Der Korbacher Aufzugsbauer Hübschmann behauptet sich gegen Weltkonzerne

Geschäft mit dem Aufstieg

Eigenproduktion: Hübschmann stellt bis auf wenige zugekaufte Teile die Aufzüge selbst her. Hier bauen Michael Grohmann (links) und Benedikt Waletzki einen Lift auf Fotos: Will

Korbach. Dass es in seinem Geschäft auf und ab geht, ist für Ralph Hübschmann normal. Genau genommen verdient er damit Geld – und das auch während der Wirtschaftskrise. Der 41-jährige Maschinenbau-Ingenieur ist Geschäftsführer der Hübschmann Aufzüge GmbH & Co.KG, die ihm und seiner Mutter gehört. In zweiter Generation behauptet sich der Mittelständler aus Korbach (Kreis Waldeck-Frankenberg) mit 85 Mitarbeitern gegen Konkurrenten, die ThyssenKrupp, Otis, Schindler oder Kone heißen und ihre Kunden weltweit durch die Stockwerke hieven.

„Seit ich 16 war, war ich regelmäßig in den Werkhallen“

Ralph Hübschmann

Hübschmann hingegen bleibt überwiegend im Lande, der Export spielt bei den neun Millionen Euro, die das Unternehmen 2009 umsetzte, eine untergeordnete Rolle. Private Bauherren, Wohnungsgesellschaften, Industriebetriebe, Hotels und Gastronomie zählen zu den Kunden.

Und die können individuell beliefert werden: Bis auf Türen und Antriebssysteme, die zugeliefert werden, bauen die Korbacher ihre Aufzüge komplett selbst. Die Arbeit beginnt in der hauseigenen Konstruktionsabteilung und endet beim deutschlandweiten Kundendienst.

Um die 100 Aufzüge unter dem Namen Hübschmann verlassen jährlich das Werk. Hinzu kommt etwa die gleiche Anzahl im Auftrag anderer Hersteller. Es sind Personen- und Lastenaufzüge, Lifte für Krankenhäuser, groß genug für Rollbetten, verglaste Panoramaaufzüge, die Fahrgästen das Gefühl vermitteln, frei in der Luft zu schweben. Auch Spitzensportlern verhelfen die Korbacher zum Aufstieg: Der Lift an der Skisprungschanze in Willingen stammt aus ihrer Fertigung.

Seine Stärke sieht Hübschmann in Sonderlösungen abseits der standardisierten Baukastensysteme. Aufzüge für Neubauten machen den überwiegenden Teil des Geschäfts aus, aber „das Nachrüsten in bestehenden Bauten wird zunehmen“, sagt er. Beim Materialeinkauf spürt das Unternehmen den Taktschlag der Konjunktur: Rohstoffe, vor allem Stahl, machen bis zu 50 Prozent des Endpreises für einen Aufzug aus. So hängt etwa an einem klassischen Seilaufzug, der acht Personen aufnehmen kann, ein Gegengewicht von einer Tonne Stahl.

Die Wirtschaftskrise ist milde mit den Korbachern umgegangen. Der Umsatz sank zwar um zehn Prozent, aber das Unternehmen blieb in den schwarzen Zahlen. Kurzarbeit wurde vermieden. Das Jahr 2010 sei gut angelaufen, sagt Hübschmann, aber die Zahlen von 2008 mit rund zehn Mio. Euro Umsatz werde man nicht erreichen. Der harte Winter hatte das Baugeschäft zum Teil auf auf Eis gelegt.

„Seit ich 16 war, war ich regelmäßig in den Werkhallen“, sagt Hübschmann. Als sein Vater 1998 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, arbeitete er schon sechs Jahre im Betrieb. Und der soll in Familienhand bleiben, wünscht er sich. Seine Kinder sind vier und neun Jahre alt – der Vater wird sie durch die Werkhallen führen.

Von Barbara Will

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