Genuss mit mehr Vielfalt

Trend zu großer Bierauswahl: Kleine Brauereien punkten

Die Brauer wird es freuen: Die Deutschen trinken wieder mehr Bier. Doch der Biermarkt wandelt sich - neben dem bekannten Pils kommen immer mehr Spezialbiere hinzu, die sich durch eine andere Geschmacksrichtung auszeichnen. Fotos: dpa

Kassel. In Deutschland wird wieder mehr Bier getrunken: Die deutschen Brauer haben im vergangenen Jahr erstmals seit 2006 wieder mehr Bier abgesetzt als im Jahr zuvor.

Die höhere Nachfrage sowohl im Inland als auch beim Export führte zu einer Steigerung der Gesamtmenge um 1 Prozent auf 95,6 Millionen Hektoliter Bier inklusive Mischgetränke.

Doch nicht nur der Absatz steigt, es entstehen zudem immer mehr kleine Brauereien, die Schwung in den Biermarkt bringen. Viele neue Bierkreationen machen den Markt wieder interessanter, sagt der Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes, Marc-Oliver Huhnholz. Der Bundesgeschäftsführer der privaten Brauereien, Roland Demleitner, meint, dass sich der Trend mit ausgefallenen Sorten fortsetzen werde: „Die Rolle des Biere ist eine andere, da sich die Konsumgewohnheiten verändert haben.“ Galt Bier früher als klassische Grundnahrung, werde es heute als Genussmittel angesehen und auch so getrunken.

Die kleinen Brauereien haben den Trend hervorgerufen, die großen würden jetzt versuchen, auf den Zug aufzuspringen. „Wir erleben zurzeit eine Renaissance des Brauens und des Bieres“, sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Der Biermarkt werde immer vielfältiger und lege an Dynamik zu. Ingo Schrader, Marketingleiter des Einbecker Brauhauses in Göttingen, bestätigt den Trend: Spezialitätenbiere seien Teil des Markenkerns, daher werde auch stetig daran gearbeitet, dieses Segment auszubauen.

Roland Demleitner

Den typischen deutschen Biertrinker gibt es nicht mehr, sagt auch Rainer Schinkel vom Schinkel’s Brauhaus in Witzenhausen. „Der Biertrinker ist neugierig geworden und probiert viel aus.“ Die kleineren Brauereien in der Region Nordhessen und Südniedersachsen haben einen weiteren Vorteil: Sie können als Verkaufsrezept auf Regionalität setzen, wie es die Fuldabrücker Landbrauerei (Dörnhagen) macht. „Wir versuchen unsere Biere so einfach und regional wie möglich zu halten“, sagt Daniel Heß, Braumeister in der Fuldabrücker Landbrauerei. So wird das verwendete Malz beispielsweise im Nachbarort Wollrode angebaut.

Dennoch bietet die Brauerei saisonale Spezialbiere wie das Nikolausbier, das Märzenbier sowie Oktoberfestbier an. Besonderheit im Sommer: das Champagnerweizen. Das Bier ist ausschließlich in der Fuldabrücker Landbrauerei sowie bei der Zweigstelle Der Fährmann in Bergshausen erhältlich. Den Schoppen (0,3 Liter) gibt es für zwei Euro.

Hintergrund

Der Deutsche Brauer-Bund vermeldet ein Rekordjahr: Waren es im Jahr 1993 noch 1349 Braustätten, sind es nun rund 1400 deutschlandweit. Der Brauer-Bund schätzt, dass es in Deutschland zurzeit zwischen 5500 und 6000 verschiedene Biermarken gibt. Die Biersorte Pils stehe mit einem Absatz von über 50 Prozent auf dem ersten Platz, Export und Weizenbier folgen. Ein deutscher Biertrinker könne 15 Jahre lang jeden Tag ein anderes Bier probieren, ohne zweimal zu kosten. Nach dem Getränkemagazin „Inside“ hatte die Brauerei Oettinger für das Jahr 2014 den höchsten Absatz (5,62 Millionen). Es folgen Krombacher (5,47 Mio.), Bitburger (3,94 Mio.), Veltins (2,77 Mio.) und Beck´s (2,53 Mio.) (bms)

