Glück über den Wolken

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Es ist ihr Traumjob: Pilotin Sarah Grassy an Bord einer Condor.

Das Cockpit ist keine Männerdomäne mehr: Auch Frauen haben als Piloten gute Chancen.

Abheben nach dem Abi – das tun im wahrsten Sinne des Wortes nicht allzu viele Frauen. Berufspilotinnen sind in der internationalen Verkehrsluftfahrt immer noch eine Minderheit. Etwa die Hälfte der Abiturienten ist weiblich, deutlich geringer ist der Anteil bei Bewerbern um einen Platz im Cockpit. Eine Tatsache, die Sarah Grassy aus Speyer, seit dem Jahr 2005 Pilotin bei Condor, sehr bedauert. Sie kann Frauen nur ermutigen, diesen Beruf zu ergreifen: „Ich treffe so oft Frauen, die gerne diesen Beruf ergreifen würden, sich aber nicht trauen. Zu diesen Frauen sage ich immer nur, man kann nur gewinnen, wenn man es versucht. Es ist ein Traumberuf.“

Die Anforderungen sind für Frauen und Männer gleich: Abitur, Alter zwischen 19 und 27 Jahre, Körpergröße zwischen 1,65 und 1,95 Meter, allgemeines technisches Verständnis, Interesse an Mathematik und Physik, gute Deutsch- und Englischkenntnisse sowie ein gutes Orientierungsvermögen und Belastbarkeit. „Aber auch die Lust am Reisen sollte man mitbringen, denn man ist schon sehr viel unterwegs“, berichtet Sarah Grassy. Die 29-Jährige liebt diese Abwechslung an ihrem Arbeitsalltag.

Job und Familie lassen sich gut miteinander vereinbaren

Warum immer noch sehr wenige Frauen sich den Traum vom Fliegen erfüllen, hat verschiedene Gründe: Mangelnder Mut und zu wenig Interesse an Technik oder der Irrglaube, der Job sei mit einer Familie nicht vereinbar, sind sicher Gründe dafür. Was den Beruf für Frauen besonders interessant macht, ist jedoch die Vereinbarkeit von Job und Familie. „Bei vielen Fluggesellschaften gibt es gute Möglichkeiten für Frauen, Teilzeit zu arbeiten und damit Familie und Fliegerei zu kombinieren“, sagt Sarah Grassy.

Frauenfeindlichkeit kann man nur wenigen Fluggesellschaften vorwerfen. Michael Lamberty, Sprecher bei Lufthansa, berichtet, dass verstärkt um Frauen geworben wird: „Beim Girls Day am 22. April liegt zum Beispiel ein Schwerpunkt auch beim Berufsbild Pilotin, unter anderem ist ein Besuch im A380-Flugsimulator geplant.“ Insgesamt sind bei Lufthansa etwa 370 der 7600 Piloten Frauen, das sind etwa fünf Prozent. Auch bei Air Berlin beispielsweise sind etwa fünf Prozent der Piloten weiblich.

Wenig bekannt ist, dass arabische Fluggesellschaft seit Jahren Pilotinnen beschäftigen. Die Jordanierin Tagrheed Akasheh war bereits in den 80er-Jahren Flugkapitänin auf dem Langstreckenjet Lockheed TriStar und wurde später Chefpilotin der staatlichen Fluggesellschaft Royal Jordanian. Auch Royal Brunei beschäftigt seit einigen Jahren Pilotinnen, mittlerweile sind es über fünfzig. Heute ist es offizielle Firmenpolitik, mehr Pilotinnen auszubilden. Die Akzeptanz durch die männlichen Kollegen sei sehr hoch, teilt die Fluggesellschaft mit. Das bestätigt auch Sarah Grassy: „Die Zusammenarbeit macht sehr viel Spaß. Man wird als Frau akzeptiert und als Kollegin behandelt, wie jeder andere männliche Kollege auch.“

Frauen sind aus dem Cockpit nicht mehr wegzudenken

„Mittlerweile ist die Stimme eines weiblichen Flugkapitäns aus dem Cockpit nichts Ungewöhnliches mehr und gehört zum Alltag bei Lufthansa“, sagt Michael Lamberty. Den Anfang bei Lufthansa machte Nicola Lisy. Als sie im Jahr 1988 als erste Copilotin ihren Dienst antrat, ahnte noch keiner, dass sie im Jahr 2000 auch als erster weiblicher Flugkapitän in die Geschichte der Lufthansa eingehen würde.

Von der Kapitänslizenz träumt auch Sarah Grassy. Vielleicht ist sie demnächst die vierte im Bunde der Kapitäninen bei Condor. Es wäre das I-Tüpfelchen auf ihrer beruflichen Laufbahn. Derzeit fliegt sie Kurz- und Langstrecken auf den Flugzeugtypen Boeing 757 und 767 und lernt dabei viele Länder nicht nur aus der Vogelperspektive kennen. „Jeder Start und jede Landung ist anders und sehr spannend“, erzählt Sarah Grassy. Sie genießt ihren Job. Für sie ist es ein Glück, hoch über den Wolken zu arbeiten. „Ob ein Anflug auf die Malediven oder der Sonnenaufgang über den Alpen – es ist immer sehr beeindruckend.“

Von Helga Kristina Kothe

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