Garantiezertifikate und Goldsparpläne sind kein Schutz

Geschäfte mit der Anleger-Angst: Verbraucherschützer warnen vor Falschberatung

Gold gilt als krisensicher, aber ein Investment in das Edelmetall ist auch stets hochspekulativ. Da das Metall keine Zinsen abwirft, müssen Anleger darauf hoffen, dass der Kurs steigt. Foto: dpa

Düsseldorf/Nürnberg Sicheres Festgeld gewollt, Garantiezertifikat unterschrieben: Anleger- und Verbraucherschützer warnen Anleger vor dem Umschichten ihrer Ersparnisse in vermeintlich krisensichere Finanzprodukte.

Viele Bankberater nähmen die Euro- und Inflationsängste der Kunden zum Anlass, verstärkt Zertifikate mit Kapitalschutz, aber auch risikobehaftete Rohstoff- oder gar Schiffsfonds zu empfehlen, hat Christoph Hommel, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern, beobachtet.

„Vor einem Jahr hätte das kein Mensch genommen, heute schon“, so auch die Erfahrungen von Jürgen Kurz, Sprecher der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Der nach der Lehman-Pleite am Boden liegende Zertifikate-Markt habe sich erholt. Die komplizierten Konstrukte, die kaum zu durchschauen sind, sind wieder Verkaufsrenner.

„Ein schönes Geschäft für die Banken“, sagt Kurz. Beim Abschluss von Zertifikaten, Fonds oder Versicherungen bekommen die Berater und Vermittler zum Teil hohe Provisionen, für tatsächlich krisensichere Anlageformen wie simples Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe aber nichts. Warum Anleger, die eine hundertprozentige Sicherheit suchen, am Ende in ein Zertifikat investieren, liege wohl an Wörtern wie Garantie und Gewinn, betont Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen: „Das sind die Türöffner.“ Jedes zweite Zertifikat, das zur Zeichnung aufgelegt wird, verfügt über einen Kapitalschutz, wie die Ratingagentur Scope festgestellt hat.

Der Anleger bekommt garantiert, dass er seinen Einsatz nach einer festen Laufzeit von fünf oder sieben Jahren wieder zurückerhält. Zugleich werden ihm bisweilen bis zu 16 Prozent Gewinn im ersten Jahr in Aussicht gestellt. Klingt gut. Dass der Käufer damit eine Wette auf Finanzwerte eingeht, zum Beispiel auf einen Anstieg des Ölpreises, sei niemandem bewusst. Geht die Wette verloren, gibt es wegen der vielen Gebühren nach vielen Jahren meist nur 97 Prozent des Einsatzes zurück, nie alles. Dazu kommt das Risiko, dass der Herausgeber des Wertpapiers, etwa eine Bank, in Konkurs gehen kann und das Geld verloren ist.

Auch risikobehaftete Rohstoff-Fonds, in denen Edelmetalle enthalten sind, würden zurzeit gern angeboten, sagt Verbraucherschützer Hommel. „Alles, wo Gold draufsteht, gilt als krisensicher und wird so zum Verkaufsschlager.“

Ob geschlossene Goldfonds oder Gold- oder Silbersparpläne, die vor allem von dubiosen Finanzvertrieben im Internet angepriesen werden: „Wer da einsteigt und monatlich 50 Euro einzahlt, hängt Jahre darin fest“, warnt Hommel. Denn ein Investment in Gold sei immer spekulativ. (dapd/mwe)

Hintergrund: Sicher sind nur Tagesgeld und Co.

Wollen Anleger ihr Erspartes zu hundert Prozent erhalten und sicher durch die Euro-Krise bringen, bleibe nur eine Lösung, betont Jürgen Kurz, Sprecher der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz: Ein Investment in einlagensichere Produkte wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe von Banken oder vom Staat. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt rät Anlegern dazu, sich bei der Suche nach guten Zinsen auch bei kleinen Banken umzuschauen. Das Geld sei dort dank der Einlagensicherung genauso aufgehoben wie bei den Großbanken - nur besser verzinst. Zins-Übersichten gibt es unter www.fmh.de www.hna.de

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