Gläubigerschutz: Saab gewinnt Zeit

Stockholm - Saab muss doch noch nicht aufgeben: Nach dem Ja eines Gerichts zur Sanierung unter Gläubigerschutz hat der Autohersteller Zeit gewonnen. Noch aber ist das zugesagte Kapital nicht angekommen.

Der Überlebenskampf beim schwedischen Autohersteller Saab wird immer mehr zu einer Berg- und Talfahrt mit überraschenden Wenden. Am Mittwoch hat ein Berufungsgericht in Göteborg dem Unternehmen mit Kultstatus, aber auch leeren Kassen im zweiten Anlauf grünes Licht für ein Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz gegeben. Damit ist die bedrohlich nahe gerückte Gefahr einer Pleite vorerst abgewendet.

Nur wenige Stunden vor der Gerichtsentscheidung hatte die schwedische Metall-Gewerkschaft Insolvenzanträge eingereicht, um die Lohnansprüche von 1500 Saab-Arbeitern für August zu sichern. Vorher hatten schon zwei Angestellten-Gewerkschaften sowie mehrere Zulieferer Insolvenzanträge gestellt.

Das Unternehmen selbst war vor zwei Wochen in erster Instanz mit einem Antrag auf das gegenüber einer Insolvenz “weichere“ Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz gescheitert. Das Gericht hielt den Rettungsplan des niederländischen Saab-Chefs Victor Muller für unrealistisch und viel zu vage.

Saab: Statement für Individualisten

Saab
Ursprünglich entwickelte und baute Saab Flugzeuge für die schwedische Luftwaffe. 1937 wurde das Unternehmen Svenska Aeroplan Aktie Bolaget (SAAB) gegründet. © Saab
Saab Modell
1947 stellten die Schweden ihr erstes Automobil vor. © Saab
Saab
1947 präsentierten die Schweden ein ziviles Modell. 1949 kam das erste Serienmodell vom Saab 92 auf den Markt. © Saab
Saab Automobile Schweden
2009 präsentierte der Automobilhersteller beim Genfer Autosalon den neue Saab 9-3X. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Das Modell 9-3X mit SUV-Optik hat einen flexiblen Motor für Gas, Diesel und auch Biotreibstoff. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Die Studie Salomon Saab 2009. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Sportliche Limousine von 2002. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Die Saab 900 Limousine fand vor allem in Deutschland wenig Freunde. © Hersteller/Saab
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Saab 99 Turbo: Das Ralley-Auto stammt aus dem Jahr 1980. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Mit Tempo durch die siebziger Jahre: Mit Hilfe eines Turboladers kam der Saab 99 auf eine Spitzengeschwindigkeit von 190 Kilometer pro Stunde. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Ein echter 68er: Mit dieser Karosserie kam der Saab 99 nach einer längeren Testphase im Herbst 1968 zu den Autohändlern. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Auf dem Genfer Auto Salon 2003 das neue Saab 9-3 Cabriolet: Das Cabrio mit vier Plätzen wurde mit Motoren von 175 bis 210 PS angeboten. © Hersteller/Saab
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Saab-Cabriolets sieht man auf den Straßen auch heute noch häufiger. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Für die Straße wie für raue Pisten gleichermaßen geeignet: Saab zeigte auf der Detroit Motor Show 2009 erstmals das Cross-Over-CoupÈ 9-3X. © Hersteller/Saab
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Saab 9-3 Sport-Limousine Aero vom Herbst 2002. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Viel Platz - der Saab 900 ist auch als Gebrauchter ein Wagen für Individualisten. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Das Verdeck des Saab 9-3 Cabrio lässt sich auch wärend der Fahrt öffnen, wenn das Auto nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde fährt. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Langstrecken-Spezialist aus Schweden - als besonders solide gelten die jüngeren Jahrgänge des Saab 900. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Saab - Für viele Liebhaber mehr als ein Auto. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Das Design stammt von der Studie Aero X: Saab stellte 2011 die letzte Generation der 9-5 Limousine vor. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Schrägheck als Markenzeichen - damit unterschied sich der typische Saab 900 von anderen Mittelklasse-Modellen seiner Zeit. © Hersteller/Saab
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Das schönste von allen - insbesondere das Cabrio gilt Liebhabern heute als besonders gelungene Saab-900-Variante. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
Auch als Miniaturen ein Hingucker. Saab-Miniautos. © Hersteller/Saab
Saab Automobile Schweden
1972 konnten Saab-99-Käufer unter anderem zwischen zwei- und viertüriger Version wählen. © Saab
Saab Automodelle
Saab Modell von 1953 © Saab
Saab Automobile Schweden
Saab musste Ende 2011 Insolvenz anmelden. Später übernahm das Unternehmen National Electric Vehicle Sweden, NEVS, Anlagen von Saab Automobile. © Hersteller/Saab

Im Gegensatz dazu meinte die Berufungsinstanz, dass die von den chinesischen Autounternehmen Pang Da und Youngman zugesagten 245 Millionen Euro “ausreichend sind, um die Produktion bei Saab wieder in Gang zu bekommen“. Der Hersteller Youngman und das Großhandelsunternehmen Pang Da wollen als neue Haupteigner bei den Schweden einsteigen. Sie benötigen aber noch die Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden. Diese soll nach Medienangaben bis Anfang November vorliegen.

Bei Saab sind seit knapp einem halben Jahr wegen Geldmangels so gut wie keine Autos mehr vom Band gelaufen. Mit dem grünen Licht für das Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz können die Löhne und Gehälter jetzt von einem staatlichen Garantiefonds ausgezahlt werden. Saab-Chef Muller meinte im Rundfunksender SR zur Entscheidung des Gerichts: “Wir hatten einen gut durchgearbeiteten Plan vorgelegt.“

Jetzt werde Saab sich mit voller Kraft auf die Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern konzentrieren. Nach Medienangaben will Youngman zügig einen Vorschuss über knapp 70 Millionen Euro bereitstellen, der Saab über die mehrmonatige Sanierungsperiode mit einem vom Gericht bestellten Unternehmensverwalter bringen soll. Wann die Produktion wieder anlaufen kann, gilt als unklar.

Die Produktion im Stammwerk Trollhättan hat seit knapp einem halben Jahr stillgestanden.

dpa

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