Geldvermögen der Deutschen erstmals über 5 Billionen

+
Das Anlageverhalten der Deutschen zeigt aus Sicht der Bundesbank eine hohe Abneigung der privaten Haushalte, Risiken einzugehen. Foto: Patrick Pleul

Frankfurt/Main (dpa) - Viele Sparer in Deutschland machen einen Bogen um Aktien. Sie legen ihr Geld trotz mickriger Zinsen lieber risikolos an. Ihr Geldvermögen steigt trotzdem stetig an und überspringt erstmals die 5-Billionen-Marke.

Die Menschen in Deutschland haben erstmals ein Geldvermögen von mehr als 5 Billionen Euro. Zwar investierten die privaten Haushalte ihr Geld trotz niedriger Zinsen vor allem in kurzfristige und vermeintlich sichere Bankeinlagen. Trotzdem wuchs ihr Geldvermögen von Juli bis September 2014 um 28 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent auf 5,011 Billionen Euro, wie die Deutsche Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Immobilien oder Kunstwerke sind in der Statistik nicht enthalten. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus der Studie nicht hervor.

Dabei stieg das Vermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen durch Transaktionen um 34,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig mussten die privaten Haushalte Bewertungsverluste vor allem bei Aktien von knapp 6,5 Milliarden Euro hinnehmen. Seit der Schwächephase im Herbst haben die Kurse allerdings wieder kräftig zugelegt - der deutsche Leitindex Dax stieg am Montag (19. Januar) sogar auf einen Rekordstand.

Die Zahlen sind mit den früheren Daten nicht vergleichbar: Wegen der europaweiten Umstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Anfang September 2014 fließt das Vermögen privater Organisationen ohne Erwerbszweck wie Gewerkschaften oder Kirchen nicht mehr in die Erhebung mit ein.

Mit gut 17 Milliarden Euro entfiel im Herbst 2014 rund die Hälfte der transaktionsbedingten Zuflüsse auf Bankeinlagen, und zwar fast ausschließlich auf besonders flüssige Sichteinlagen einschließlich Bargeld, wie die Bundesbank berichtete. Hingegen investierten die Menschen nur eine Milliarde Euro in Termin- und Spareinlagen einschließlich Sparbriefen.

"Die im Umfeld niedriger Zinsen bereits seit längerem zu beobachtende Präferenz der privaten Haushalte für hochliquide Anlageformen (das heißt: auf die man besonders schnell zugreifen kann) setzte sich damit im Berichtsquartal fort", betonte die Notenbank. Gleichzeitig wurden die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen um netto gut 13 Milliarden Euro aufgestockt. Auch diese Anlageform gilt als risikoarm. Insgesamt deutet das Anlageverhalten aus Sicht der Bundesbank auf eine anhaltend hohe Abneigung der privaten Haushalte hin, Risiken einzugehen.

Dafür spreche auch, dass die Menschen sich kaum auf den Kapitalmärkten engagierten. Im dritten Quartal 2014 trennten sie sich im Saldo von Schuldverschreibungen und staatlichen Wertpapieren, was die Bundesbank auf das gesunkene Renditeniveau zurückführt.

"Vor dem Hintergrund der Kursverluste an den Aktienmärkten fiel auch der direkte Erwerb von Aktien und sonstigen Anteilsrechten mit per saldo einer Milliarde Euro deutlich schwächer aus als zuvor", erklärte die Bundesbank. In nennenswertem Umfang kauften die Haushalte allein Anteile an Investmentfonds von netto 6,5 Milliarden Euro.

Gleichzeitig nutzen die Verbraucher das niedrige Zinsniveau zunehmend für die Aufnahme von Krediten. Ein Großteil der Neukredite von gut 9,5 Milliarden Euro entfalle auf den Wohnungsbau. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen auf 1,581 Billionen Euro. Das Netto-Geldvermögen erhöhte sich damit vergleichsweise moderat um 18 Milliarden Euro auf 3,43 Billionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.