Regionale Biere 

Brauerei Hütt

rank Bettenhäuser, Brauereiinhaber der Hütt Brauerei (Kassel und Malsfeld) bestätigt: „Es gibt einen Trend hin zu Spezialitäten, der sich allerdings erst langsam entwickelt. Der klassische Biertrinker interessiert sich stärker für das Getränk, was dazu führt, dass es mehr Medienpräsenz bekommt.“ Der Käufer habe den Wunsch nach einer größeren Auswahl im Geschmack, er suche nach individuellen Bieren. Das klassische Fernsehbier, das sich geschmacklich nicht verändere, sei weniger gefragt. Als Trendbiere bietet die Brauerei Hütt zunächst Äquatorbier an. „Es zeichnet aus, dass es eine starke Hopfennote ausweist, aber trotzdem einen lieblichen Geschmack hat“, sagt Bettenhäuser. Die zweite Bierrarität ist der Weizenbock 1838. „Es wird aus Weizenmalz gebraut und hat trotz seines Alkoholgehaltes von 7,1 Prozent eine fruchtige Note“, sagt der Brauerreiinhaber. Das Bier werde gehandelt wie ein guter Wein.

Kostet: pro Flasche jeweils 9,99 Euro.

Gibt es wo? Im ausgesuchten Handel und im Hütt Brauereimarkt in Baunatal.

Eschweger Klosterbrauerei

Tanja Beck aus der Marketingabteilung: „Der Trend geht ganz klar zu alkoholfreien Bieren und zu kleineren Flaschen. Im Moment sind 6er-Träger sehr begehrt.“ Ab März bietet die Brauerei ein alkoholfreies Radler an.

Die Klosterbrauereiführt 14 Biersorten, die Spezialität ist laut Beck das Zwicklbier, auch bekannt als Kellerbier.

Kostet: im Kasten (24 mal 0,3 Liter) etwa 12 Euro.

Gibt es wo? In verschiedenen Getränkemärkten, zum Beispiel in Ellershausen.

Die Kunden des Willinger Brauhauses setzen nach Iris Bechmann von der Betriebsleitung eher auf Altbewährtes: „Wir bieten keine Biere mit besonderen Geschmacksrichtungen an. Wir haben saisonal zum Beispiel Weihnachtsbock. Sonst gibt es drei Sorten.“

Kostet: 12 Euro pro Holzkiste (12 mal 0,5 Liter).

Gibt es wo? In der Brauerei erhältlich.

Einbecker Brauhaus

Der Trend zu immer mehr Biersorten ist bei den regionalen Brauereien nichts Neues, sagt Ingo Schrader, Marketingleiter des Einbecker Brauhauses (Göttingen). „Die großen nationalen Brauereien sind auf den Zug aufgesprungen, weil das Pils rückläufig war.“ Hinter den sechs Marken Einbeck, Martini Kasseler, Nörtenhardenberger, Göttinger und Härken (Peine) stehen 30 verschiedene Sorten. Das Bockbier, das in Einbeck erfunden wurde, ist bis heute Marktführer. Neben dem Bockbier sind das Maiurbock im Frühjahr und das Winterbock für die kalte Jahreszeit im Angebot.

Kostet: Der Preis liegt auf Pilsbierniveau oder leicht darüber. Gibt es wo? Im Handel.

Schinkel’s Brauhaus

Auch das Schinkel’s Brauhaus in Witzenhausen ist breiter aufgestellt. „Gerade als kleine Brauerei hat man die Möglichkeit viel auszuprobieren, weil wir kleinere Mengen produzieren“, sagt Braumeister Rainer Schinkel. So könne man viele Kundenwünsche befriedigen. Neben den Standard-Sorten Pils, Schwarzbier und Weizen bietet die Brauerei ein herbes India Pale Ale und ein süffiges Braun Ale an. Daneben gibt es im Winter ein Bockbier und im Sommer ein Kirschbier.

Kostet: 10,90 Euro pro Kasten (12 mal 0,5 Liter) beim Kauf in der Brauerei. Gibt es wo? In der Brauerei sowie im Handel. Die Preise variieren.

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