Gewerbegebiet Niederaula und Mecklar-Meckbach: Aufschwung am Mittelpunkt

Flachdächer in der Größe von Fußballfeldern: Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach beim Blick auf einen Teil seiner Gewerbegebiete.

Niederaula/Ludwigsau. Das Gewerbegebiet Niederaula ist einer der großen Logistik-Standorte im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Im Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach gibt es Pläne die Fuldaauen-Flächen.

Die Thermoskannen von Rotpunkt, Plastikdosen von Gies und die Spanplatten von Nolte: das produzierende Gewerbe in der Zonenrandgemeinde Niederaula (Kreis Hersfeld-Rotenburg) war mit diesen drei Namen schnell aufgezählt. Doch mit Wende und Wiedervereinigung wurde auf einmal alles anders.

Vom Grenzgebiet zur DDR rückte Niederaula in den Mittelpunkt der erweiterten Bundesrepublik und damit auch ins Zentrum Europas. Die Lage an den Autobahnen A7, A5 und A4 brachte nicht nur den damaligen Bürgermeister Valentin Stand und seinen Nachfolger Helmut Opfer auf Ideen, sondern wurde auch draußen wahrgenommen. Bad Hersfeld plus 15 Kilometer – bis Niederaula sind es elf – so hieß es unter Logistikern, von hier aus ließe sich jeder Punkt in Deutschland im Über-Nacht-Service erreichen.

Heute heißt der Rathauschef in Niederaula Thomas Rohrbach. Wenn er am Ortsausgang Richtung Niederjossa nach rechts auf einen Feldweg und von dort über das Tunnelportal der Schnellbahnstrecke Hannover-Würzburg fährt, dann blickt er auf Flachdächer in der Größe von mehreren Fußballfeldern. Und das ist längst nicht alles. Auch auf der anderen Seite der Bahn stehen riesige Hallen. Auch das gemeinsam mit der Nachbargemeinde Kirchheim betriebene Industriegebiet „Friedrichsfeld“ ist seit Neuestem voll belegt. Was nach dem Mauerfall begann, das hat Niederaula nachhaltig verändert. Positiv natürlich, was Wirtschaftskraft und Vollbeschäftigung angeht. in der Gemeinde gibt es kaum Leerstände bei Häusern und Wohnungen.

„Mit Einschränkungen“, sagt Thomas Rohrbach jedoch, wenn er an die Belastungen durch die stetig wachsenden Verkehrsströme denkt und an die Haushaltsrisiken, die mit der wankelmütigen Gewerbesteuer verbunden sind. Auch hat die zentrale Lage Niederaula zum bevorzugten Treffpunkt von Brummi-Fahrern gemacht, die hier auf Parkplätzen und Feldwegen umpritschen – ohne hier einen Cent zu lassen.

Doch auch Rohrbach ist sich bewusst, dass das Klagen auf hohem Niveau ist. Mehr als 2100 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weist Niederaula auf, davon schätzungsweise 1800 in den Gewerbegebieten. Das ist auch ungefähr das, was aus eigenen Kräften abgedeckt werden könnte. Autokennzeichen von außerhalb werden immer seltener gesichtet.

Und noch etwas zeichnet die Niederaulaer Betriebe aus: Sie zählen fast ausnahmslos zur „veredelnden Logistik“, die die ein- und ausgehenden Lieferungen verarbeitet, ergänzt oder repariert. Riesige Hallen, in denen eine Handvoll Beschäftigter die Förderbänder bedient, das ist hier die Ausnahme.

Und noch ist Niederaula nicht an seine Grenzen gestoßen. 40.000 Quadratmeter könnte Thomas Rohrbach sofort anbieten, weitere 70.000 würde eine Erweiterung bestehender Flächen bringen. Und falls es noch mehr sein soll: „Auch das kriegen wir hin, aber dann wird das Gelände etwas hangig.“

Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach: Neuer Schwung

Das interkommunale Gewerbegebiet Mecklar-Meckbach war viele Jahre lang so eine Art Gräberfeld für gestorbene Investorenträume. Die Ruine eine Stabilatanlage kündete auf dem weiträumigen Areal an der Fulda in der Gemeinde Ludwigsau im Kreis Hersfeld-Rotenburg vom Scheitern einer vielversprechenden Ansiedlung. Auch die Hoffnung auf den Bau eines Gasdampfturbinen-Kraftwerks, das ein spanischer Investor errichten wollte, verdampfte im Nachgang der Energiewende. Nur DHL warb mit seinem knallgelben Logistikzentrum weithin sichtbar dafür, dass hier noch gut erschlossener Platz für Investoren ist. Doch die Vermarktung des knapp acht Kilometer von der A4 gelegenen 840.000 Quadratmeter großen Geländes, an dem der Kreis Hersfeld-Rotenburg, sowie Bad Hersfeld, Rotenburg, Bebra und Ludwigsau beteiligt sind, war schwierig. Seit Mitte 2017 aber haben die Altgesellschafter für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises den Weg frei gemacht, mit einem neuen Konzept für das Areal nun auch kleinteiligere Flächen zu vermarkten – denn das Warten auf den einen großenInvestor ist wohl vergeblich.

Und siehe da: Plötzlich gibt es Interessenten für das Gewerbegebiet, das nun unter dem Namen „Unternehmenspark Bad Hersfeld-Ludwigsau“ firmiert. Neben DHL, die dort durch die Firma Prologis einen Erweiterungsbau errichten lässt, der in Teilbereichen schon im Weihnachtsgeschäft 2018 in Betrieb gehen soll, hat sich dort das Bad Hersfelder Bauunternehmen Räuber mit seinem Bauhof angesiedelt. „Und wir führen intensive Gespräche mit weiteren Interessenten“, erklärt Bernd Rudolph, der Chef der Wirtschaftsförderung im Kreis. 

Noch stehen in Ludwigsau 324.000 Quadratmeter für Investoren zur Verfügung, die in verschiedenen Flächen zwischen 170.000 und 14.000 Quadratmetern aufgeteilt werden können. Der Hebesatz für die Gewerbesteuer liegt bei 360 Prozent, die Grundsteuer A und B bei 390 Prozent. Das Gelände ist voll verschlossen und verfügt über eine DSL-Anbindung mit 100 MBit. Preise sind Verhandlungssache. Den idyllischen Blick auf die Fuldaauen, in denen die Störche umherstaksen, und auf den mäandernden Fluss gibt es gratis.

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