Gesamtmetall sieht keinen Spielraum für Lohnerhöhungen

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Martin Kannegiesser

Frankfurt/Main - Vor Beginn der entscheidenden Phase der Metall-Tarifverhandlungen haben die Arbeitgeber die Forderung der Gewerkschaft nach höheren Löhnen zurückgewiesen.

In einer Zeit, in der 700.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden, gebe es keinen Spielraum für Lohnerhöhungen, sagte Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser der “Welt am Sonntag“. Die IG Metall hat zwar keine konkrete Lohnforderung aufgestellt, verlangt aber mindestens einen Inflationsausgleich. Kommenden Mittwoch treffen die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen zur zweiten und womöglich entscheidenden Runde der Verhandlungen über ein Jobpaket in der krisengeschüttelten Metall- und Elektroindustrie aufeinander. Ein Abschluss ist nach Gewerkschaftsangaben möglich. Auch die Metallarbeitgeber wollen nach Kannegiessers Worten die Verhandlungen schnell abschließen. Das könne schon im Februar gelingen: “Wir sind auf einem guten Weg.“ Einen Kompromiss schloss Kannegiesser nicht aus, letztlich werde man ein Gesamtpaket für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten schnüren müssen. In Baden-Württemberg, wo ebenfalls über das Jobpaket verhandelt wird, treffen die Tarifparteien am Donnerstag wieder aufeinander.

“Verlängerung des Krisenmanagements“

Kannegiesser verwies auf enorme Kosten, die die derzeitige Beschäftigungssicherung verursache: “Wir haben rein rechnerisch 700.000 Mitarbeiter zu viel an Bord“, sagte der Gesamtmetall-Präsident. “Wir könnten unsere Produktion auch mit 20 bis 25 Prozent weniger Mitarbeitern schaffen.“ In der Tarifrunde gehe es um “die Verlängerung des Krisenmanagements“. An die Bundesregierung appellierte Kannegiesser, das Jobpaket zu unterstützen: “Wir fordern die Politik auf, Ernst zu machen mit der Beschäftigungssicherung und uns zu unterstützen“. Solange ein Unternehmen Kurzarbeit mache, “muss es auch von den Sozialabgaben auf Kurzarbeit befreit werden“. Dasselbe müsse für die betriebliche Kurzarbeit gelten, über die Arbeitgeber und Gewerkschaft verhandeln. Unter dem Strich werde die neue Regelung die Bundesagentur für Arbeit nicht zusätzlich belasten, sagte der Gesamtmetall-Chef: “Am teuersten für die Bundesagentur wird es, wenn die Mitarbeiter entlassen werden und Arbeitslosengeld bekommen.“

Auch Hundt für tarifliches Kurzarbeitergeld

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte, über das Jahr 2010 hinaus Arbeitgebern die Sozialbeiträge bei Kurzarbeit zu erstatten und äußerte Zustimmung für den Vorstoß der IG Metall, eine 26-Stunden-Woche gegen einen Teillohnausgleich im Rahmen des Jobpakets anzubieten. Ein solches tarifliches Kurzarbeitergeld biete eine Alternative für die Unternehmen, die gesetzliche Kurzarbeit nicht anwenden könnten oder wollten. Hundt lobte in der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ auch das Vorgehen der Gewerkschaft, wegen der Krise erstmals in der Nachkriegsgeschichte auf eine bezifferte Forderung zu verzichten. Der Arbeitgeberpräsident kritisierte aber die Gewerkschaft ver.di, die den Ernst der schwierigen Wirtschaftslage noch immer nicht erkannt habe. Hundt sagte, ihm fehle jedes Verständnis für den “aggressiven Arbeitskampf“ im öffentlichen Dienst. Warnstreiks und Forderungen im Gesamtvolumen von zuletzt noch 3,5 Prozent seien “realitätsfremd“.

AP

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