Geht das Land in die Knie verlieren Bund, Banken und Versicherer Milliarden

Griechen-Pleite wäre teuer

? Sollte das Hilfspaket 25 Milliarden Euro umfassen, welchen Anteil müsste die Bundesrepublik beisteuern?

!Der Anteil errechnet sich aus der Quote, die jedes Land am Kapital der Europäischen Zentralbank (EZB) hält. Der deutsche Beitrag läge zwischen vier und fünf Mrd. Euro, die in Form von Garantien und Krediten Griechenland gewährt werden können.

? Sollte Deutschland eine solche Hilfsaktion mit Blick auf die Steuerzahler stemmen?

!Der Bund der Steuerzahler lehnt Hilfen der Euro-Gruppe für Griechenland ab. „Externe Finanzhilfen, in welcher Form auch immer, wären lediglich ein zeitweiliges Strohfeuer ohne nachhaltigen Effekt und darum abzulehnen“, sagte Bundesgeschäftsführer Reiner Holznagel. „Die Strukturprobleme des Landes würden damit nicht gelöst“ – diese müsse Griechenland selber anpacken.

? Was würde passieren, wenn Griechenland nicht geholfen wird?

!Griechenlands Schulden-krise könnte nach Auffassung von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die Weltwirtschaft gefährden. Das sei der Fall, wenn der so genannte Domino-Effekt weitere Länder in die Insolvenz zwingen würde. Wenn die EU Griechenland fallen ließe, wäre das ein negatives Signal für andere unsichere Länder. Sollte auch Irland zahlungsunfähig werden, folgten bald Portugal, Italien und Spanien – den so genannten Piigs-Staaten. „Die Währungsunion wäre am Ende“, so Sinn. Er favorisiert eine Lösung mit dem Internationalen Währungsfonds.

?Wo steckt das Hauptrisiko für Deutschland?

!Das Hauptrisiko steckt in den kollektiven Schwierigkeiten der Piigs-Staaten. Die Staatsfinanzen sind allesamt zerrüttet. Die deutschen Banken sind dem Vernehmen nach Hauptgläubiger in Spanien und Irland sowie zweitwichtigster Gläubiger in Italien. In Griechenland sollen die Finanzinstitute an dritter Stelle stehen. Allein die Deutsche Pfandbriefbank, eine Tochter der Münchener Hypo Real Estate (HRE), hat Milliarden in griechischen Staatsanleihen investiert. Die Bafin geht laut Spiegel von 9,1 Mrd. Euro aus. Die HRE gehört dem Bund, das heißt, er würde bei einer Pleite milliardenschwer mit drinhängen.

?Und wie sieht es mit den deutschen Banken aus?

!Die Commerzbank soll Griechenland-Papiere über 4,6 Mrd. Euro halten, und die Landesbanken in Baden-Württemberg und in Bayern sollen laut Spiegel zusammen 4,2 Mrd. Euro halten.

? Sind auch Versicherer betroffen?

!Die Versicherer stecken seit jeher den größten Teil ihrer Investments in festverzinsliche Papiere. Mit besonderer Vorliebe zeichnen sie Staatsanleihen – auch griechische. Bislang schweigt die Branche. Ein wenig Licht ins Dunkel bringt eine Analyse der US-Bank J.P.Morgan. Demnach hat die Allianz griechische Staatsanleihen für 3,6 Mrd. Euro und spanische im Volumen von 6,3 Mrd. Euro im Depot. Der Rückversicherer Munich Re soll 1,5 Mrd. in griechische Papiere investiert haben, so der Spiegel.

?Sind dies bereits echte Verluste?

!Nein, die Zahlen sagen nur etwas über das Volumen des Engagements aus. Es gibt aber Analysten-Berechnungen zu Verlusten. So sollen die Griechenland-Papiere Anfang Februar in den Büchern der Allianz ein Minus von 105 Millionen Euro hinterlassen haben. Aber auch dies sind vorerst nur Buchverluste.

Von Martina Wewetzer

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