Krisen und Inflationsangst treiben viele Anleger in vermeintlich sicheren Hafen

Gold gefragt wie selten

Seit Jahrtausenden ist das gelbe, auffallend glänzende und schwere Edelmetall Ausdruck von Wohlstand und Macht. Und bis heute hat es nichts von seiner fast schon magischen Anziehungskraft verloren: Gold. Seit Jahren eilt der Preis für den begehrten Stoff von Rekord zu Rekord. Erst zu Wochenbeginn markierte Gold mit 1476,80 Dollar (1018 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm) in Singapur ein neues Allzeithoch. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende kostete dieselbe Menge 250 Dollar, Ende 2005 etwa doppelt so viel.

Ob der Preis nun weiter steigt, darüber streiten die Experten allerdings. Während Goldspezialist Michael Blumenroth von der Deutschen Bank 1750 Dollar und damit einen Aufschlag von 20 Prozent auf den aktuellen Kurs für realistisch hält, warnen Pessimisten, die Goldblase könne bald platzen und der Preis auf bis zu 500 Dollar fallen. Gestern jedenfalls legte er um vier auf 1460 Dollar zu.

Inflationssorgen

Die Gründe für den rasanten Preisanstieg sind vielschichtig. Weil Gold und andere Edelmetalle seit je her als sichere Häfen in stürmischer See gelten, schichten viele Anleger in Krisenzeiten ihr Kapital gern ins beliebteste aller Edelmetalle um. Und an Krisen mangelt es derzeit nicht: Schuldenkrise im Euroland und den USA, Krieg in Libyen, Unruhen in Nahost, Natur- und Reaktorkatastrophe in Japan. Hinzu kommen steigende Inflationssorgen.

Alles zusammen schürt die Angst vor einem drohenden Wohlstandsverlust, dem viele durch die Anlage in Gold zu entfliehen versuchen.

Aber die aktuellen Krisen sind nicht der einzige Grund für die Jagd nach dem Edelmetall. Auch die seit Jahren weit gehend konstanten Reserven werden für die derzeitige Preisrallye verantwortlich gemacht. Weil das Edelmetall nicht unbegrenzt verfügbar ist, die Lagerstätten immer schwerer zugänglich werden und der Abbau immer aufwendiger wird, könnte der Nachschub irgendwann einmal versiegen. Erschwerend hinzu kommt die stetig wachsende Nachfrage nach Gold auch aus dem industriellen Sektor. Für die Herstellung vieler chemischer, pharmazeutischer, medizintechnischer, optischer und elektronischer Produkte ist der Stoff unverzichtbar. Und natürlich auch bei der Schmuckherstellung. Von den bislang in der Menschheitsgeschichte geschürften rund 155 000 Tonnen Gold dürfte gut die Hälfte zu Schmuck verarbeitet worden sein.

Jährlich kommen etwa 2000 Tonnen hinzu. Bleibt es beim jetzigen Abbau-Umfang, könnten die Vorkommen in 20 bis 30 Jahren erschöpft sein, schätzen Experten.

Zentralbanken und andere Währungsinstitute stellen übrigens mit 28 600 Tonnen die größten Goldbesitzer. Allein die US-Zentralbank Fed hat rund 8000 Tonnen des Edelmetalls in ihren Safes. Es folgen die Deutsche Bundesbank mit 3400 und die französische Zentralbank mit 2900 Tonnen. Etwa 25 000 Tonnen befinden sich in Form von Barren und Münzen in Privatbesitz.

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