt der Vermittler mit einem Graumarkt-Produkt ins Haus. Türöffner ist meist ein ganz harmloses Produkt wie eine Haftpflichtversicherung.

Gelingt es, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, wird später eventuell über ein Steuersparmodell (siehe Anlageformen) gesprochen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde zugreift, ist groß. Denn wenn jemand mit über zehn Prozent Rendite lockt, setzt die Gier beim Kunden ein. Deshalb gilt die simple Regel: hohe Rendite, hohes Risiko.

Hier der Link zur Warnliste „Dubiose Kapitalanlagen“ der Stiftung Warentest geldgeschaefte-nebe. Die Liste kostet drei Euro.

Von Martina Wewetzer

Hintergrund: Informationen für Reingefallene

Haben Anleger das Gefühl,, auf ein Betrugsangebot hereingefallen zu sein, sollten sie so schnell wie möglich Anzeige bei der Polizei erstatten. Eine Übersicht der bei der Bafin hinterlegten Prospekte für Vermögensanlagen gibt es unter www.bafin.de („Verbraucher Prospekte“).

Eine Liste der Unternehmen, die von der Bafin zugelassen sind, gibt es unter dem Punkt „Recherche zu Unternehmen“. Informationen zu Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter www.bafin.de „Verbraucher-Beschwerden & Ansprechpartner“.

Anlageformen

Beteiligungssparpläne: In kleinen Summen sollen Anleger monatlich Geld überweisen und Anteile an Fonds oder Unternehmen erwerben. Im Fall von Betrügereien wird das Geld aber nicht investiert. Eine andere Variante: Hohe Gebühren machen das Renditeversprechen unrealistisch.

Diamanten: Unseriöse Verkäufer versprechen Anlegern große Gewinne mit Rohdiamanten. Doch der Käufer kann den Wert der Steine in der Regel gar nicht einschätzen und zahlt viel zu viel. Ein Verkauf gestaltet sich wegen des fehlenden breiten Marktes extrem schwer.

Immobilien: ohne Geld erwerben Manche Vermittler bieten den Kauf von Immobilien ohne Eigenkapital an. Der Kaufpreis werde über die Mieteinnahmen finanziert, lautet das Versprechen. Später stellt sich heraus, dass die Kalkulation nicht aufgeht und der Investor auf den Schulden sitzen bleibt.

Auslandsaktien: Telefonverkäufer werben für Aktien in der Schweiz, den USA oder Kanada. Die Anleger könnten die Papiere direkt an der Börse kaufen und müssten dem Vermittler nichts zahlen. Später stellt sich heraus, dass die Firmen nur ein Mantel ohne echte Geschäfte sind. Haben die Initiatoren ihre eigenen Papiere verkauft, beenden sie das Geschäft. Die Kurse brechen ein, der Anleger schaut in die Röhre.

Geschlossene Fonds: Bei diesen Fonds, die Filme, Schiffe und Immobilien finanzieren, muss der Anleger wissen, dass er eine Unternehmensbeteiligung eingeht. Das heißt, er kann im ärgsten Fall sein eingesetztes Geld verlieren. Bei den Anbietern gibt es seriöse und unseriöse Vermittler. Wer solche Produkte kauft, sollte selbst entscheiden, ob die Kalkulation stimmt. Kann er das nicht gilt: Finger weg. (dpa)

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