Gegen die US-Investmentbank Goldman Sachs wird wegen Betrugs ermittelt

Goldmänner im Zwielicht

Wall-Street-Größe: Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat wieder glänzend verdient. Doch ihr Chef Lloyd Blankfein hat ein Problem: Dem Geldhaus wird vorgeworfen, Anleger betrogen zu haben. Die Bank weist die Anschuldigungen zurück. Foto: dpa

New York. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat im ersten Quartal dieses Jahres 3,3 Milliarden Dollar verdient. Das sind 2,4 Mrd. Euro und doppelt so viel wie vor Jahresfrist. Doch das Geldhaus kann sich in seinem Glanz kaum sonnen: Die US-Börsenaufsicht SEC wirft der Bank vor, Anleger um mehr als eine Mrd. Dollar geprellt zu haben. Auch die britische Finanzaufsicht FSA ermittelt jetzt. Ihr geht es wohl vor allem um die inzwischen teilverstaatlichte Royal Bank of Scotland, die 841 Mio. Dollar an Goldman Sachs gezahlt hatte.

? Wie soll Goldman Sachs betrogen haben?

!Die Investmentbank hat komplexe Pakete mit zweifelhaften Hypothekendarlehen zusammengepackt und an Investoren weiterverkauft. Sie verschwieg den Anlegern aber, dass ein großer Hedgefonds, Paulson, auf einen Kursverfall eben dieser Papiere spekulierte. Mehr als das: Paulson soll bei der Zusammenstellung der Wertpapiere mitgewirkt und genau die Hypothekentitel dort untergebracht haben, die mit größter Wahrscheinlichkeit platzen würden. Am Ende stand Paulson als der große Gewinner da – und Goldman-Kunden waren ihr Geld los.

? Wie funktionieren diese Bankgeschäfte?

!Sie sind hochgradig komplex. Dreh- und Angelpunkt sind Collateralized Debt Obligations (CDO). In diesen Wertpapieren werden Darlehen gebündelt, etwa Immobilienkredite. Wer die CDOs kauft, streicht die Zinsen aus den Darlehen ein.

? Wie haben Investoren mit CDOs gegen den Immobilienmarkt gewettet?

!Sie haben sich ein neues Wertpapier ausgedacht, „synthetische“ CDOs. Sie wurden ergänzt durch so genannte Credit Default Swaps (CDS). Diese sind eine Art Versicherung gegen Kreditausfälle: Der Käufer kann sich gegen eine regelmäßige Gebühr zum Beispiel gegen den Konkurs eines Unternehmes absichern.

? Wie gingen diese Geschäfte dann weiter?

!Mit einer riesigen Wette: Der Käufer einer synthetischen CDO setzte darauf, dass die Zinsen für die Hypothekenkredite in seinem „Paket“ pünktlich bezahlt wurden. In diesem Fall strich er das Geld ein, das ein CDS-Investor gezahlt hatte, um sich gegen einen Kreditausfall zu versichern. Konnten die Hausbesitzer nicht mehr zahlen, war der CDS-Investor der Gewinner: Er kassierte einen im voraus ausgehandelten Betrag. Die Goldman-Anleger waren verpflichtet, eine Mrd. Dollar zu zahlen, wenn ihr Hypotheken-Paket schlecht abschnitt.

? Sind auch deutsche Banken geschädigt?

!Die Mittelstandsbank IKB soll für 150 Mio. Dollar die Hypothekenpapiere gekauft haben. Die Düsseldorfer Bank musste am Ende mit fast zehn Mrd. Euro vom Staat gestützt werden. Jetzt gibt es Bestrebungen, Goldman Sachs haftbar zu machen. Politiker der Regierungskoalition fordern, dass der Bund an die US-Bank keine Aufträge mehr vergeben soll. (dpa/apn/wll)

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