EU schlägt Alarm: Mehr giftige Produkte aus China

Brüssel - Die EU schlägt Alarm: Immer mehr unsichere oder giftige Produkte sind in Europa im Handel. Besonders Kinderspielzeug ist betroffen - jedes 4. Produkt musste aus dem Verkehr gezogen werden.

Jedes vierte mechanische Spielzeug in Europa ist nicht sicher. Der alarmierende Befund geht aus einer Marktstudie hervor, die die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Die Überwachungsbehörden untersuchten im vergangenen Jahr 800 Produkte in 13 Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland. Von den in Labors unter die Lupe genommenen Spielzeugen verstoßen 200 wegen mechanischer Risiken gegen die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen.

Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich

Die EU schlägt Alarm: Immer mehr unsichere oder giftige Produkte sind in Europa im Handel. Besonders Kinderspielzeug ist betroffen. Diese Produkte wurden in diesem Jahr beim Schnellwarnsystem der EU (Rapex) gemeldet. Anschließend wurden die nationalen Behörden alarmiert, die die betroffenen Produkte aus dem Verkehr zogen. © dpa
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
TRINKENDER VOGEL: Der Deko-Artikel enthält Diethylether. Das Lösungsmittel ist gesundheitsschädlich. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
FLUFFY BÄLLE: Das Spielzeug ist leicht entzündlich. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
PUPPE FLUTTERIN FAIRY: Die Puppe enthält hohe Dosen von bis (2-ethylhexyl) phthalate (DEHP). Die Substanz (auch als Weichmacher bezeichnet) kann Hoden, Nieren und Leber schädigen. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
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REIS-KOCHER: Bei der Bedienung des Geräts kann man einen Eltektroschock erleiden, da das Gerät nicht geerdet ist. (Herkunftsland: China) © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
PENS - LOONY BALLONY: Das Spielzeug enthält gefährliche Mengen Benzol (gifig und krebeseregend). Herkunftsland: China © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
MINI-WHEELS-SPIELSET: Das Spielzeug enthält Diisononylphthalat (DINP). Laut EU darf DINP vorsorglich nicht in Kinderspielzeug eingesetzt werden. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
PFLANZLICHES HENNA: Das Produkt enthält p-Phenylenediamin (giftig und krebserzeugend) und o-Aminophenole (gesundheitsschädlich und umweltgefährlich). Herkunftsland: Indien. © EU/Rapex
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HÜPFBALL: Das Spielzeug enthält bis (2-ethylhexyl) phthalate (DEHP). Herkunftsland: Unbekannt. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
MAGNETTAFEL: Das Spielzeug enthält Formaldehyd in Mengen, die die vorgeschriebenen Grenzwerte übersteigen. Formaldehyd kann Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
KOMBI-HOCHSTUHL: Der Stuhl steht nicht stabil und kann nach hinten umkippen. Kleinkinder können sich dabei verletzen. Herkunftsland: Polen. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
ELEKTRISCHER WASSERKOCHER: Wasser kann austreten und über stromführende Bauteile fließen. Es besteht die Gefahr von Stromschlägen. © EU/Rapex
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KINDERWAGEN: Bauteile des Kinderwagens enthalten bis (2-ethylhexyl) phthalate (DEHP). © EU/Rapex
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HERREN-SOCKEN (verschiedene Motive mit Simpsons und Garfield): Der Stoff enthält verbotenen Azofarbstoffe, die krebserregend sind. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
KÜNSTLICHE FINGERNÄGEL: Das Produkt enthält Toluol. Der aromatische Kohlenwasserstoff ist leichtentzündlich und gesundheitsschädlich. Herkunftsland: Deutschland. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
HEIZLÜFTER: Der Lüfter kann so heiß werden, dass des Gehause schmilzt. Dadurch werden die elektronischen Bauteile freigelegt und es besteht die Gefahr eines Elektroschocks. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
VOGELHAUS: Der Bausatz aus Holz enthält Formaldehyd (giftig und krebserregend). Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
PUDER MIT GLITZER: Der Puder enthält den in Kosmetika verbotenen Stoff Antimon. Das Halbmetal wirkt reizend. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
KINDER-JACKE "LUCKY STARS": Kinder können sich mit einer Kordel in der Kapuze strangulieren. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
WITZDOSE: Die Spielzeuge (falsche Zähne, Fliegen) enthalten bis (2-ethylhexyl) phthalate (DEHP) und dibutylphthalat (DBP). Die Europäische Union stuft Dibutylphthalat als „fortpflanzungsgefährdend“ ein, DEHP ist schädlich für Leber, Niere und Hoden. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
FERNSTEUERBARER DIMMER: Der Dimmer kann sich überhitzen und dadurch Feuer fangen. Außerdem besteht die Gefahr von Stromschlägen. Herkunftsland: China. © EU/Rapex
Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich
PLÜSCH-SPIELZEUG: Die Knöpfe können leicht abgerissen und verschluckt werden. Kinder können dadruch ersticken. © EU/Rapex

