Lebensversicherer haben nur einen geringen Kapitalanteil in Risiko-Anleihen

Gut gesichert trotz Krise

Hält die Sicherung? Die Garantiezinsen der Lebensversicherer sind nach deren Angaben sicher. Foto: dpa

Wegen der Schuldenkrisen im Euro-Raum und in den USA geraten die Börsen ins Straucheln, doch die Kursturbulenzen sind für die Lebensversicherer weit weniger gefährlich als die Anleihen. Bislang sorgten sie für ein dickes Kapitalpolster, doch damit könnte nun Schluss sein.

?Sind Lebensversicherungen von der Krise betroffen?

!Das Problem der Versicherer sind die Staatsanleihen. Nahezu 60 Prozent des Kundenvermögens investieren Versicherer in festverzinsliche Papiere und somit auch direkt oder indirekt über Fonds in Staats- und Unternehmensanleihen. 2010 mussten die deutschen Versicherer 752 Milliarden Euro sicher anlegen.

?Doch wo steckt das Problem der Versicherer?

!Derzeit herrscht eine Niedrigzinsphase – Kredite sind günstig, aber für Erspartes wie Tages- oder Festgeld gibt es nicht viel Zinsen. Eine Lebensversicherung beinhaltet den Garantiezins und die Überschussbeteiligung. Der Garantiezins wird bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Aktuell liegt er bei 2,25 Prozent, festgelegt von der Versicherungsaufsicht. Ein Beispiel: Wer jeden Monat 100 Euro zahlt, bekommt für 90 Euro monatlich 2,02 Euro Zinsen (2,25 Prozent). Verzinst wird nicht der Gesamtbetrag. Abgezogen werden davon die Kosten und Provisionen (drei bis fünf Prozent) der Versicherungsgesellschaft sowie die Kosten für die Todesfallabsicherung (rund sieben Prozent).

?Wie sieht es mit den Überschüssen aus?

!Die Überschussbeteiligung würde schrumpfen. Glücklich dürften nur jene sein, die einen Altvertrag aus dem letzten Jahrhundert haben, da es dort noch einen Garantiezins von vier Prozent gab. Damals gab es solide Staatsanleihen, die mit acht Prozent verzinst wurden, heute gibt es nur drei Prozent – bei entsprechender Güteklasse. Bei der derzeitigen Lage an den Finanzmärkten dürfte es schwierig sein, Garantiezinsen in den sicheren Anlageklassen zu erwirtschaften. Somit dürfte die Ankündigung des Bundesfinanzministeriums, den Garantiezins ab Januar auf 1,75 Prozent zu senken, ein Segen für die Branche sein. Betroffen sind davon nur Neuverträge.

? Wie hoch sind die Investitionen in Risiko-Anleihen?

!Sorgen müssten sich die Versicherten nicht machen. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist das Engagement in Eurostaaten, die von Stützungsmaßnahmen profitieren, gering. Investitionen in griechische und portugiesische Staatsanleihen liegen jeweils deutlich unter 0,3 Prozent der Kapitalanlagen. Die Kapitalanlagen aller deutschen Versicherer belaufen sich auf 1,25 Billionen Euro.

?Wo legen Versicherer Geld an?

!Laut GDV legen die Gesellschaften derzeit fast 90 Prozent des Geldes in festverzinsliche Wertpapiere mit durchschnittlich sehr guter Bonität an. Die Aktienquote liege unter vier Prozent, daher berühren die Kursstürze an den Börsen die Versicherer nur wenig.

?Was wäre, wenn nun ein Versicherer in Schieflage gerät?

!Die Versicherungsprämien der Kunden werden in den Unternehmen in gesonderten Sicherungsvermögen geführt. Damit ist das Geld der Kunden geschützt. Es kann nicht in die Konkursmasse fließen. Darüber hinaus sind alle deutschen Lebensversicherer beim gesetzlichen Sicherungsfonds „Protektor AG“ Pflichtmitglied, so dass im Sicherungsfall jeder Lebensversicherungsvertrag gesetzlich geschützt ist. Darauf weist der Bund der Versicherten hin. Dies gelte für das Garantieversprechen und auch bereits gutgeschriebene Überschussbeteiligungen.

?Sollte man Lebensversicherungen kündigen?

!Besteht keine Not, dann kann der Garantiezins eine erste Orientierung sein. Sind es vier Prozent, dann wäre die Frage, welche Alternativen gibt es mit vier Prozent? GRAFIK

Von Martina Wewetzer

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