Konzentration im Weltkalimarkt schreitet voran - Kasseler Konzern unter Druck

Gerät K+S in die Zange?

Begehrter Rohstoff: Kali ist weltweit gefragt, und die Förderkapazitäten sind derzeit begrenzt. Unser Foto zeigt den Abbau am K+S-Standort Philippsthal. Foto:Archiv/nh

Kassel. Der Weltkalimarkt gerät in Bewegung. Davon betroffen ist indirekt auch der Kasseler Düngemittel- und Salzproduzent K+S, der sich einer immer größer und stärker werdenden Konkurrenz gegenübersieht.

Mit der geplanten feindlichen Übernahme des globalen Branchenprimus Potash Corporation of Saskatchewan (PCS/Kanada) holt der australisch-britische Bergbauriese BHP Billiton zum ganz großen Schlag aus. Mindestens 31 Milliarden Euro bietet BHP derzeit den PCS-Aktionären für deren Anteile an, nachdem das Management des kanadischen Konzerns ein friedliches Übernahme-Angebot abgelehnt hat. Analysten erwarten, dass BHP das Angebot noch kräftig aufstockt.

Gleichzeitig bahnt sich in Russland eine Fusion der beiden Kali-Anbieter Uralkali und Silvinit an, die PCS von Rang eins vertreiben würden (siehe Tabelle). Sollte auch die bisherige globale Nummer zwei, die Belaruskali, ins Boot steigen, entstünde mit einem Marktanteil bei Standardkali von etwa 33 Prozent ein neuer Gigant in der Branche. Im Vorkrisenjahr 2008 stammte ein Drittel der Weltproduktion von fast 56 Millionen Tonnen aus russischen Minen. Dagegen nimmt sich K+S mit einem Marktanteil von etwa 11,6 Prozent (6,1 Mio. Tonnen) geradezu klein aus.

Zur aktuellen Entwicklung geben sich die Kasseler wortkarg. Die Konzentration zeige, dass der Kalimarkt für Investoren sehr attraktiv sei. Unmittelbare Auswirkungen auf die eigene Geschäftspolitik hätten die Übernahme- und Fusionspläne aber nicht, sagte ein Sprecher. Es entstünden ja keine neuen Kapazitäten.

Marktkenner schließen aber nicht aus, dass PCS mit einem äußerst finanzstarken Mutterkonzern BHP im Rücken sowie die fusionierten russischen Anbieter K+S ordentlich in die Zange nehmen könnten. Dagegen halten andere, dass die Kasseler mit ihren gefragten Spezialitäten, die so nur im hessisch-thüringischen Kalirevier vorkommen, sowie dem starken Salzgeschäft auch künftig gut zurecht kommen. Außerdem sei K+S bei Kali Marktführer in Westeuropa. An der Börse ist das Unternehmen derzeit rund 8,7 Mrd. Euro wert.

Denkbar wäre auch, dass BHP versucht, sich K+S einzuverleiben, um ein starkes Gegengewicht zu den Russen aufzubauen. Dann würde gelingen, was der damalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) im Sommer 1997 verhinderte. Damals hatte PCS versucht, K+S zu übernehmen, was letzten Endes an der verweigerten Ministererlaubnis Rexrodts scheiterte. Zuvor hatte das Bundeskartellamt die Übernahme untersagt.

Rexrodt rechtfertigte sein Nein mit möglichen Nachteilen für die deutsche Gesamtwirtschaft. Seinerzeit war befürchtet worden, PCS könnte zugunsten kanadischer Kali-Standorte deutsche Gruben schließen und tausende von Stellen abbauen.

Von José Pinto

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