Ex-Vorstand der BayernLB macht keine Aussage – Anklage wegen Bestechlichkeit

Gribkowsky schweigt

Muss sich seit gestern wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten: Der Ex-Risikovorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky. Foto: dapd

münchen. Im Vorstand der Krisenbank BayernLB war Gerhard Gribkowsky der Mann fürs Risiko. Er war dafür verantwortlich, die finanziellen Gefahren etwa durch Kreditausfälle für die Landesbank möglichst gering zu halten.

Tatsächlich bescherte er seinem Arbeitgeber laut Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Verkauf eines BayernLB-Anteils am Formel-1-Rennzirkus einen Schaden von 47,6 Millionen Euro, die auf Umwegen als Vermittlungsprovision an Formel-1-Chef- und -Urgestein Bernie Ecclestone geflossen sein sollen (siehe auch Hintergrund)

Der wiederum soll sich bei Gribkowsky mit einer Zahlung von 31,8 Mio. Euro an dessen Schweizer „Privatstiftung Sonnenschein“ für das einträgliche Geschäft revanchiert haben. Dafür muss sich der 53-jährige Bankmanager seit Montag vor dem Landgericht München verantworten.

Am ersten Verhandlungstag schwieg Gribkowsky zur Sache – wie in all den Haftmonaten auch. Er machte lediglich Angaben zur Person. Seine Anwälte erklärten, ihr Mandat sei unschuldig und plädierten auf Freispruch. Anfang Januar war der gebürtige Bremer festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Konten seiner „Privatstiftung Sonnenschein“ hat die Staatsanwaltschaft umgehend einfrieren lassen.

Schnelle Karriere

Das Bankgeschäft hat der promovierte Jurist, der in Freiburg studiert hat, bei der Deutschen Bank erlernt. 1988 trat er zunächst als Trainee-Fachmann in deren Dienst. Mit seiner selbstbewussten und zupackenden Art arbeitete sich Gribkowsky auf der Karriereleiter rasch nach oben. Nach der Wende baute er das Geschäft in den neuen Ländern auf, 1998 stieg er in die Geschäftsführung Region Süd der Deutschen Bank auf.

Dort wurde die BayernLB auf Gribkowsky aufmerksam und holte ihn in den Vorstand. Zuletzt soll er ein Jahresgehalt von 500 000 Euro plus Zulagen bezogen haben.

2008 trennte sich die BayernLB von dem Vater drei erwachsener Kinder. Sie machte ihn seinerzeit für milliardenschwere Verluste mit US-Immobilienpapieren verantwortlich. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft Untreue im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Fehlkauf der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) vor, der die BayernLB an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Mit Spannung wird die Aussage Ecclestones am 9. und 10. November erwartet. Gegen ihn läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren. Der 80-jährige hatte mehrfach erklärt, Gribkowsky habe ihn wegen einer Steuerangelegenheit erpresst. Er habe gedroht, die britische Finanzbehörde einzuschalten und ihn zur Millionenzahlung an die Schweizer Stiftung genötigt.

Beobachter gehen von mindestens 20 Verhandlungstagen aus. Insofern dürfte der spektakuläre Prozess weit ins kommende Jahr reichen.

Von José Pinto

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