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Vergleichsportale kassieren Provisionen: Gericht nimmt sich Check24 vor

Die Bedeutung von Preis-Vergleichsportalen im Internet nimmt stetig zu. Vor allem in der Autoversicherung machen sie den klassischen Vermittlern Konkurrenz. Nun gehen Versicherungsvertreter vor Gericht gegen das Portal Check24 vor.

Warum hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute das Vergleichsportal Check24 verklagt?

Der Verband wirft dem Portal Irreführung der Verbraucher vor: Es tarne sich zwar als Preisvergleichsportal, kassiere aber Provisionen wie ein Makler. Auf den ersten Blick könnten die Kunden das jedoch nicht erkennen. Die Richter sollen klären, ob Check24 gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt. Mit der Klage strebt der Verband einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte.

Hat die Klage Aussicht auf Erfolg?

Zum Prozessauftakt deutete sich das zumindest in einem Punkt an: Der Besucher der Seite müsse verstehen, dass Check24 ein Makler ist und nicht nur ein Dienstleister, der Preise vergleicht, sagte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer für Handelssachen, Barbara Clementi. Der Hinweis auf die Maklerrolle finde sich bislang nur in der Fußzeile und werde deshalb wohl von vielen Verbrauchern nicht gesehen. Denkbar wäre stattdessen ein Fenster, das aufblinkt, sobald sich der Nutzer die Versicherungen ansieht.

Von wem kassieren die Vergleichsportale Geld? 

Die Portale haben meist Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. Für jeden Kunden, den diese über die Portale gewinnen, müssen sie Geld an die Betreiber abdrücken: Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zum Beispiel soll die Provision nach Angaben aus Versicherungskreisen rund 50 bis 100 Euro pro Vertrag ausmachen. Da kommt einiges zusammen: Allein in der letzten Wechselrunde für die Kfz-Haftpflichtversicherung vermittelte Check24 rund 950 000 Verträge. Nicht alle Anbieter sind bereit, mit einem Portal zusammenzuarbeiten: Die Online-Tochter des Marktführers Huk-Coburg hat sich vor wenigen Monaten von dem Vergleichsportal Verivox verabschiedet, um Geld zu sparen.

Was sagen Verbraucherschützer zu den Portalen? 

Vor allem die mangelnde Transparenz ist ihnen ein Dorn im Auge. Denn ob die Auswahl der Produkte von den jeweiligen Provisionen abhängig ist, ist für die Kunden kaum nachvollziehbar. Die Verbraucherzentralen in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben vor kurzem die bekanntesten und beliebtesten Vergleichsportale unter die Lupe genommen und kommen zu einem ernüchternden Fazit: „Der Nutzen für die Verbraucher wird eingeschränkt, da die Portale häufig nicht den günstigsten Preis anzeigen.“ Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern: „Vergleichen Sie die Vergleichsportale.“

Können die Portale per Gesetz zur Transparenz gezwungen werden? 

Der Prozess in München könnte klären, in welcher Form die Portale die Verbraucher über ihre Rolle als Makler informieren müssen. Formal richtet sich die Klage zwar nur gegen Check24 als Marktführer. In der Praxis dürften sich aber auch andere Anbieter dem Wort der Richter beugen, um Prozesse zu vermeiden. Denkbar ist auch ein Einschreiten der Politik: Hessen hat bereits eine Bundesratsinitiative gestartet. Die Portalbetreiber sollen demnach künftig die Provisionen offenlegen, die sie von den Produktanbietern kassieren. (dpa)

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