CDS werden gehandelt wie Wertpapiere – Markt ist vollkommen intransparent

Das Geschäft mit Risiken

Kassel. Finanzkrisen von Staaten rufen in der Regel Spekulanten auf den Plan. Der Handel mit Risiken hat dann Hochkonjunktur. Eines dieser Produkte ist der Credit Default Swap (CDS). Sie sollen die Krise in Griechenland verstärkt haben.

Als eine „finanzielle Massenvernichtungswaffe“ bezeichnete sie der milliardenschwere US-Großinvestor Warren Buffet (79), dabei klingt der Beipackzettel dieses Produktes fast harmlos. Darum geht es bei CDS: Im Grunde genommen sind CDS so etwas wie eine Versicherung gegen den Ausfall eines Schuldners. Diese Derivate sollten also mehr Sicherheit in den Markt bringen, weil sich damit der Anleger vor Risiken schützen kann. Versteckte Tücken: Diese Papiere werden wie andere komplexe Finanzprodukte weitgehend losgelöst vom einst versicherten Produkt (etwa Anleihen) wie Wertpapiere gehandelt. Der Markt für diese CDS-Papiere ist nicht reguliert. Zudem sind die Verkäufer dieser Absicherungen nicht gesetzlich verpflichtet, auf dem CDS-Markt Reserven anzulegen. Es gibt zwar die Aufforderung der Investment-Banken an die Verkäufer, Summen zu hinterlegen, aber es gibt keine Standards. Das wäre so, als würde ein Versicherer Schutz gegen Wirbelstürme verkaufen, ohne im Ernstfall über die nötigen Sicherheiten zur Erfüllung möglicher Ansprüche zu verfügen.

Der Ernstfall: Über Nacht kann sich der CDS-Markt zu einem Tsunami entwickeln. Bei einem typischen CDS-Geschäft verkauft ein riskanter Hedge-Fonds einer Bank eine Absicherung, die dieselbe dann an eine andere Bank weiterverkauft und so weiter. Das Risiko dreht sich weiter wie in einem Strudel. Zuletzt wissen nicht einmal mehr Banken und Händler, was solch ein CDS-Vertrag alles umfasst und wo das Risiko steckt. Es gibt verschiedene Vertragsgestaltungen – einige komplizierter als andere. Intransparenter Markt: Da man als Käufer einer Absicherung nicht einmal die Anleihe selbst (die man versichern möchte) besitzen muss, kann der Markt für Ausfallrisiken sogar viel größer sein als der Anleihemarkt selbst. In solch einem Fall treten dann Spekulanten gegeneinander an und können mit dem Handel gewinnen oder verlieren. Experten befürchten, dass dadurch sogar der Kurs der Anleihen beeinflusst werden kann.

Architektin des Produkts: Maßgeblich entwickelt hat es Blythe Masters (49) – eine amerikanisch-britische Investmentbankerin, die vor allem durch ihre berufliche Tätigkeit beim Bankhaus JP Morgan bekannt geworden ist. Masters wuchs im Südosten Englands auf. Sie besuchte die Internatsschule King’s College in Canterbury. In Cambridge erwarb sie einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre. Anschließend begann sie ihre Laufbahn bei der Investmentbank JP Morgan. Sie zählte federführend zu jenem Personenkreis, der die Formen an verbrieften Wertpapieren auf den Markt gebracht hat, die zur Finanzkrise geführt haben.

Von Martina Wewetzer

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