Branchen machen Plus in der Krise, weil Menschen zuhause bleiben

Gemütlichkeit gewinnt

Profiteure der Krise: Baumärkte, Lebensmittelhändler, Spiele-Hersteller und die Unterhaltungselektronik gewannen 2009. Fotos: dpa

Kassel/ Göttingen. In Krisenzeiten folgen die Menschen ihren Urinstinkten: Sie verziehen sich in ihre Höhlen, sprich die eigenen vier Wände. Und weil sie dies auch 2009 taten, profitierten einige Branchen vom Einbruch der Gesamtwirtschaft.

Konsumforscher bezeichnen das Phänomen als „Homing“. „Das ist ein psychologischer Effekt. Wenn es wirtschaftlich rau zugeht, verkriechen wir uns zuhause und richten uns dort kommod ein“, sagt Konsumforscher Wolfgang Twardawa.

Die Gewinner der Krise: Spiele-Hersteller: „Mensch, ärgere dich nicht!“ Diesen Ratschlag hat die Spielwaren-Branche nicht nötig, denn mit dem „Homing“ erwacht der Spieltrieb der Deutschen. Der klassische Spiele-Markt steigerte seinen Umsatz 2009 um fünf Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Marktführer Lego freut sich sogar über ein Umsatzplus von 14 Prozent. In Krisenzeiten gibt es auch ein verstärktes Kuschelbedürfnis. So wuchs das Plüschsegment bei Schmidt Spiele um 20 Prozent.

Unterhaltungselektronik: Rekord: 8,5 Mio. Fernseher kauften die Deutschen 2009. Die Branche schreibe schwarze Zahlen, dabei habe man zu Beginn der Krise mit einem Umsatzminus von 2,5 Prozent kalkuliert, sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Allein die Media Markt-/Saturn-Gruppe steigerte ihren Umsatz von 19 Mrd. auf 19,7 Mrd. Euro.

Baumärkte & Möbelhäuser: Mit dem Rückzug ins Private, startet der Aufbruch in den Hobbykeller. Die Baumärkte legten beim Umsatz um 0,5 Prozent zu. Mit der Kurzarbeit hätten mehr Menschen Zeit, aufgeschobene Bau- und Renovierungsvorhaben umzusetzen, sagt Stefan Michell vom Branchen-Verband BHB. Auch in der Möbelindustrie gab es Gewinner: „Ikea Deutschland hat ein 2,4-prozentiges Umsatzwachstum“, sagte Unternehmenssprecherin Sabine Nold. Während die Deutsche Möbelwirtschaft insgesamt zehn Prozent verlor, gab es Zuwächse in den günstigen Segmenten Heimtextilien, Dekoartikel und Küchenutensilien.

Lebensmittelhandel: Der Gürtel wird enger geschnallt – aber nicht am Herd. „Statt ins Restaurant zu gehen, werden Freunde in finanziell unsicheren Zeiten zuhause eingeladen“, sagt Konsumforscher Twardawa. So liegen Edeka Hessenring und tegut mit ihren Umsätzen 2009 leicht über Vorjahresniveau (2008: 1,85 Mrd. bzw. 1,1 Mrd. Euro). Ohne die Discounter, die wegen harter Preiskämpfe Umsatz einbüßten, legte der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt um zwei Prozent zu. Der Außer-Haus-Konsum stürzte um acht Prozent ab.

Von Bastian Ludwig

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