Bei 17 weiteren wurde ein zu hoher Schwermetallgehalt festgestellt. Die Studie wurde vom EU-Netz der Überwachungsbehörden (PROSAFE) koordiniert. Alle bedenklichen Produkte wurden beim Schnellwarnsystem der EU (Rapex) gemeldet. Anschließend wurden die nationalen Behörden alarmiert, die die betroffenen Produkte aus dem Verkehr zogen, erklärte die EU-Kommission.

60 Prozent der gefährlichen Produkte kommen aus China

Die Gesamtzahl der als gefährlich gemeldeten Produkte hat sich seit Einführung von Rapex vor vier Jahren auf 1993 mehr als vervierfacht. Die meisten Bedenken hatten Verbraucherschützer und Behörden neben Spielzeug bei Bekleidung und Autos, heißt es im ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Rapex-Jahresbericht. Trauriger Rekordhalter bleibt mit weitem Abstand China: Der Anteil des Reichs der Mitte an der Zahl bedenklicher Produkte stieg noch ein Mal um einen Prozentpunkt auf 60 Prozent.

EU-Verbraucher- und Gesundheitskommissar John Dalli sieht in den stetig steigenden Warnhinweisen den Beleg für die Effektivität des EU-Systems. Die Mitgliedsstaaten seien sehr auf Sicherheit bedacht. “In den letzten sechs Jahren ist Rapex ein gutes Beispiel für die Wirksamkeit der der EU-Zusammenarbeit in diesem Bereicht geworden“, sagte er.

TÜV sieht hohe Dunkelziffer

Der TÜV geht davon aus, dass es in Europa noch viel mehr gefährliche Produkte gibt als offiziell registriert werden. Die Zahlen der EU-Kommission seien “nur die Spitze des Eisbergs“, teilte das Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV, Klaus Brüggemann, am Donnerstag in Berlin mit. “Da die Behörden (...) nur stichprobenartig kontrollieren, dürfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen.“ Der TÜV zeigte sich besorgt, dass rund ein Viertel gefährlicher Produkte Spielzeug sei. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert schärfere Vorgaben vor allem für chemische Stoffe in Spielzeug. EU-weit wurden im vergangenen Jahr erneut mehr gefährliche Produkte aus dem Verkehr gezogen als im Jahr zuvor.

Stichwort: EU-Schnellwarnsystem RAPEX

Das EU-Schnellwarnsystem RAPEX (Rapid Alert System for dangerous non-food Consumer Products) soll vor allem dem schnellen Informationsaustausch dienen, wenn in einem Teilnehmerland ein gefährliches Produkt gefunden wird. An dem Mechanismus beteiligen sich die 27 EU-Staaten sowie Liechtenstein, Norwegen und Island. Die nationalen Behörden sowie die EU-Kommission können so die betroffenen Waren schnell EU-weit vom Markt nehmen. Für Lebens- und Futtermittel sowie Arzneien gibt es eigene europäische Warnsysteme.

DAPD/dpa

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